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Architektur
Krisenkonzern Lotte eröffnet gigantischen Wolkenkratzer

Lotte World Tower in Seoul: Der Mischkonzern ist in Schieflage geraten. Neroson/CC/Wikimedia

In Südkoreas Hauptstadt Seoul wurde das fünftgrösste Hochhaus der Welt eröffnet. Doch dem Megakonzern Lotte ist nicht zum Feiern zumute. Korruptionsvorwürfe und ein Boykott trüben die Freude.

Von Gabriel Knupfer
am 03.04.2017

Die 123 Stockwerke des Lotte World Tower im Stadtteil Jamsil-dong ragen 555 Meter in den Himmel der Hauptstadt Seoul. Der neue südkoreanische Wolkenkratzer übertrifft das One World Trade Center in New York um 14 Meter und ist damit das höchste Gebäude in einem OECD-Staat.

Zu den Rekorden des neuen Hochhauses gehört die höchste Aussichtsplattform mit Glasboden – auf 500 Metern Höhe – und der schnellste Lift der Welt, der Besucher in einer Minute zur Plattform im obersten Stockwerk bringt. Für Lotte soll der Turm zur krönenden Attraktion des Freizeitparks Lotte World zum 50. Jahrestag der Konzerngründung werden.

Korruptionsvorwürfe und Boykott aus China

Doch das riesige Feuerwerk am Samstag kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Jaebeol, wie man die Familienkonzerne in Korea nennt, in einer der schwierigsten Phasen der Firmengeschichte befindet. Gegen den 94-jährigen Gründer und drei seiner Kinder wird wegen Korruption ermittelt.

Zudem belastet ein Boykott chinesischer Konsumenten die Firma. Diese sind wütend, weil Lotte den Amerikanern Land für die Stationierung der THAAD-Raketenabwehr zur Verfügung gestellt hat. Für die Wirtschaftsagentur Bloomberg hat sich mit der Fertigstellung des umgerechnet rund 4 Milliarden Franken teuren Lotte World Towers einmal mehr der gefürchtete Wolkenkratzer-Fluch bestätigt.

Schwaches Wachstum erwartet

Auch das Land selbst befindet sich innen- und aussenpolitisch in einer schwierigen Situation. Die Absetzung und Verhaftung der Präsidentin wegen Korruption und die Verhaftung des designierten Samsung-Erben in der gleichen Affäre sind ebenso Teil der Krise, wie das zunehmend aggressive Verhalten des Regimes in Nordkorea und das Säbelrasseln der US-Regierung von Donald Trump.

Emily Dabbs, Ökonomin bei Moody's in Sydney, erwartet in den nächsten zwölf Monaten lediglich ein schwaches Wachstum im ehemaligen Wunderland Südkorea. Für Andrew Lawrence, den Erfinder des Wolkenkratzer-Indexes ist der Zusammenhang zwischen ökonomischen Krisen und dem Bau von Rekordhochhäusern keine Überraschung, wie er gegenüber Bloomberg bestätigt.

Wolkenkratzer als Krisenindikatoren

Das Empire State Building in New York wurde 1931 während der Weltwirtschaftskrise eröffnet, die Petronas-Türme in Malaysia in der Asienkrise Ende der 1990er Jahre. Und das aktuell höchste Hochhaus der Welt, der Burj Khalifa in Dubai, eröffnete 2010, just als der Immobilienmarkt im Emirat kollabierte und der Nachbar Abu Dhabi helfend unter die Arme greifen musste.

Häufig würden Wolkenkratzer während wirtschaftlichen Boomphasen konzipiert und wegen der langen Planungs- und Bauzeit im Konjunkturabschwung fertiggestellt, so Lawrence. Im Fall des Lotte World Towers begannen die Planungen bereits im Jahr 2005 – noch vor der weltweiten Finanzkrise ab 2007.

Lotte rechnet mit grossen Einnahmen

Für Lotte soll der Turm indes zur Geldmaschine werden. «Als Wahrzeichen haben Wolkenkratzer an vielen Orten einen positiven Effekt auf die lokale Wirtschaft gehabt», so der Konzern in einem Statement. Der Lotte World Tower soll zusammen mit dem angeschlossen Einkaufszentrum einen Umsatz von rund 10 Milliarden Franken im Jahr generieren und 50 Millionen Besucher anziehen.

Das Architekturbüro Kohn Pedersen Fox ist vor allem in Ostasien für einige der höchsten Gebäude der Welt verantwortlich. Vor dem Lotte World Tower bauten die Amerikaner unter anderem das 600 Meter hohe Ping An Finance Centre im chinesischen Shenzhen und das höchste Hochhaus von Hongkong, das International Commerce Centre mit 484 Metern Höhe.

Noch höher: Diese Superwolkenkratzer sollen 2020 stehen:

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