Bei den Konditionen für die Praktikanten unterscheiden sich Grossbanken in Zürich oder Frankfurt kaum: Für die üblichen Sechsmonatspraktika gibt es Entschädigungen von insgesamt 15 000 bis 20 000 Franken für junge Mitarbeiter, die direkt aus Lehren oder Mittelschulen kommen und das Doppelte für Universitätsabsolventen, inklusive des üblichen Vorstellungsgesprächs mit zwei, drei möglichen Linienvorgesetzten und einer halben Stunde mit der Dame von der Personalabteilung.

Goldmann Sachs will nur die Besten

«Aber bei Goldman Sachs ist alles anders», erinnert sich Fabian Graf, ehemaliger Praktikant bei der amerikanischen Investmentbank in Frankfurt. «Die Löhne waren weit überdurchschnittlich. Die Arbeitszeit und der geforderte Einsatz freilich auch - man merkte bereits bei den Einstellungsgesprächen, dass die Bank nur die Allerbesten will und die Kandidaten auch sorgfältig aussiebt.»

Roland Leithäuser, Sprecher von Goldman Sachs in Frankfurt, erklärt: «Ein Praktikum bei uns ist sicherlich die beste Möglichkeit, das Unternehmen, die einzelnen Geschäftsbereiche und die Kultur kennenzulernen. In diesem Jahr verzeichnen wir global so viele Bewerbungen für Praktika wie nie zuvor. Allein in Europa haben sich in den ersten drei Quartalen 2010 über 30 000 Studenten für ein Praktikum bei Goldman Sachs beworben.»

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Längst nicht alle werden genommen, die Hürden sind hoch. «Goldman Sachs unternimmt grosse Anstrengungen, für jede Position den jeweils besten Mitarbeiter zu finden», sagt Leithäuser, «genauso wie bei Vollzeitstellen erwarten wir von den Bewerbern Engagement, Begeisterung, Dynamik und Teamfähigkeit.» Die Praktikanten erhalten bei Goldman Sachs eine «marktkonforme, leistungsgerechte Entlohnung», ergänzt Leitäuser, «im Rahmen eines Praktikums werden sie umfassend von erfahrenen Mitarbeitern betreut und nehmen aktiv an verschiedenen Trainings und Fortbildungen teil.»

Credit Suisse sieht grosses Potenzial

«Wir sehen ein grosses Potenzial in interessierten jungen Leuten» sagt Sibylle Mani, Sprecherin der Credit Suisse, «ein breites Angebot an Ausbildungsprogrammen für Praktikanten, Mittelschul-, Hochschul- und Fachhochschulabsolventen macht uns zu einem attraktiven Arbeitgeber, der Mitarbeitende langfristig fördert und entwickelt.» Insgesamt bietet die Credit Suisse rund 1200 Ausbildungsplätze in der Schweiz. Dazu gehören neben Lehrstellen zunehmend Ausbildungskontingente für Mittel- und Hochschulabsolventen.

Die Credit Suisse offeriert in der Schweiz pro Jahr rund 180 Praktikumsplätze - Internship genannt - für Studierende. In diesem Internship können Studierende einen bestimmten Bereich kennenlernen und Praxiserfahrung in der Bankenwelt sammeln. Voraussetzungen sind vier Semester Studium oder der Bachelor-Abschluss. Diese Internships dauern durchschnittlich sechs Monate (mindestens drei Monate) und werden für alle Bereiche und Funktionen des Finanzinstituts angeboten.

Nach dem Internship besteht die Möglichkeit, in ein weiteres spezifisches Programm aufgenommen zu werden, beispielsweise nach absolviertem Studium ein Career Start Program.

UBS offeriert drei Einstiegsvarianten

Man biete verschiedene Programme, sei es für Studenten (Internship), sei es für Absolventen (Graduates Training Program), sei es für Mittelschulabsolventen (Allround-Praktikum), so Eveline Müller-Eichenberger, Sprecherin der UBS.

