Wann kommt das Grossraumflugzeug A380 von Emirates wieder nach Zürich?
Das ist aktuell noch nicht abzusehen. Die A380 ist ein tolles Flugzeug, das unsere Passagiere sehr schätzen. Derzeit sind wir auf der Strecke Zürich-Dubai fünfmal pro Woche mit dem Typ Boeing 777 unterwegs, dreimal pro Woche zwischen Genf-Dubai. Die Boeing 777 ist ideal in der momentanen Situation, weil sie auch sehr gut geeignet ist für den Transport von Fracht.

Vor der Corona-Krise war Emirates zwischen Zürich und Dubai sogar zweimal pro Tag mit der A380 unterwegs. Wird man ein so grosses Flugzeug jemals wieder voll bekommen? Der Qatar-Airways-Chef sagt, die A380 sei nun wirtschaftlich und ökologisch unvertretbar. Lufthansa hat A380-Maschinen ausgeflottet.
Keiner weiss derzeit genau, wie die zukünftige Marktentwicklung sein wird. Wir gehen fest davon aus, dass dieser Flugzeugtyp gefragt bleibt. Die A380 bleibt für die nächsten zehn Jahre unser Flaggschiff. Wir setzen die A380 bereits jetzt auf Strecken wie nach London, Toronto, Kairo, Paris und Guangzhou wieder ein. Aber klar, die Nachfrage ist nicht noch nicht da, wo wir sie gerne hätten.

Vor Corona wickelte Emirates weltweit mehr als 500 Flüge am Tag ab. Wie ist jetzt die Lage?
Seit dem 16. Juni bieten wir wieder Passagierflüge in Zürich an, seit 15. Juli wieder in Genf. Derzeit operieren wir 115 Flüge am Tag weltweit zu 81 Destinationen, das entspricht über 50 Prozent unseres ursprünglichen Netzwerkes. Natürlich sind die Frequenzen noch niedriger als früher.

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Wo ist mehr Nachfrage: bei Ferien- oder Geschäftsreisen?
Das hängt ab von Einreise- und Ausreisebeschränkungen der jeweiligen Länder. Das normale Geschäftsreisesegment ist noch nicht bereit, in grossen Zahlen zu reisen. Aber auf den Schweiz-Flügen sehen wir bereits eine solide Nachfrage Richtung Dubai für Geschäftsleute. Der Tourismus ist noch auf einer tiefen Flamme, aber auch mit Blick auf die Herbst- und Winterferien: Dubai ist offen für Reisende. Das können viele Destinationen nicht von sich behaupten.

Welche Rolle spielt der Schweizer Markt für Emirates?
Es ist ein wichtiger Markt, seit 30 Jahren ist Emirates in der Schweiz. Es ist ein wichtiges Zielland für ausländische Gäste, sei es Tourismus oder Geschäftsreiseverkehr. Ausserdem reisen die Schweizer gerne und auch weit, und gerne in First und Business. Sei es nach Dubai oder darüber hinaus Richtung Indischer Ozean, Asien oder Australien und Neuseeland.

Jürg Müller Emirates

Juerg Mueller: Zuständig für das Emirates-Geschäft in der Schweiz. Bevor er im Jahr 2007 zur Golfairline kam, arbeitete er zuvor bei Swissair sowie Swiss International Air Lines.

Quelle: ZVG

Wie hoch ist die Auslastung?
Wir kommentieren grundsätzlich keine Zahlen für einzelne Länder, aber weltweit liegt sie derzeit bei über 40 Prozent. Einige der wiederaufgenommenen Passagierrouten sind in Zusammenhang mit Frachtnachfrage entstanden. Fracht hat in den vergangenen Monaten sehr viel Wertschätzung erfahren und ist Grundstock für die Wiedereröffnung von Strecken.

Bezüglich Langstreckenziele: Was heisst das alles für Schweizer Kunden, die Herbstferien planen und unsicher sind, ob und wie sie reisen können?
Wir spüren die Zurückhaltung der Kunden und die sich verändernden Bestimmungen der jeweiligen Länder. Man fragt sich: Braucht es Tests oder eine Quarantäne? Was uns betrifft: Unsere Verkaufsaktivitäten liegen derzeit primär auf Dubai, das sind sechs Stunden Flug. Dubai ist offen und sicher. Ich bin zuversichtlich, dass wir dort ab Herbst wieder mehr Kundschaft haben werden. Ausserdem: Die Seychellen, die Malediven sind offen. Allerdings braucht es auf der Rückreise von den Malediven aktuell eine Quarantäne. Aber auch Tansania ist offen, Sansibar zieht auch wieder an.

Sie plädieren wie Swiss dafür, Corona-Tests am Flughafen für Rückkehrer zu machen statt einer Quarantäne?
Ja. Es entsteht viel Unsicherheit durch Quarantäne-Bestimmungen. Bei Emirates ist es seit August so: Wenn jemand mit uns fliegt ist ein negativer Covid-19-PCR-Test, der innerhalb von 96 Stunden vor Abreise gemacht wurde, zwingend notwendig auf allen Flügen. Unsere Passagiere fühlen sich sicher.

