Bald erhält der Industriekonzern OC Oerlikon einen neuen Chef: Mitte Mai wird der designierte CEO Michael Buscher das Steuer von Profi-Sanierer Hans Ziegler übernehmen. Ziegler dürfte sich in den VR zurückziehen oder in einer anderen Funktion dem Konzern verbunden bleiben.

Der russische Grossaktionär Viktor Vekselberg, der bis heute 2 Mrd Fr. in Oerlikon investiert hat, setzt grosse Hoffnungen in Buscher. Vekselbergs Chief Investment Officer der Beteiligungsfirma Renova, Vladimir Kuznetsov, fordert von Buscher: «Er soll mit seiner Erfahrung und seiner Energie Stabilität und neue Perspektiven für Oerlikon bringen.»

Über Nacht wird das aber nicht gelingen. Laut Oerlikon-Finanzchef Jürg Fedier sind aufgrund der Geschäftsnatur von Oerlikon «drei, vier Jahre nötig», bis der Konzern ganz gesund sei und entsprechende Renditen abliefere. Fediers Zeitplan: Der operative Breakeven dürfte «gegen Ende 2010» erreicht sein. Für das Geschäftsjahr 2010 müssten «sehr wahrscheinlich» nochmals rote Zahlen ausgewiesen werden. Ab 2011 dann werde der Konzern auf Wachstumskurs einschwenken. Bis dahin muss Buscher wissen, wohin er mit Oerlikon will. «Nachdem er sich mit seinen Aufgaben vertraut gemacht hat, erwarten wir, dass er mit strategischen Ideen an den Verwaltungsrat gelangt, die Oerlikon nach vorne bringen», betont Kuznetsov. Ob Buscher der richtige Mann für diese Mission ist, bejaht der Russe. «Oerlikon steckt bei Buschers Amtsantritt nicht mehr in einer Turnaround-Phase.» Die Restrukturierung sei bereits aufgegleist. «Die initiierten Programme tragen erste Früchte. Wir werden den Aufwärtstrend bereits in den Zahlen zum 1. Quartal 2010 sehen», verspricht Kuznetsov.

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Zwar generiere Oerlikon noch kein Cash, verfüge aber bald über ein komfortables Liquiditätspolster. Gemäss Finanzchef Fedier werden nach den Kapitalrunden, je nach Ausübung der Bezugsrechte durch die Altaktionäre, rund «400 Mio Fr. plus» in der Kasse sein, die Eigenkapitaldecke steige auf bis zu 40%.

«Buscher muss den Aufschwung managen und sicherstellen, dass Oerlikon ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen kann», verlangt Kuznetsov. Der Bombardier-Mann habe sich in einem strengen Auswahlverfahren gegen mehr als zehn Kandidaten durchgesetzt - «er ist der Richtige», bilanziert Kuznetsov.

Buscher wird allerdings um ein Spezialhelfer zur Seite gestellt. Auf «Wunsch» der Gläubiger installiert Oerlikon einen Chief Restructuring Officer. «Wir interviewen derzeit Kandidaten», bestätigt Kuznetsov. Der CRO werde als Konzernleitungsmitglied an Buscher berichten. Der Job des Geld-Hüters: Die laufenden Restrukturierungsprogramme eng begleiten und weitere Wege finden, noch mehr Cash freizusetzen. Der CRO, der keine Interessengruppe vertreten wird, dürfte zwei bis drei Jahre in seiner Funktion bleiben.

Russen verlieren Macht im VR

Vekselberg wird nicht mehr lange die Herrschaft über Oerlikon haben. Am 18. April wird die GV beschliessen, das Strategiegremivon fünf auf sieben Sitze zu erweitern. Vekselberg stellt dann noch drei Vertreter, vier VR-Mitglieder sollen unabhängig sein. Das haben die Banken in monatelangen Verhandlungen in den Oerlikon-Rettungsplan diktieren können (siehe Kasten). Wer den VR künftig präsidiert, wird die konstituierende Sitzung ergeben. Noch-VR-Präsident und Vekselberg-Vertrauter Vladimir Kuznetsov lässt jedenfalls durchblicken, dass er gerne im Amt bleiben würde. «Ich habe einige Zeit investiert, damit es Oerlikon aus den Schwierigkeiten schafft», sagt er. Persönlich sei es für ihn interessant, den Konzern weiter zu begleiten. Die Firma werde in den nächsten Jahren durch spannende Zeiten gehen. «Ich möchte weiter meinen Beitrag leisten können.» Im Aktionariat wird Renova ihre dominante Stellung behalten: Nach den Kapitalrunden besitzen die Russen zwischen 39 und 45% der Aktien, die Gläubigerbanken bis zu 23% - je nach Ausübung der Bezugsrechte.

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