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Konkurrenz für Ikea: Schweizer Firma lanciert Möbel-Abo

Beliani-Gründer Stephan (links) und Michael Widmer

Beliani-Gründer Stephan (links) und Michael Widmer: «Möbel-Abo wie ein Smartphone-Vertrag.»

Quelle: Bild: zvg

Abo statt Kauf: Der Zuger Online-Händler Beliani bietet künftig Möbel zum Mieten. Ikea sitzt den Schweizern schon im Nacken.

Von Andreas Güntert
am 30.01.2019

Musik per Streaming beziehen, auf Städtereise eine Wohnung von unbekannten Gastgebern mieten, Autos auf Abruf benutzen: Nutzen statt Besitzen lautet der Schlachtruf beim modernen Konsumenten; Miet- und Abomodelle sind auf Siegeszug.

Jetzt will der Schweizer Online-Möbelhändler Beliani eine weitere Bastion knacken: Möbel nur auf Miet-Basis beziehen, statt Sofa, Bett und Schrank verbindlich zu kaufen. Das Zuger Internet-Unternehmen, das 2009 gegründet wurde und in 16 Ländern aktiv ist, will bald schon sein ganzes Sortiment von rund 3000 Artikeln, vom Sofa über das Bett bis hin zum Whirlpool, nicht nur verkaufen, sondern auch vermieten.

Zielgruppe: Expats, Studenten, junge Paare, Fashionistas

Als Zielgruppe dafür sieht Stephan Widmer, Chef und Co-Gründer von Beliani, «Expats, Studenten, die von zu Hause ausziehen oder junge Paare, die in absehbarer Zeit Kinder planen und sich vorher nicht fest einrichten wollen.» Ferner macht Widmer als Zielpublikum auch modeaffine Konsumenten aus, «die ihre Möbel wie ihre Kleider trendy halten und auswechseln möchten.»

Die Mietdauer soll dabei 12 oder 24 Monate dauern, analog einem Smartphone-Vertrag: «Wir wollen das Möbel-Abo damit an ein Prinzip anlehnen, das die Kunden schon kennen.» Widmers Erklärung ist simpel: «Das Möbel-Abo ist wie eine Wohnungsmiete. Man mietet einfach all das, was in der Wohnung steht.»

«Grössenordung Mittelklassewagen»

Anknüpfen bei einem Mechanismus, den Kunden schon kennen, ist immer eine gute Idee, wenn es um innovative Angebote geht. Möbel im Abo sei tatsächlich neu, sagt Kurt Frischknecht. Der Geschäftsführer des Verbands Schweizer Möbelhandel und -industrie ist baff: «In den letzten zehn Jahren ist mir so etwas nie begegnet.»

Frischknecht glaubt, dass es einen Markt dafür gebe: Möbel per Miete zu beziehen, möge neu und ungewohnt sein, könne aber Sinn machen: «Auf Schweizer Strassen ist ja heute auch ein Grossteil der Autos geleast. Und die Anschaffung einer ganzen Wohnungseinrichtung», so der Einrichtungs-Profi, «kann schnell einmal die Grössenordnung eines Mittelklassewagens erreichen.»

Modell ohne Anzahlungspflicht geplant

Onliner Widmer sieht nicht nur für Kunden, sondern auch für seine Firma Vorteile beim Miet-Modell:«Mit dem Abo ist ein kontinuierlicher Cash-flow verbunden; und der Warenkorb kann sich beim Einkauf vergrössern.»

Aber natürlich gibt es auch Schwierigkeiten. Etwa das Ausfallrisiko: «Hier ist die Vorab-Bonitätskontrolle der Kunden wichtig», sagt Widmer, «die wir mit einem Schweizer Finanzhaus bewerkstelligen.» Man wolle das Modell ohne Anzahlungspflicht beginnen, sollten sich Zahlungsausfälle aber häufen, könnte eine Anzahlung eingeführt werden.

Lieferung, Montage und Auswechselkosten im Abo-Preis enthalten

Nach Ablauf der Mietdauer sollen den Kunden drei Möglichkeiten offenstehen für abgewohnte Miet-Schränke und Abo-Betten: Produktrückgabe und Beendigung der Miete. Oder man behalte das Produkte und zahle danach einen reduzierten Satz. Oder man tauscht das Objekt aus und bezahlt danach eine neue Miete, die vom Wert des Produkts abhängig sei.

Zum Preismodell äussert sich Widmer noch vage: «Der Preis wird über die ganze Laufdauer etwas über dem tatsächlichen Verkaufspreis liegen, dafür aber sind gewisse Benefits wie Lieferung, Montage und Auswechselkosten im Abo-Preis enthalten.» Genauer will sich Widmer nicht in die Karten blicken lassen.

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Ikea schraubt an Miet-Modell

Aus gutem Grund: «Wir wissen, das mindestens ein weiterer Möbelhändler dran ist am Thema.» Der Beliani-Chef liegt richtig. Der Konkurrent ist riesig und trägt Blau-Gelb: «Wir entwickeln ein Konzept, um Möbel zu vermieten», liess der weltweite Ikea-Chef Jesper Brodin die «NZZ am Sonntag» schon im September 2018 wissen.

Was sich zunächst als blosse Absichtserklärung anhörte, wird tatsächlich angepackt, wie Ikea-Sprecher Manuel Rotzinger sagt: Aktuell gleise man einen «Versuch zur Möbelvermietung in der Schweiz» auf.»

Kopf-an-Kopf-Rennen 

Offenbar sind die internen Modelle bei Ikea weit gediehen: «Dieses Möbelvermietungs-Pilotprojekt startet in der Schweiz voraussichtlich noch im ersten Quartal 2019.» Damit dürfte es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen mit den Schweizer Online-Möblern.

Beliani-Widmer umreisst den Zeitplan so: «Das Möbel-Abo soll in der Schweiz dann starten, wenn wir IT-mässig soweit sind, dass wir es in all unseren 16 Märkten ausrollen könnten. Das wird noch in der ersten Jahreshälfte 2019 der Fall sein.»

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