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Emil Frey Gruppe
Kinder von Patron Walter Frey werden Direktoren

Patron Walter Frey von Emil Frey AG.Quelle: Keystone

Neue Statuten, neue Aktien, neuer Holding-Name: Das Familienunternehmen ist bereit für die nächste Generation.

Marc BadertscherMarc Iseli
Von Marc Badertscher und Marc Iseli
am 07.02.2018

Seit Jahrzehnten prägt Walter Frey die Autohändlerbranche mit dem von seinem Vater gegründeten Unternehmen EmilFrey. Expansionen in der Schweiz, Zukäufe in Deutschland: Mittlerweile ist die fast hundertjährige Firma der grösste Autohändler Europas. Eine Institution, eine Familientradition. Nun bereitet der Patron das Terrain für die Stabsübergabe vor.

So rückt die dritte Generation des Familienunternehmens näher ans Entscheidungszentrum. Zwei der drei Kinder von Patron Walter Frey haben beim Autoimporteur vor kurzem den Status von Direktoren erhalten. Das geht aus Angaben des Handelsregisters hervor. Demnach sind Lorenz und Kathrin Frey neu für die Emil Frey AG und die Emil Frey Holding AG zeichnungsberechtigt. Die Firma bestätigt den Sachverhalt: «Die Beförderung von Kathrin und Lorenz Frey per Ende Jahr erfolgte im Rahmen ihrer operativen Tätigkeiten für die Geschäftsleitung der Emil Frey  Gruppe

Bereit für die Zukunft

Doch die Personalie ist nur die jüngste Neuerung. Hinter den Kulissen kam es bereits letzten Sommer zu substanziellen Veränderungen beim Konzern mit Sitz in Zürich-Altstetten, welche die Dinge für die Zukunft regeln. Neue Statuten wurden verabschiedet, Namenaktien eingeführt und Restriktionen zur Übertragbarkeit derselben festgelegt. Gleichzeitig soll künftig ein Schiedsgericht schlichten, sollte es irgendwann zu Konflikten unter den Aktionären oder zu solchen zwischen Aktionären und der Gesellschaft kommen. So viele Änderungen innerhalb weniger Monate hat es beim Autohändler schon lange nicht mehr gegeben.

Was das für die Emil Frey mittelfristig bedeutet, ist offen. Die Firma sagt dazu lediglich: «Mit der Statutenänderung wurde die Firma an die Moderne angepasst und die Struktur so festgelegt, dass das Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet ist.» Walter Frey führt das Unternehmen seit Jahrzehnten als Patron. CEO ist seit mehreren Jahren Gerhard Schürmann, der auch im Verwaltungsrat sitzt. Nach zahlreichen Expansionen im Ausland ist Emil Frey inzwischen ein Konzern, der geschätzt über 10 Milliarden Franken umsetzt. Er betreibt beinahe jedes Geschäft, das irgendwie mit Auto zu tun hat. Dazu gehört neben dem Import von Marken wie Toyota, Jaguar und Ford auch das Betreiben von Garagen; 40 in der Schweiz, über 400 in Europa. Von der Finanzierung bis zum Mietwagen und der Autowaschanlage findet sich alles im Portfolio. Die «Bilanz» schätzt den Wert des Unternehmens auf 4 Milliarden Franken.

Namensänderung der Holding

Die statutarischen Neuerungen eingeleitet hatte die Generalversammlung unter dem Vorsitz von Walter Frey an einer Sitzung vom 5. Juli 2017 am Domizil der Gesellschaft in Zürich. Damals beschloss das Aktionariat, den Namen der Dachholding zu ändern, in der die Beteiligungen gebündelt sind. Seit mehr als dreissig Jahren hatte diese «Walter FreyHolding» geheissen. Nun soll sie der zeitlosen Konzernmarke angelehnt werden und «Emil Frey Holding» heissen. Das Unternehmen sagt dazu: «Unsere Gruppe hat immer unter dem Namen Emil Frey firmiert und mit der Namensänderung der Holding wurde eine Anpassung an diese Gegebenheiten vorgenommen.»

Gleichzeitig wurden an dieser Generalversammlung alle Inhaber- in Namenaktien umgewandelt und das Aktienkapital erstmals seit zwanzig Jahren leicht um 5 Prozent erhöht. Parallel dazu führte die Generalversammlung zahlreiche Bestimmungen in die neu gestalteten Statuten ein, welche die Rechte der Aktionäre und die Macht des Verwaltungsrats beschreiben.

So dürfen Aktien nur mit Zustimmung des Verwaltungsrates übertragen werden. Einen Eintrag ins Aktienbuch kann der Verwaltungsrat ablehnen, sollte die wirtschaftliche Selbstständigkeit der Gesellschaft dadurch gefährdet werden. Auch die Sonderfälle Erben und eheliches Güterrecht werden in den neuen Statuten behandelt. Für Streitigkeiten irgendwelcher Art ist der Gang an ein Schiedsgericht nach den Regeln der schweizerischen Handelskammern in Zürich vorgesehen. Dieses soll in einem Schiedsverfahren die Angelegenheit entscheiden. Nun sei «das Haus bestellt», wie es ein Insider formuliert.

Stufenweises Einarbeiten

Über ein allfälliges Nachrücken der dritten Generation im Unternehmen ist bisher nichts Konkretes bekannt. Eine Übergabe dürfte auch nicht unmittelbar bevorstehen. Sowohl Lorenz wie Kathrin Frey sind allerdings schon länger in der Firma aktiv und hatten in der Vergangenheit mehrere Stationen beim 1924 gegründeten Unternehmen durchlaufen. Kathrin Frey soll laut «Bilanz» am Digitalisierungsprojekt arbeiten, ihr Bruder absolvierte intern Stationen, unter anderem als Mechaniker, Verkäufer, in der Buchhaltung sowie im Marketing – und ist laut «Weltwoche» zuständig für Spezialprojekte.

Lorenz Frey ist zudem bekannt als Rennfahrer und Teamleiter von Emil Frey Racing. Regelmässig nimmt der Rennstall aus Safenwil AG an Veranstaltungen der GT-Serie teil. Diesen Sommer steht zudem laut der eigens dafür eingerichteten Website die Hochzeit mit Michèle Hilti an, der Tochter von Patron Michael Hilti vom gleichnamigen Werkzeughersteller.

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