Die Plakate sind gelb-rot und schrill, alle Schaufenster sind damit vollgekleistert: «Total Ausverkauf wegen Schliessung», «Die letzten Tage! -70 %» prangt dort in grossen Buchstaben. Gesehen im Industriegebiet in Winterthur ZH. Dabei ist die Schuh-, Mode- und Accessoire-Kette La Halle erst vor ein paar Monaten dort eingezogen.

Weitere Beispiele: Auch die La-Halle-Filiale in Pratteln BL macht am 30. Juni dicht. «Wir schliessen für immer», bestätigt eine Verkäuferin auf Anfrage von Blick. Die Filiale in Grenchen SO ist bereits geschlossen. La Halle ist sowohl in der Bekleidungs- als auch in der Schuhbranche tätig. Schweizweit zählt das Unternehmen über zwei Dutzend Filialen. Was läuft da in der Branche? Eben erst wurde bekannt, dass auch die Schuhkette Vögele Shoes Filialen schliesst.

Recherchen zeigen: Einige La-Halle-Filialen schliessen für immer, andere wiederum nur vorübergehend. Zu Letzteren gehört der Standort Winterthur. Eine Verkäuferin spricht von einer «Schliessung auf Zeit». Der Name werde gewechselt, es gebe ein neues Sortiment. Der Eigentümer bleibe aber der gleiche. «Ungefähr einen Monat lang» dauere die Schliessung.

Dieser Artikel wurde zuerst im Wirtschaftsressort des «Blick» veröffentlicht.

Ähnlich wie Vögele Shoes

Ist die Werbung mit Räumungsrabatten und Filial-Schliessungen folglich lediglich ein Trick, um Kundinnen und Kunden anzulocken? Das erinnert an die Schuh-Kette Vögele Shoes, die kürzlich nach Deutschland verkauft wurde. Das Ladennetz wird auf rund 90 Filialen geschrumpft. Dennoch warb der Schuhverkäufer mit landesweiten Ladenschliessungen und Räumungsrabatten. Konfrontiert mit Blick-Recherchen, krebste Vögele Shoes dann zurück. Firmen-Chef Max Bertschinger (61) versprach, die Kundschaft klarer darüber zu informieren, dass die Schliessung mancher Filialen nur vorübergehend sei, um sie auf die neue Kollektionen auszurichten.

Greifen die La Halle-Besitzer also in die Vögele-Trickkiste? Die Räumungsrabatte haben ihren Zweck bereits erfüllt: Sie lockten vergangene Woche zahlreiche Konsumenten und Konsumentinnen in die Winterthurer Filiale, wie ein Augenschein von Blick zeigte.

Konkursverfahren in Frankreich

Pikant: In Frankreich ist La Halle eine grosse Nummer. Oder besser gesagt: War es einmal. Denn seit 21. April 2021 läuft ein Konkursverfahren, wie das Fachportal «Fashionunited» berichtet. Davon ist indirekt auch die Schweiz betroffen, zeigen weitere Recherchen.

Der Markenname und das Sortiment in der Schweiz gehören Vincent Frantz (51), Direktor der Lausanner Firma CSCV. Er bestätigt Blick, dass alle La Halle-Standorte hierzulande einen neuen Namen bekommen. Darum würden die Läden kurzzeitig geschlossen und auf das neue Sortiment ausgerichtet. «Ab Juli heissen alle 25 Filialen Cosmetics Fashion Accessories», sagt Frantz. Ab dann sei La Halle Geschichte.

Auf die Frage, ob Frantz mit vorgetäuschten Filialschliessungen die Kundschaft animieren wollte, das alte Sortiment zu kaufen, geht er nicht ein. Zu Filiale in Winterthur sagt er jedoch, dass diese nicht zu einem Cosmetics Fashion Accessories, sondern zu einem Gifi-Store werde.

Gifi ist eine Westschweizer Kette für den Heim- und Deko-Bedarf. Das Sortiment reicht von Unterhaltungselektronik über Lampen und Teppiche bis hin zur Kühlbox für die Freizeit. Gifi ist neben La Halle Suisse (künftig: Cosmetics Fashion Accessories) ebenfalls im Besitz der Firma CSCV.

Dieser Artikel erschien zuerst im «Blick» unter dem Titel: «Schuhkette La Halle muss alle Filialen in der Schweiz räumen».