Michael Tojner steht kurz vor seinem nächsten grossen Deal. «Wir stehen mit einem 100-Mio-Fr.-Unternehmen in Kontakt», sagt der Wiener Investor und Inhaber von Global Equity Partners (GEP). «Der Inhaber ist 70 Jahre alt und hat ein Nachfolgeproblem, das wir lösen können.» Namen will der 41-jährige Financier nicht nennen, glaubt aber, bald Neuigkeiten liefern zu können. «Dies wäre nach dem Druckspezialisten Lüscher mit Sitz in Leutwil und dem Luftfahrtzulieferer Alu Menziken bereits die dritte Transaktion von GEP in der Schweiz», sekundiert Kurt Ott, Schweizer Seniorpartner von GEP und Alu-Menziken-VR.

Nichtkotierte KMU interessieren

Ausländische Private-Equity-Häuser wie GEP entdecken den lukrativen Schweizer Markt gerade neu. Haben sich Investoren wie die britische Laxey Partners oder die Wiener Beteiligungsgesellschaft Victory bisher auf börsenkotierte Firmen spezialisiert, erschliessen Financiers wie Michael Tojner jetzt die nichtkotierte KMU-Landschaft. Denn auch hier gibt es wahre Perlen – nur ist der Aufwand, die Inhaber von einem Verkauf zu überzeugen, ungleich höher.
Laut einer Studie der UBS existieren in der Schweiz rund 4600 Unternehmen, die über 50 Angestellte beschäftigen – dies ist
die für Private-Equity-Häuser interessante Zielgruppe. Davon müssen rund 900 Firmen in den nächsten fünf Jahren ihre Nachfolge regeln, 150 beschäftigen über 250 Mitarbeiter und gelten für Investoren als speziell attraktiv.
«150 Unternehmen, das ist eine stattliche Zahl», urteilt Werner Schnorf, CEO der Zurmont- Madison-Gruppe mit Sitz in Zürich. Es sei daher nicht verwunderlich, dass auch ausländische Investoren ihr Interesse demonstrierten. «Der Schweizer Private-Equity-Markt ist im internationalen Vergleich noch unterentwickelt», sagt Schnorf. Aber: «Um das Potenzial auszuschöpfen, braucht ein Private-Equity-Investor ein dichtes industrielles Netzwerk, welches für ausländische Investoren nur schwer aufzubauen ist.»
Ähnlich äussert sich auch Tobias Ursprung, Partner beim Schweizer Marktführer Capvis, und ergänzt: «Capvis prüft pro Jahr rund 100 Transaktionen und realisiert schliesslich zwei bis drei.» Dies zeige, dass es zwar interessante Opportunitäten gebe, aber eben nicht en masse.
Schnorf von Zurmont Madison jedenfalls sieht für sein eigenes Unternehmen gute Perspektiven – derzeit läuft das Fundraising für einen entsprechenden KMU-Fonds mit einem Volumen von bis zu 300 Mio Fr.
Auch bei Michael Tojners GEP läuft noch bis Ende 2007 eine Fundraising-Runde für einen Fonds – der Buy Out Central Europe II – mit einem Volumen von bis zu 150 Mio Euro.

Unbehagen bei Schweizer Firmen

Dass sich nun vermehrt auch ausländische Private-Equity-Häuser an Schweizer KMU beteiligen wollen, behagt der hiesigen Unternehmerszene nicht. «Schweizer Unternehmer wünschen sich ein stärkeres Engagement von nationalen Partnern, insbesondere von Pensionskassen und Banken», bestätigt Max Nägeli, Geschäftsführer der Plattform KMU-Next. Ein Verkauf an Dritte und dann noch ins Ausland sei für viele Unternehmer auf Nachfolgersuche die Ultima Ratio.
Auf der Suche nach neuen Investoren-Gruppen hat Nägeli jetzt erste Erfolge zu vermelden: «Mögliche Partner, unter anderem auch Pensionskassen, haben Interesse angemeldet», erklärt er.
Recherchen der «Handelszeitung» haben ergeben, dass auch Swisscanto, Gemeinschaftsunternehmen und Fondsdienstleister der Kantonalbanken, in die Gespräche involviert ist. Swisscanto-Sprecher Beat Amstutz bestätigt: «Es ist richtig, dass erste Gespräche stattgefunden haben.» Derzeit werde die Machbarkeit eines Private-Equity-Fonds mit Fokus Schweiz analysiert. Wie sich das Projekt entwickle, sei noch offen.

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Unberechtigte Ressentiments

GEP-Chef Michael Tojner kann Ressentiments bei Schweizer Unternehmern gegen ausländische Investoren zwar nachvollziehen, hält sie aber für unberechtigt. «Wir suchen immer das Gespräch mit dem Inhaber und versuchen, auf die Bedürfnisse einzugehen.» Das hätten die erfolgreich abgeschlossenen Übernahmen von Alu Menziken und Lüscher, einem Spezialisten für Maschinen in Offset- und Siebdruck, gezeigt.
«Feindliche Take-over wird es bei uns nicht geben», betont Tojner. Zudem verbleibe man mit acht Jahren überdurchschnittlich lange investiert. «Deshalb auch wird GEP nicht an die Börse gehen», erklärt Tojner. «Die dortigen Anleger pochen zu schnell auf Ergebnisse.»
Weiterführende Pläne hat Tojner auch mit der von ihm gegründeten Menziker Beteiligungsholding Montana Tech Components, die im Juli 2007 Alu Menziken integriert hatte. Montana soll 2007 rund 360 Mio Umsatz generieren. Bis 2012 möchte CEO Klaus Sernetz den Umsatz auf 1 Mrd Fr. steigern. Die Hälfte davon soll mittels Akquisitionen erzielt werden.

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Der Schweizer Markt hat noch Potenzial

Markt
In der Schweiz existieren rund 15 bis 20 Private-Equity-Firmen, die sich auf Transaktionen in der Höhe von bis 500 Mio Fr. spezialisiert haben. Im internationalen Vergleich gilt der Markt nach wie vor als unterentwickelt.

Ausgewählte Firmen

Der Schweizer Marktführer Capvis erwirbt gut positionierte Firmen mit Sitz in der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Die Capvis Funds verfügen über mehr als 500 Mio Euro Eigenkapital. Seit 1990 wurden 37 Transaktionen in der Höhe von total 2,5 Mrd Euro durchge-
führt.

Das Private-Equity-Haus BV Group von Willy Michel investiert in Firmen mit einem Umsatz von 15 bis 150 Mio Fr., der Schwerpunkt liegt bei der Wachstums- und Nachfolgefinanzierung, in Einzelfällen sind auch Restrukturierungs- und Innovationsprojekte möglich. Die BV Group ist an der Berner Börse kotiert.

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Die Wiener Private-Equity-Gesellschaft Global Equity Partners ist mit einem verwalteten Gesamtvermögen von 250 Mio Euro und 55 Portfoliounternehmen österreichischer Marktführer. GEP hat seinen Schwerpunkt in der Industrie- und Mittelstandfinanzierung.