Die Gemeinden des Bezirks Horgen haben in den letzten Jahren stark an Attraktivität gewonnen. Das gestiegene Selbstbewusstsein der Region zeigt sich auch im neuen Übernamen, der sich im Volksmund breit gemacht hat: «Platinküste» anstelle von «Pfnüselküste».

Die Migros Bank hat zusammen mit dem Informations- und Ausbildungszentrum für Immobilien (IAZI) das Preisniveau und die Preisentwicklung für sämtliche Gemeinden am linken Zürichseeufer errechnet. Die Preise beziehen sich auf einheitliche Musterobjekte aus den Kategorien Eigentumswohnung und Einfamilienhaus. In beiden Fällen basiert die Berechnung auf einer neu erstellten Immobilie, wobei die Wohnung 41/2 Zimmer mit 115 m² Nettofläche und das Haus 51/2 Zimmer mit 150 m² Fläche umfasst.

Kilchberg ist 42 Prozent teurer

Klar am höchsten sind die Preise in Kilchberg, die benachbarte Gemeinde Rüschlikon ist bereits 12% günstiger. Im Bezirkshauptort Horgen liegt das Preisniveau rund ein Drittel tiefer. Interessante Resultate ergeben sich bei der Preisentwicklung: In der teuersten Ortschaft, Kilchberg, sind die Preise auch mit Abstand am stärksten angestiegen. Die Mustereigentumswohnung kostet dort 42% mehr als fünf Jahre zuvor. Dahinter folgen die Gemeinden Rüschlikon und Thalwil mit Preiszunahmen von 31 bis 35%. Zum Vergleich: In der gesamten Schweiz sowie im Kanton Zürich beträgt der durchschnittliche Preisanstieg innerhalb von fünf Jahren rund 20%. Die Preisunterschiede zwischen den verschiedenen Gemeinden lassen sich im Wesentlichen auf drei Einflussgrössen zurückführen: Die Entfernung zur Zürcher City, die Steuerbelastung und die Sicht auf den Zürichsee. Eine zentrumsnahe Wohnlage ist attraktiver. Das bestätigen die Zahlen aus dem Bezirk Horgen: Eine Immobilie in Kilchberg kostet rund 40% mehr als in der am weitesten von Zürich entfernten Seegemeinde Richterswil. Eine Untersuchung des Statistischen Amtes des Kantons Zürich hat gezeigt, dass eine Verkürzung der Fahrzeit zum Zentrum der Stadt Zürich von elf auf zehn Minuten den Grundstückpreis um 3,8% erhöht.

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Hohe Preise sind begründet

Die gleiche Studie hat ergeben, dass 10% niedrigere Steuern den Preis von Bauland um 2,5% erhöhen. Weil attraktive Wohnlagen gute Steuerzahler anziehen, können sich diese Gemeinden tiefere Steuersätze leisten, was deren Attraktivität weiter erhöht. So überrascht es nicht, dass die vier steuergünstigsten Gemeinden im Bezirk, nämlich Rüschlikon, Thalwil, Oberrieden und Kilchberg, die höchsten Immobilienpreise aufweisen. Schliesslich lässt sich auch der Einfluss von Seesicht auf das Preisniveau ziemlich exakt bestimmen: Ein Grundstück mit einer Seesicht von 2000 m2 (dies entspricht dem Medianwert für Immobilien, die über Seesicht verfügen) kostet rund 20% mehr als eine vergleichbare Parzelle ohne Blick auf den See.Die überdurchschnittlichen Immobilienpreise in Gemeinden wie Kilchberg oder Rüschlikon lassen sich aufgrund der beschriebenen Faktoren also durchaus begründen. Kommt hinzu, dass gerade an privilegierten Lagen oft nur noch geringe Reserven an Bauland vorhanden sind. Steigt nun die Immobiliennachfrage stärker als das Angebot, kann der Markt lediglich über höhere Preise wieder zu einem neuen Gleichgewicht finden.