Es zischt ein paar Sekunden. Dann knallt es dumpf, und schon ist der Spuk vorbei. Überall verstreut auf Tisch und Teppich liegen die aus der Luft geregneten kleinen Scherzartikel. Der Feuerwerksgeruch beisst kurz in der Nase, bevor er sich verflüchtigt.

Solche Explosionen wird es an Silvester in rund einer halben Million Wohnzimmern in der Schweiz geben. So viele Tischbomben werden zum Jahreswechsel gezündet. Es sind in wenigen Sekunden vier Fünftel des Jahresverbrauchs. Obwohl eine einzelne Tischbombe kaum mehr wiegt als eine Schokolade, dürften zusammengerechnet an Silvester bis zu 60 Tonnen Partymaterial durch die Luft fliegen. Rund die Hälfte dieser Tischbomben stammt von der Constri. Das Unternehmen aus Schinznach-Dorf im Kanton Aargau ist somit Marktführer. Ob bei den Grossverteilern, in Papeterien oder im Spielwaren-Fachhandel: Die Constri-Tischbomben sind in diesen Tagen in den Regalen allgegenwärtig.

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In zweiter Generation

Firmenchef Hansueli Amsler, welcher das Familienunternehmen mit zwei Geschwistern in zweiter Generation leitet, erzählt, dass es vor 25 Jahren noch fünf Hersteller in der Schweiz gab. Überlebt hat jedoch nur Constri. «Ein Geheimnis in der Herstellung gibt es nicht», sagt Amsler. Er lässt aber durchblicken, dass die Qualität einer Tischbombe vor allem auf Präzision beruht. Um diese zu erreichen, dürften ein paar technische Finessen sehr wohl eine Rolle spielen. Was es genau ist, lassen sich aber weder Amsler noch Produktionsleiter Peter Schlappritzi entlocken. «Jede Treibladung wird von Hand abgewogen, damit sie sicher und richtig explodiert», erklärt Schlappritzi.

Wie bei jedem Konsumgut geht es auch bei diesem Spassartikel darum, die Kunden zu befriedigen. Der Käufer einer Tischbombe wünscht einen Knall, etwas Rauch und ein paar neckische Partyartikel. Spätestens beim bunt verstreuten Inhalt zeigen sich die Unterschiede zwischen der Bombe «made in Switzerland» und einem Importartikel. «Unsere Tisch- und Partybomben sind prall gefüllt und der Inhalt ist hochwertig», so Amsler.

Beliebte Piratenmotive

Constri bietet rund siebzig Modelle an. Jährlich werden zehn bis zwanzig neue Tischbomben kreiert. «Die Ideen, welche von unseren Graphikern visuell umgesetzt werden, stammen teils von uns, teils von unseren Endverkäufern und Kunden», sagt Schlappritzi. Der Lebenszyklus eines Tischbombensujets beträgt durchschnittlich drei bis fünf Jahre. Natürlich gibt es ein paar Dauerbrenner, und es gibt viele eher kurzlebige Themen. Derzeit stehen Piratenmotive, angeheizt durch «Pirates of the Caribbean», hoch im Kurs. Auch die Schmuck und Plastikpferdchen auswerfende Tischbombe «Girls Party» im Stil der Traum-Prinzessinnen ist ein Renner.

Als Erfinder der modernen Tischbombe gilt Max Amsler, der Vater der heutigen Führungscrew. Er versah vor 44 Jahren erstmals eine Tischbombe mit Böden und Deckeln aus Kunststoff. Das Material garantierte, dass die Bomben sicher und zuverlässig explodierten. Das werden sie nun bestimmt auch an diesem Jahreswechsel. Die Zündungsladung bezieht Constri von einem Schweizer Hersteller. Das Füllmaterial, wie Sirenen, Wurfkugeln, Papiertrompeten, Clownnasen, Spielchen und Zaubertricks, wird auf dem Weltmarkt eingekauft. Ansonsten ist die Tischbombe vollständig aus eigener Fabrikation. Rund ein Dutzend Personen sind vom Frühling bis zum Spätherbst damit beschäftigt, die Tischbomben herzustellen und in Handarbeit zu füllen.

Seit ein paar Jahren werden die Tischbomben aus dem Aargau auch erfolgreich exportiert. Doch nirgendwo sonst sind sie zum Jahreswechsel so beliebt wie in der Schweiz. «Wir haben hier eine richtige Tischbombenkultur», meint Schlappritzi zufrieden. Nichts entfacht eben so lebhaft die Partygeister wie die Erleichterung nach überstandener Gefahr, wie sie jeder Knall, jede Explosion signalisiert.

Tischbomben sind in der Regel harmlos. Bei Constri gibt es gelegentlich mal eine Reklamation eines Kunden, dem es zu wenig geknallt und geraucht hat. Aber Unfälle mit Tischbomben? Fehlanzeige. Nicht zuletzt sorgt ein zwölfseitiges Reglement des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes dafür, dass nichts passiert.