«Dein Herz pumpt Benzin und Deine Ohren lieben den Klang von hochgezüchteten Motoren und quietschenden Rädern? Willkommen im Cockpit!» Mit dieser Ansage lockte die Firma Topspeedracing aus dem schwäbischen Laichingen Rennsport-Verrückte auf die Formel-1-Strecke.

Beim Schweizer Schnäppchen-Portal Dein Deal wurden die Gutscheine mit attraktivem Rabatt angeboten. Auch Sandro Surer* erhielt zum 30. Geburtstag einen Ferrari-Kurs auf dem Hockenheimring im Wert von 1699 Franken geschenkt. Obwohl der Gutschein noch bis 3. Mai 2015 gültig ist, wird sein Traum wohl nie in Erfüllung gehen: Die Firma Topspeedracing steht seit 12. Juni 2013 unter vorläufiger Insolvenzverwaltung.

Bereits seit Monaten hatte Inhaber Gerd Schwenk auf Zeit gespielt: «Ich wurde etliche Male von Topspeedracing vertröstet», berichtet ein weiterer Betroffener, der seine Fahrt auf der Rennstrecke einlösen wollte. Doch auch Dein Deal steht erneut in der Kritik: Ende Juli hatte handelszeitung.ch über den Konkurs der Firma Sartoriani berichtet – nun sitzen Dein-Deal-Kunden erneut auf wertlosen Gutscheinen.

12'000 Deals mit 4500 Partnern

«Die Koinzidenz ist für uns sehr unglücklich, allerdings sind die Fälle in Relation zu setzen», sagt Andreas Locher, Firmengründer und Geschäftsleitungsmitglied der Ringier-Tochter, gegenüber handelszeitung.ch. Seit der Gründung im März 2010 habe Dein Deal ingesamt rund 12'000 Deals mit 4500 Partnern und Lieferanten durchgeführt – «weniger als 0,5 Prozent der Anbieter haben einen Deal wegen Konkurs nicht vollständig erfüllen können», so Locher.

«Ein Skandal ist aber, dass Dein Deal noch all unser Geld hat», moniert Surer. Stimmt nicht – widerspricht der Beschuldigte: Weil der Vertrag mit Topspeedracing bereits im Jahr 2011 unterzeichnet worden war, galt noch die Regelung, dass die gesamten Einnahmen abzüglich der Dein-Deal-Marge an den Partner fliessen. Aktuell sei dies anders: Dein Deal behält 30 Prozent bis zur Gutschein-Einlösung zurück: «Dabei hilft es uns, dass wir deutlich an Marktmacht gewonnen haben», erklärt Locher.

Im Fall von Topspeedracing erstattet Dein Deal den Kunden die eigene Provision von 20 Prozent zurück. «Aus Kulanz», wie es in der Begründung heisst.

105'000 Franken ausstehend

Brisant ist zudem, dass Schwenk Dein Deal im Frühjahr 2013 um einen Vorschuss gebeten habe, um Rückerstattungen für Gutscheine an Kunden zu tätigen. Begründung: Topspeedracing sei in einem Liquiditätsengpass – zuerst habe ein Werkstattbrand gewütet, dann die unsachgemässe Fahrzeugwartung durch schlechte Mechaniker hohe Folgekosten verursacht und die Finanzen in Schräglage gebracht. «Wir haben der Argumentation leider geglaubt», sagt Locher. Die daraufhin gestellte Rechnung von 105'000 Franken zur Begleichung des Vorschusses ist bis dato offen.

Das von Schwenk im Jahr 2003 gegründete Unternehmen Topspeedracing schaffte es viele Jahre immer wieder mit positiven Schlagzeilen in die Presse – die Geschäfte liefen gut: «Deutschlands grösste Formel-Rennschule gibt trotz der Wirtschaftskrise Gas», berichtete etwa die «Geislinger Zeitung» im Juni 2010. Damals sah sich Topspeedracing erstmals mit gebremstem Umsatzwachstum konfrontiert.

Wer heute anruft, wird von einer Tonbandaufnahme abgewimmelt: «Veranstaltungen finden nicht statt.»

«Rechtlich gegen Dein Deal vorgehen»

Locher betont übrigens, dass er bei Topspeedracing keinerlei kriminellen Hintergrund vermutet, sondern spricht von Unternehmerpech. Das deckt sich mit den Aussagen, die ein Anruf bei der Lokalpresse bringt: Schwenk wird dort als «positiv Verrückter» umschrieben, der sein Hobby zum Beruf gemacht habe. Fragen von handelszeitung.ch an den 44-jährigen Schwaben blieben bisher unbeantwortet.

Für Surer sind diese Erklärungsversuche unbefriedigend: «Ich versuche, soviele Geprellte wie möglich zusammenzutrommeln und rechtlich gegen Dein Deal vorzugehen.»

* Name von der Redaktion geändert

 

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