Für Studenten gibt es also auch bei der UBS das Internship. Die Dauer beträgt zwischen drei und sechs Monate. Nach dem Studium hat man die Möglichkeit, mit einem Graduate Training Program (GTP) den Einstieg zu machen. Das Angebot beinhaltet unter anderem verschiedene Ausbildungen, eine Rotation sowie Events fürs Networking. Es dauert zwischen 12 und 24 Monate, je nach Arbeitsbereich.

Das Allround-Praktikum ist der ideale Bankeinstieg für Absolventen einer eidgenössisch anerkannten Maturitäts- oder einer dreijährigen Handelsmittelschule. Es dauert 18 Monate. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer das Zertifikat der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg bzw. Swiss Banking). Damit haben sie gemäss Müller-Eichenberger beste Voraussetzungen für die weitere berufliche Zukunft. Parallel zur Karriere können sie sich beispielsweise an einer Fachhochschule weiterbilden oder ein höheres Fachdiplom erwerben.

Nachdem sich die Studenten via Internet beworben haben, müssen sie zuerst ein Online-Assessment (logischer, numerischer Test) bestehen. «Erst danach führen wir mit den Bewerbern Interviews durch», sagt Müller-Eichenberger. Betreut werden die sogenannten Interns durch einen Vorgesetzten und durch das Campus Recruiting, jene Einheit bei der UBS, die für die Rekrutierung von Studienabgängern und Interns verantwortlich ist. Die Entlöhnung erfolge nach marktüblichen Kriterien, heisst es dazu.

ZKB sucht nur an Schweizer Schulen

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) offeriert laut Sprecherin Sibylle Umiker zwei Arten von Traineeships: So werden jährlich rund ein Dutzend Ausbildungsplätze für Mittelschulabsolventen angeboten, diese Lehrgänge dauern 18 Monate und richten sich an Absolventen einer eidgenössischen Maturität oder einer Handels- bzw. Wirtschaftsmittelschule bis zum 25. Lebensjahr. Am Ende des Lehrgangs erhalten die Praktikanten das von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg bzw. Swiss Banking) ausgestellte Diplom Bankeinstieg für Mittelschulabsolventen (BEM). Bei Hochschulabsolventen unterscheidet die ZKB Studenten, die während ihrer Ausbildung ein Praktikum suchen, und Absolventen, die nach erfolgreichem Hochschulabschluss einen Einstieg wollen.

«Für Studierende bieten wir keine standardisierten Möglichkeiten an. Für Absolventen hingegen, die nach dem Bachelor- oder Master-Studium einen Einstieg in die Bankenwelt suchen, bieten wir Hochschul-Trainee-Programme an», sagt Umiker. Die ZKB beschäftigt durchgehend rund 35 Hochschulabsolventen im Rahmen von sogenannten Traineeships.

«Der Bewerbungsprozess verläuft ähnlich zu normalen Anstellungen», ergänzt Umiker. Neben einem Gespräch mit dem Personalverantwortlichen finden Interviews mit dem Linienvorgesetzten sowie allenfalls Programm-Mentoren statt.

Beim BEM-Lehrgang kommen die Absolventen auf ein Gehalt von 40 000 Franken pro Jahr. Praktikanten mit Bachelor erhalten 70 000 bis 80 000 Franken pro Jahr, solche mit einem Master-Abschluss 80 000 bis 90 000 Franken pro Jahr. «In gewissen Bereichen sind Auslandaufenthalte möglich», führt Umiker aus, «aufgrund der grossen Nachfrage nach diesem Ausbildungsgang und der hohen Qualität der Bewerber sehen wir uns nicht veranlasst, im Ausland zu rekrutieren, und da sich die ZKB auf die Förderung des Wirtschaftsraums Zürich konzentriert, werden lediglich Absolventen von Schweizer Hochschulen rekrutiert.»