Im Dezember haben über 80 Mitarbeiter von Beiersdorf Schweiz in Reinach/BL die Hiobsbotschaft erfahren. Die Hamburger Firmenzentrale will Synergien nutzen und die Schweizer Ländergesellschaft stärker an jene in Deutschland binden. Die Schweizer Geschäftsleitung braucht es dazu nicht mehr. «Die Schweizer Geschäftsleitungs-Ebene wird aufgehoben», sagen mehrere gut informierte Quellen.

Der Abgang von Beiersdorf Schweiz CEO Erhard Schöpfer ist bereits bekannt. Auch der Logistik- und Verkaufschef sowie die Personalchefin sollen gehen. Die Marketing-Chefin hat bereits früher gekündigt. Einzig der Leiter der Division Eucerin kann seinen Job behalten. Zudem hat die Hamburger Zentrale zwei der entlassenen Manager ein Jobangebot unterbreitet.

Doch nicht nur die Schweizer Management-Ebene muss bluten. «Das Verfahren zu einer Massenentlassung ist in Vorbereitung», bestätigen mehrere Quellen. Wie viele Entlassungen es genau geben wird, sollen die Betroffenen bis Ende Januar erfahren. Die Rede ist intern aber von mindestens 20 Angestellten.

Die Schweiz aus Hamburg herausführen

Die Mutterkonzern Beiersdorf will die Schweiz stärker in die Business-Unit Deutschland integrieren. Neu wird die Schweiz von einem Country-Manager vertreten, der von Reinach aus den Bereich Marketing und Verkauf selbst übernimmt. Neuer Geschäftsführer wird ab dem 1. Februar der 40-jährige Thomas Lichtblau, der zuvor die Beiersdorf Tochtergesellschaft in Ungarn leitete. Rolf Lange, Sprecher der Beiersdorf-Zentrale in Hamburg erklärt: «Es wird weiterhin eine Schweizer Geschäftsleitung geben. Die Schweiz ist seit mehreren Jahren in einem Management-Verbund mit Deutschland eingebunden, dies wird auch so bleiben.»

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Die Entmachtung der Schweizer Zentrale im Baselbiet ist denn auch bereits seit mehreren Jahren im Gang. Vor zwei Jahren wurde das Logistiklager im Baselbiet nach Hamburg verlegt. Damals wurden 35 Mitarbeiter entlassen.

Diesmal gibt man sich bezüglich Stellenabbau intransparent. Die Beiersdorf Schweiz-Verantwortlichen wollen sich nicht zu den Vorgängen äussern. Am Hauptsitz in Hamburg sagt Beiersdorf-Sprecher Rolf Lange: «Ein möglicher Stellenabbau in der Schweiz steht in Zusammenhang mit der internationalen Neuausrichtung des Konzerns. Beiersdorf stärkt die regionale Ausrichtung durch die Neuausrichtung der Unternehmensstrukturen und -prozesse für künftiges Wachstum. Beiersdorf erwartet, dass weltweit bis zu 1000 Mitarbeiter von den Massnahmen betroffen sein können, davon bis zu 230 in Deutschland.»

Welche Auswirkungen die Neuausrichtung des Konzern der Beiersdorf AG auf die Strukturen in der Schweiz hat, wird laut Lange zurzeit gemeinsam mit dem lokalen Management ausgearbeitet. «Kündigungen sind dabei nicht auszuschliessen. Wir werden unsere Vorschläge mit den Mitarbeitern diskutieren und sie in eine Lösung mit einbeziehen.»

Mit der Neuausrichtung will sich Beiersdorf auf seine Wurzeln der Pflegeprodukte zurückbesinnen. Viele Kosmetika wie Lippenstift oder Mascara will der Konzern vom Markt nehmen.