Kuros Biosciences, ein Biotechunternehmen mit Sitz in Schlieren, überrascht mit einer mehr als erfolgreich abgeschlossenen Kapitalerhöhung. Das Unternehmen, das sich auf alternative Behandlungsmöglickeiten für Rückenprobleme, etwa Bandscheibenvorfälle spezialisiert hat, konnte 18,6 Millionen Franken neu aufnehmen.

Die anfangs Oktober durchgeführte Kapitalerhöhung über 15,2 Millionen Franken war auf gute Resonanz gestossen. So hatte sich inbesondere die niederländische Investmentfirma Optiverder, ein Grossaktionär von Kuros, entschieden, alle ihr zugeteilten Bezugsrechte wahrnehmen und die angebotenen Aktien zu erwerben. Das  Unternehmen entschied sich deshalb, die Kapitalerhöhung auszuweiten.

Positives Zeichen

«Die Nachfrage von bestehenden und neuen Investoren war rotz des volatilen Marktumfeldes vorhanden», sagt Laura Pfeifer-Rossi, Analystin bei Octavian; insbesondere das Commitment des niederländischen Grossaktionärs sei «ein positives Zeichen». Die Ausübungsquote von Bezugsrechten durch bestehende Investoren habe bei 50 Prozent gelegen, «was ein gutes Resultat ist, da die Bezugsrechte nicht handelbar waren.»

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Kuros Biosciences hat sich auf einen Knochenjob verlegt. Das Unternehmen entwickelt Produkte zur Behandlung von Rückenleiden wie Bandscheibenvorfällen. Bereits auf dem Markt ist Magnetos, ein knochenbildendes Granulat, das in der Wirbelsäule implantiert wird. Es kommt als Alternative zur Knochentransplantation zum Einsatz, bei der – meist aus der Hüfte – Knochen entnommen wird und in den Rücken verpflanzt wird. «Die Knochentransplantation ist im Moment weiterhin der Goldstandard bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen», sagt Michael Grau, Finanzchef von Kuros Biosciences.

Das Produkt ist seit 2018 auf dem Markt. 2019 lag der Umsatz bei 2,9 Millionen Franken, im ersten Halbjahr 2020 konnte trotz Covid-19 ein Umsatz von 1,9 Millionen Franken realisiert werden. «Unser Produkt ist vergleichbar mit den körpereigenen Knochen, aber besser als die Konkurrenz», sagt Finanzchef Grau.

Top-Chirurgen an Bord

Die Kommerzialisierung von Magnetos erfolgt über die sogenannten Key Opinion Leaders, also Top-Chirurgen, die auf diesem Feld führend sind. Magnetos ist in der EU und in Europa zugelassen. Zur Zeit ist das Unternehmen daran, Magnetos in den USA auf den Markt zu bringen. 30 Chirurgen an 25 Spitälern nutzen das Produkt bereits. Das Geld aus der Kapitalerhöhung wird Kuros primär dazu nutzen, das Magnetos bei den 5000 Chirurgen in den USA auszurollen. Die Kosten für eine Behandlung liegen bei rund 3000 Dollar. «Magnetos ist eine Premiumprodukt», sagt Grau.

«Magnetos ist ein Produkt, bei dem wir ein Potential von 100 Millionen Franken sehen», sagt Pfeifer-Rossi, die Analystin von Octavian. «Aber das wird nicht von heute auf morgen passieren».

Der zweite Pfeil im Köcher des Unternehmens ist Fibrin-PTH. Auch hier geht es um Knochenbildung in der Wirbelsäule, allerdings handelt es sich dabei um ein Biologikum.

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Das aus einem ETH-Spinoff entstandene Unternehmen nimmt es dabei mit Medtronic auf, einer Grösse der Medtechindustrie. Infuse, ein vergleichbares Produkt des irischen Medtechunternehmens, machte im vergangenen Geschäftsjahr eine halbe Milliarde Dollar Umsatz. Fibrin-PTH wirkt auf die Zellen, die für das Knochenwachstum verantwortlich sind. Sollte es sich bewähren, so rechnet das Unternehmen damit, dass Fibrin-PTH ab 2026 kommerzialisiert werden kann.

Wette auf die Zukunft

Im Gegensatz zu Magnetos ist Fibrin-PTH noch eine Wette auf die Zukunft. Das Produkt wird zur Zeit klinisch getestet. Die Resultate sollen anfangs 2022 vorliegen. «Wir gehen davon aus, dass die Studien, welche sich auf den Bereich Wirbelsläule fokussieren, eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 60 Prozent haben», sagt Michael Grau. Die Studien bauten auf der Substanz von bereits zwei grossen und erfolgreichen Studien der zweiten klinischen Phase bei Brüchen. «Das wird der nächste grosse Meilenstein sein», sagt Pfeifer-Rossi. 2022 werde ein Turning Point für das Unternehmen werden, sagt Finanzchef Grau.

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Spätestens dann werde sich die Frage stellen, ob es nicht sinnvoll sei, sich für die letzte klinische Stufe einen Partner zu suchen. Sie rechne damit, dass es rund 30 Milionen Franken kosten werde, das Produkt weiter zu entwickeln. «Falls das Unternehmen das Produkt selber weiter entwickeln möchte, wäre noch eine weitere Finanzierung nötig»

Zudem schliesst die Analystin nicht aus, dass Kuros in zwei oder drei Jahren ein Übernahmekandidat sein könnte. «In der Medtechindustrie ist das etwas anders als bei Biotech, «da kommen die kleinen Unternehmen meist erst auf den Radar der grossen Medtechunternehmen, wenn sie bereits ein Produkt auf den Markt und gewisse Umsätze hätten.

Drei Standorte

Kuros hatte bereits im vergangenen Jahr eine Kapitalerhöhung durchgeführt, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Trotzdem glaubt die Analystin nicht, dass Kuros die Geduld der Investoren zu stark beansprucht habe. Das neue Management unter CEO Joost de Bruijn habe trotz einem schwierigen Marktumfeld gute Produktionsfortschritte gemacht und gleichzeitig die Kosten gesenkt. Das Unternehmen hat 46 Mitarbeiter an drei Standorten. Headquarter ist Schlieren, es gibt eine Niederlassung in Holland und in den USA wird das Produkt von Boston aus vertrieben.

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