 Zurich, Switzerland - 9th October 2018: An Emirates Airbus A380-861 takes off from runway 16 at Zurich Airport. The largest passenger aircraft in the world, with registration A6-EOV, has been in service since February 2016 for the airline of the United Arab Emirates. The photo was taken outside the airport. Aircrafts

Start in Zürich: Die A380 von Emirates flog vor der Krise zweimal täglich die Route Zürich-Dubai.

Quelle: imago images/Andreas Haas

Derweil bietet Emirates eine Versicherung an, die medizinische- und Quarantäne-Kosten übernimmt. Wie ist die Nachfrage?
Wir sehen, dass unsere Passagiere diese Absicherung begrüssen. Diese ist für alle Reisenden, die bis Ende Oktober ihren Flug antreten, bereits im Ticket inklusive. Emirates übernimmt medizinische Kosten von bis zu 150'000 Euro und Quarantäne-Kosten von 100 Euro pro Tag für 14 Tage, falls Passagiere während ihrer Reise mit Covid-19 diagnostiziert werden und sich nicht zu Hause befinden. Das alles, sowie die Hygienemassnahmen an Flughäfen und an Bord, hilft unseren Passagieren und Mitarbeitern.

Sieht so die neue Flugwelt aus, um Kunden das Fliegen schmackhaft zu machen?
Es ist Teil der neuen Normalität. Unsere Fluggäste sollen sich wohl und sicher fühlen während der Reise. 

Was ist mit den Flugpreisen? Gibt es einen Preiskampf auf der Langstrecke, zumal alle Airlines um nur wenige Passagiere buhlen?
Ich glaube nicht, dass es einen Preiskampf gibt, denn das Langstreckenangebot ist immer noch sehr ausgedünnt bei vielen Airlines. Vielleicht kommt es bei einigen Anbietern dazu, wenn das Geschäft wieder anzieht. Bei unseren Kunden ist der Flugpreis auch derzeit nicht das Hauptargument. Da geht es um Serviceaspekte, die wir unseren Kunden zu bieten haben. 

Bezüglich Ticketpreiserstattung: Wie weit ist Emirates im Rückstand?
Wir haben schon sehr viel zurückgezahlt. Es sind derzeit noch rund eine halbe Million Anträge offen, diese werden innerhalb der nächsten zwei Monaten abgearbeitet. Viele unserer Kunden haben sich aber auch für einen Voucher entschieden.

Blick in die First-Class-Dusche, anlaesslich der Praesentation des neuen A380 der Emirates, am Mittwoch, 8. Januar 2014 auf dem Flughafen Zuerich Kloten. Die Fluggesellschaft Emirates bedient die Strecke Zuerich-Dubai seit Anfang 2014 mit dem Airbus A380. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Duschen im Flieger: Das ist derzeit nicht möglich.

Quelle: Keystone

Wie verändert sich das Emirates-Bordprodukt? Duschen und eine Bar im A380: Lässt sich das aufrechterhalten?
Die Duschen und die Bar im A380 sind derzeit noch geschlossen. Es gibt im Service weniger Interaktionen zwischen Crew und Passagieren, aber sie fühlen sich sehr gut aufgehoben bei uns. Wir haben zudem ein weiteres Crew-Mitglied an Bord, das während des Flugs die WCs alle 45 Minuten zusätzlich desinfiziert.

Emirates will bestellte Flieger später abnehmen und statt dem Modell Boeing 777X lieber das kleinere Modell Dreamliner. Wie wirkt sich das auf die Flotte aus?
Wir schauen uns unsere Flottenplanung derzeit genau an und sind mit Airbus und Boeing im kontinuierlichen Austausch zu unseren zukünftigen Auslieferungen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben Emirates mit 2 Milliarden Dollar gestützt in der Krise, dennoch haben Tausende Emirates-Mitarbeiter ihren Job verloren. Wie sind die Folgen für den Standort Schweiz?
Wir bedauern sehr, dass mit dem reduzierten Flugprogramm leider Kolleginnen und Kollegen nicht mehr bei uns sind. In der Schweiz sind wir mit derselben Belegschaft unterwegs und sind unter dem schützenden Dach der Kurzarbeit.

Stewardessen posieren an der Bar, anlaesslich der Praesentation des neuen A380 der Emirates, am Mittwoch, 8. Januar 2014 auf dem Flughafen Zuerich Kloten. Die Fluggesellschaft Emirates bedient die Strecke Zuerich-Dubai seit Anfang 2014 mit dem Airbus A380. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bar im Heck der A380: Vor Corona war dieser Ort stets ein Treffpunkt.

Quelle: Keystone

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