Das Übernahmefieber hat nun auch die Kosmetikbranche erfasst. Weltmarktführer L'Oréal, an dem der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit 26,9% beteiligt ist, kündigte den Kauf von Body Shop aus Grossbritannien für 652 Mio Pfund (1,5 Mrd Fr.) an. Durch die Akquisition sichert sich der fran-zösische Schönheitskonzern ein Standbein in der Naturkosmetik, einem Bereich, in dem er bis-her nicht vertreten ist und dernach Ansicht von Branchenkennern gute Wachstumsmöglichkeiten bietet.

Sonderstatus für Body Shop

Die Geschäftsführung von Body Shop begrüsste die Übernahme und rief die Aktionäre auf, die Offerte anzunehmen. Gleichzeitig verpflichtete sich die Geschäftsleitung, die 42,6% des Kapitals hält, L'Oréal seine Anteile zu vermachen. Dazu gehören auch die 18%ige Beteiligung der Firmengründer Anita und Gordon Roddick.

Der französische Kosmetikriese, der im vergangenen Jahr auf einen Gewinn von 1,97 Mrd Euro kam, bezahlt die Übernahme komplett in bar. Das Angebot stellt einen Aufpreis von mehr als 30% auf den Kurs der Body-Shop-Aktie vom 21. Februar dar.

Beide Unternehmen würden sich perfekt ergänzen, sagte der französische Kosmetikriese. Body Shop sei für ihn deshalb ein idealer Partner. Denn bisher ist L'Oréal nicht im Bereich Naturkosmetik und kaum mit eigenen Boutiquen im Einzelhandel präsent. Obwohl die britische Kette gerade mal 5% vom Gesamtumsatz L'Oréals ausmachen wird, erhält sie innerhalb des Konzerns einen Sonderstatus. Sie soll als eigenständige Einheit von dem bestehenden Team weitergeführt werden und künftig direkt an Jean-Paul Agon berichten, der im April Lindsay Owen-Jones als L'Oréal-Chef ablösen wird.

Anzeige

In den 2085 Body-Shop-Läden wird es deshalb auch künftig keine Artikel von L'Oréal geben. «L'Oréal verpflichtet sich, die Grundwerte von The Body Shop zu achten», erklärte der Konzern. «Das ist das schönste Geschenk, das wir zum dreissigsten Firmenjubiläum bekommen konnten», sagte Body- Shop-Gründerin Anita Roddick gestern. Sie und ihr Mann Gordon dürften mit dem Verkauf rund 130 Mio Pfund (300 Mio Fr.) ein-streichen. Die Gründerin soll künftig als Beraterin bei L'Oréal arbeiten.

Analysten befürworten die Übernahme von Body Shop durch die Franzosen. «Body Shop ist längst nicht mehr das Unternehmen, das es einst war», sagte ein Aktienhändler in London. Die Gesellschaft habe sich schon seit längerem auch im Hochpreis-Segment bewegt. Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 hatte Body Shop bei einem Umsatz von 419 Mio Pfund (964 Mio Fr.) ein operatives Ergebnis von 36,2 Mio Pfund erzielt.

Nachdem das Weihnachtsgeschäft 2005 hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, musste der Vorstand im Januar eine Gewinnwarnung abgeben. Für das laufende Geschäftsjahr 2005/06 wird nun ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau erwartet. Wie andere Einzelhändler auch hat Body Shop mit der schwindenden Konsumlust auf dem britischen Heimatmarkt zu kämpfen.