Die «Financial Times» thematisiert heute prominent Diskriminierungsvorwürfe gegen die UBS: Der Mutterschaftsurlaub diene der Schweizer Grossbank als Anlass, langfristige Bonuskürzungen zu verfügen. Mehrere «top women bankers» hätten sich darüber beklagt. 

Einer UBS-Angestellten sei der Bonus viermal tiefer eingestuft worden – nachdem sie viermal ein Kind bekommen hatte. Namen nennt die «Financial Times» allerdings keine. In vielen Fällen seien die Boni um einen Drittel oder mehr gekürzt worden.

Formale Beschwerden bei HR

In der Darstellung der Londoner Zeitung spiegelten sich in den Bonus-Reduktionen auch entsprechende Einstellungen: Als Mutter zu arbeiten sei eine «Lifestyle choice», habe eine UBS-Bankerin zu hören bekommen. «Wenn man einmal schwanger ist, wird man grundsätzlich nie mehr mit den männlichen Kollegen mithalten bei der Karriere, die man zuvor aufzubauen begonnen hat», wird eine (ungenannte) UBS-Angestellte zitiert.

Wieviele Frauen betroffen sind, ist unklar, und die «FT» informiert auch nicht über die Zahl ihrer Zeuginnen. Doch sowohl im Rahmen der Linienstruktur wie bei der HR-Abteilung seien formale Beschwerden von Kaderfrauen verschiedener Stufen eingebracht worden (executive directors, directors, associate directors). Insgesamt hätten sich «mehr als ein Dutzend Frauen» alleine im Bereich des Wealth Management Schweiz über die Benachteiligung beklagt; das Thema liege auch schon seit einem Jahr formal auf dem Tisch.

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Carolanne Minashi, die oberste UBS-Chefin für Diversity-Fragen, versprach interne eine Überprüfung der Zustände – «a formal review of the bank’s post-maternity leave bonus policy». Die «Financial Times» zitiert entsprechende Dokumente.

«In der UBS-Kultur keinen Platz»

In der Schweiz erhält die Mutter bei der UBS für 180 Tage nach der Geburt vollen Lohn, ab dem elften Dienstjahr sind es 210 Tage. Dies lässt sich auch durch unbezahlten Urlaub verlängern. Frischgebackene Väter erhalten mindestens zehn Tage bezahlten Urlaub.

In ersten Reaktionen erklärte UBS, dass etwaige Diskrepanzen ungewollt seien: «Wir gehen das Thema Mutterschaftsurlaub während des Vergütungsprozesses proaktiv und systematisch an, um festzustellen ob es Unterschiede gibt und – sollten wir solche finden – sie zu schliessen», teilt ein Konzernsprecher mit: «Diesen Prozess haben wir 2018 weiter gestärkt.» Es sei UBS «extrem wichtig, dass Mitarbeitende in vergleichbaren Rollen mit vergleichbarer Leistung und Erfahrung gleich und fair entlöhnt werden.»

Wenn sich Angestellte in ihrer Vergütung nach der Mutterschaft benachteiligt fühlten, könnten sie die HR-Abteilung bis hin zur Leitung zu kontaktieren: «Wir prüfen jeden Fall und werden handeln, wenn wir Diskrepanzen finden.»

Gegenüber der «Financial Times» nannte ein UBS-Sprecher die Äusserungen einiger Manager zur Mutterschaft «archaisch»: Sie hätten «in der UBS-Kultur keinen Platz». Stefan Seiler, als Group Head Human Resources der oberste Personalchef, lud dabei ebenfalls betroffene Frauen ein, sich direkt mit ihm in Verbindung zu setzen. 

(rap)