Wohnungen, Jobs, Nothilfe. Ukrainische Flüchtlinge werden derzeit vielerorts mit offenen Armen empfangen. Doch ein Problem haben die meisten von ihnen: Ukrainisches Geld, das sie von zu Hause mitgebracht haben, lässt sich auf den Banken nicht in Schweizer Franken wechseln. Und so kommen die Ukrainerinnen und Ukrainer nicht an brauchbares Geld.

Gegenüber der «Handelszeitung» bestätigen die Banken das Problem. Derzeit scheint kaum ein Institut Ukrainische Hrywnjas (oder Griwnas) anzukaufen. Weder bei der Credit Suisse noch bei den Kantonalbanken von Basel und Zürich werde damit gehandelt, sagen Auskunftspersonen dieser Banken. Berichte aus Nachbarländern wie Deutschland zeigen, dass dort das gleiche Problem besteht.

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Allerdings wird hinter den Kulissen offenbar an Lösungen gearbeitet. Auch die Schweizerische Nationalbank hat sich eingeschaltet, wie diese auf Anfrage bestätigt: Die SNB sei zwar selbst nicht im Handel mit ausländischen Banknoten tätig, da das Geschäft mit ausländischen Banknoten in der Schweiz von den Geschäftsbanken eigenständig betrieben wird, sagt ihr Sprecher Christoph Hirter. «Sie ist aber im Gespräch mit den Geschäftsbanken und dem Bund, um mögliche Lösungen zu erörtern.»

Auch die Basler Kantonalbank verweist auf die Zusammenarbeit mit der Nationalbank – interessanterweise mit exakt der gleichen Formulierung wie die Notenbank. Man scheint sich bereits abgesprochen zu haben.

Handel mit ukrainischem Geld ist nicht möglich

Das Problem ist: Für ukrainisches Geld gibt es keinen Markt. «Zurzeit steht für den Handel mit ukrainischer Währung kein Wechselkurs zur Verfügung, weshalb wir diese Stand jetzt nicht ankaufen können», sagt die Sprecherin der Credit Suisse. Auch sie verweist auf die laufenden Gespräche. «Wir begrüssen es, wenn hier rasch und unkompliziert eine gemeinsame Lösung im Sinne der Schutzbedürftigen gefunden werden kann.»

Erschwerend kommt hinzu, dass die ukrainische Notenbank offenbar eine sehr restriktive Devisenpolitik verfolgt, was den Handel mit ukrainischem Geld zusätzlich erschwert.

Auch in der EU wurden Forderungen nach staatlicher Hilfe laut. Vor allem Nachbarländer der Ukraine, die das Problem bereits kennen, haben die EU zum Handeln aufgefordert. «Schritt für Schritt und Tag für Tag wird es auch ein Thema für andere europäische Länder», sagt Włodzimierz Kiciński, Vizechef des polnischen Bankenverbands ZBP, zum «Spiegel». Er schickte kürzlich eine Art Hilferuf an die Europäische Zentralbank (EZB). Diese solle einen Sonderfonds auflegen, um den Ankauf von Hrywnja zu finanzieren.

Bezug an Geldautomaten sollte noch möglich sein

Glücklich ist, wer eine noch funktionierende Bankomatkarte einer ukrainischen Bank hat. Bargeldbezüge sollten an Schweizer Geldautomaten weiterhin möglich sein, sagt Jürg Schneider von der Bankomat-Betreiberin SIX Group. «Somit können ukrainische Personen an CH-Bankomaten Geld beziehen, sofern ihre Karten das erlauben.» Letztlich hänge es von der dortigen Bank ab, ob Bezüge in der Schweiz möglich seien, so Schneider.

Zumindest bei einer Bank müsste das gehen: Die österreichische Raiffeisen International, welche auch in der Ukraine zu den grössten Retailbanken zählt, betont auf Anfrage der «Handelszeitung», Auszahlungen an Geldautomaten im Ausland seien weiterhin möglich. «Kunden der Raiffeisenbank Ukraine können mit ihren Bankkarten im Ausland bezahlen und an Geldautomaten auch Bargeld beheben», schreibt Raiffeisen-Sprecherin Ingrid Ditz.