Sika hat vor Augen geführt, wie sehr Minderheitsaktionäre in Familienunternehmen den Entscheiden der Eigner ausgeliefert sind. Befürchten Sie, dass sich nun auch die Aktionäre von Metall Zug, die eine ähnliche Aktienstruktur wie Sika ausweist, von Ihrem Unternehmen abwenden?
Heinz M. Buhofer: Nein. Metall Zug wird seit über 100 Jahren durch die Familie kontrolliert und erfolgreich geführt. ­Mitglieder der Familie sind aktiv in den Organen und in der strategischen Führung der Gesellschaft eingebunden. Das stabile Aktionariat hat viel zur Solidität und Stabilität der Metall Zug beigetragen. Die Familie hat auch in verschiedenen Krisen in der langen Geschichte zur Firma gehalten und immer wieder einen neuen Aufbruch ermöglicht, wenn andere sich desinteressiert abgewendet haben. Das Aktionariat erlaubt es Metall Zug, sich langfristig orientieren und ausrichten zu können, ohne sich immer wieder auf kurzfristige Modetrends einlassen zu müssen.

Die Argumente galten auch bei Sika – bis es sich die Familie anders überlegte. Weshalb sollen die Investoren solchen Beteuerungen noch glauben?
Wir gehen nicht davon aus, dass wir dadurch Vertrauen von Investoren verloren haben. Ob die Kapitalstruktur Stimmrechtsaktien beinhaltet oder nicht, ist keine Frage der Good Governance. Verschiedene sehr beliebte, erfolgreiche und zuweilen von interessierter Seite hochgejubelte Firmen verfügen ebenfalls über Stimmrechtsaktien. Letztlich geht es aber nicht darum, das eine Modell zu glorifizieren und das andere schlechtzumachen, sondern den Wettbewerb zwischen diesen zum Vorteil der Volkswirtschaft zu nutzen und sich immer wieder neu der Wahlfreiheit der Investoren zu stellen. Letztlich ist es aber vor allem die nachhaltige Performance, die es braucht, um die Investoren jenseits von Stimmungsmache zu überzeugen.

Der Fall Sika wird missbraucht?
Er ist ein gefundenes Fressen für Stimmungsmache. Dabei ist es ja nicht so, dass die Handvoll selbsternannter Governance-Experten, welche die immer gleichen Slogans repetieren, altruistischer motiviert wären als die Verkäufer der Stimmenmehrheit von Sika, die immerhin während Jahren signifikant zum Gedeihen einer die Schweizer Unternehmungslandschaft bereichernden Firma beigetragen haben. Natürlich gehört zum Wettbewerb unterschiedlicher Unternehmensausprägungen um die Gunst der Investoren auch die Kritik. Dagegen ist nichts einzuwenden. Zu bemängeln sind aber Aussagen, die auch dann als objektive Beurteilungen im Interesse der Allgemeinheit dargestellt werden, wenn sie bloss dazu dienen, ein eigenes Süppchen zu kochen.

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Eine Anpassung der Aktionärsstruktur bei Metall Zug kommt nicht in Frage?
Es ist weder die Einführung einer Einheitsaktie noch die Abschaffung der Op­ting-out-Klausel geplant. Das Opting-out hat seine Berechtigung. Es verleiht der Gesellschaft Flexibilität im Zusammenhang mit finanziellen Umstrukturierungen wie Kapitalerhöhungen, Aktienrückkäufen und dergleichen, ohne dass die Hauptaktionäre zu einem ungewollten Übernahmeangebot gezwungen werden. Die Eigenschaften von Stimmrechtsak­tien – ob im Kontext eines Opting-out oder nicht – sind transparent, und es gibt keinen Grund, die Wahlfreiheit nicht den Investoren zu überlassen. Gerade das Opting-out macht es möglich, dass auch Inhaber grösserer Aktienpositionen ohne Restriktionen den für sie besten Käufer finden können, ein Recht, das ja alle anderen Aktionäre auch haben. Es bräuchte also gute Gründe statt gedankenloser Schlagworte, um von dieser Gleichbehandlung aller Aktionäre abzuweichen und ausgerechnet den grösseren Aktionären, die der Gesellschaft über Generationen, durch Höhen und Tiefen die Treue gehalten haben und für das Halten ihrer Position besondere Risiken getragen haben, Restriktionen aufzuerlegen, die Publikumsaktionären nicht auferlegt werden.