Den Testerinnen und Testern seien Finanzprodukte als klimaverträglich empfohlen worden, die «in keiner Weise mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel sind», heisst es in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Hintergrund der verdeckten Beratungsgespräche ist eine kürzlich erstellte Studie von Greenpeace, die zeigt, dass nachhaltige Anlagefonds es nicht schaffen, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken als herkömmliche Fonds.

Kein getesteter Fonds entsprach den Klimazielen von Paris

Die Tester haben bei 19 Banken 43 Beratungsgespräche geführt. Sie alle gaben an, ihnen sei eine mit dem Pariser Klimaabkommen kompatible Anlagelösung wichtig. Zehn der Fonds wurden von den Beratern als klimafreundlich im Einklang mit dem Klimaabkommen empfohlen.

Das Klimaabkommen von Paris, das 195 Staaten und die EU unterzeichnet haben, sieht vor, dass der durchschnittliche globale Temperaturanstieg auf maximal 1,5 Grad Celsius begrenzt werden soll. Um das zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen deutlich reduziert werden.

Greenpeace untersuchte die angebotenen Fonds anhand der beim Beratungsgespräch ausgehändigten Dokumente und der Informationen auf der Webseiten der Banken auf ihre Klimafreundlichkeit. «Keines der als klimafreundlich empfohlenen Anlageprodukte definiert tatsächlich die Einhaltung der Pariser Klimaziele für sich als Massstab», heisst es in dem Bericht.

Dabei impliziere aber der Ausdruck «Klimaverträglichkeit» die Vereinbarkeit mit dem Abkommen. Seien die Fonds nicht Paris-kompatibel, betrieben die Banken somit Greenwashing, so der Standpunkt von Greenpeace.

Verbindliche Anforderungen gefordert

Greenpeace fordert deshalb, dass der Bundesrat und das Parlament Mindestanforderungen für sogenannt nachhaltige Kapitalanlagen definieren, die mit den Klimazielen von Paris übereinstimmen.

Dass solche verbindlichen Kriterien fehlen, zeigt sich laut Greenpeace am Beispiel eines Fonds der Credit Suisse: Der «Credit Suisse Responsible Consumer Fund B» definiere seine Nachhaltigkeitskriterien «dermassen schwammig und weich, dass es für ein Unternehmen schon ausreicht, sich seiner Wirkung auf die Umwelt bewusst zu sein, um in den Fonds aufgenommen zu werden», heisst es in dem Bericht. Eine Stellungnahme der CS steht noch aus.

Auch der UBS stellt die Organisation in dem Bericht kein gutes Zeugnis aus: So versprächen die «UBS Vita Invest»-Fonds, dass mit einer Investition dazu beigetragen werde, eine bestimmte Menge an CO2-Emissionen zu reduzieren. "Diese Aussage muss vor dem Hintergrund, dass eine Untergewichtung von emissionsintensiven Unternehmen keine Emissionsreduktion in der Realwirtschaft zur Folge haben muss, als irreführend bewertet werden", so Greenpeace.

Die Grossbank hält allerdings dagegen. Die entsprechenden Fonds seien «klar nachhaltig», sagte eine UBS-Sprecherin auf Anfrage von AWP, und zwar in allen Bereichen wie Umwelt, Soziales und Governance. "Da es sich um eine Vorsorgelösung handelt, sollen und müssen Vitainvestfonds Nachhaltigkeit in der Breite abdecken - sie sind nicht auf den Klima-Teilaspekt reduziert", so die Sprecherin weiter.