Vom 6. bis 22. Februar 2026 finden die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo in Italien statt. Hohe Kosten, Budgetüberschreitungen und teure Infrastrukturinvestitionen strapazieren die öffentliche Akzeptanz und heizen die Debatte um die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit der Spiele an. Für die Schweiz ist diese besonders relevant, da das Internationale Olympische Komitee (IOC) seinen Sitz in Lausanne hat und dessen Einnahmen in die nationale Wertschöpfungsstatistik einfliessen. Zudem steht eine Bewerbung der Schweiz um die Austragung der Winterspiele 2038 zur Debatte.
1. Was macht das Internationale Olympische Komitee, und wie ist es aufgebaut?
Das IOC ist die oberste Instanz der Olympischen Bewegung und überwacht die Durchführung der Olympischen Spiele. Es verfügt über sämtliche Rechte an den olympischen Symbolen – darunter Fahne und Hymne – sowie an den Spielen selbst. Gegründet wurde das IOC 1894 vom französischen Pädagogen Pierre de Coubertin in Paris. Seit 1915 hat es seinen Sitz in Lausanne. Die Führung des IOC verteilt sich auf drei Organe: auf das Präsidium, den Vorstand und die Hauptversammlung. Präsidentin ist seit 2025 Kirsty Coventry aus Simbabwe. Der Vorstand besteht aus der Präsidentin, vier Vizepräsidenten und zehn weiteren Mitgliedern. Er ist für Verwaltung, Finanzen und strategische Entscheidungen zuständig und bestimmt, welche Städte sich für die Austragung der Spiele bewerben dürfen. Die IOC-Hauptversammlung, bei der Fifa-Chef Gianni Infantino und Ex-CS-Chef Tidjane Thiam Mitglied sind, wählt die Führungsorgane sowie die Gastgeberstädte.
2. Wie generiert das IOC Einnahmen?
Obwohl es kein Konzern im klassischen Sinn ist, bewegt das IOC Milliardenbeträge. Als alleiniger Rechteinhaber entscheidet es über Sponsorenverträge, TV- und Medienrechte sowie über das Merchandising. Im Jahr 2024 erzielte das IOC einen Gesamtertrag von rund 4,41 Milliarden Dollar. Den grössten Anteil machten die Fernseh- und Medienrechte aus: 3,25 Milliarden Dollar, rund 74 Prozent der Einnahmen. Für die Spiele von 2026 bis 2032 in Europa vergab das IOC die Medienrechte an die Europäische Rundfunkunion und an Warner Bros. Discovery. Weitere 871 Millionen Dollar stammen aus internationalen Sponsorenverträgen. Da die Einnahmen stark schwanken und sich vor allem in Olympiajahren konzentrieren, rechnet das IOC in vierjährigen Zyklen: Zwischen 2021 und 2024 erzielte es Erträge über 7,7 Milliarden Dollar, davon 55 Prozent aus Medienrechten und 36 Prozent aus dem Sponsoring.
3. Wofür gibt das IOC sein Geld aus?
Mit seinen Einnahmen unterstützt das IOC die Organisationskomitees der Gastgeberländer, die nationalen olympischen Komitees sowie die internationalen Sportverbände. Offiziell gibt das IOC an, dass 90 Prozent der Einnahmen pro Vierjahreszyklus in den Sport zurückfliessen. Rund 10 Prozent der Einnahmen sollen demgemäss für die Betriebs- und Verwaltungskosten verwendet werden. Aus den Geschäftsberichten sind diese Zahlen jedoch nicht direkt ersichtlich; die Zuwendungen an den Sport scheinen gar geringer zu sein. Die «Financial Times» stellte zudem fest, dass seit den Sommerspielen 2012 in London die kommerziellen Einnahmen des IOC um 60 Prozent gestiegen sind, aber die tatsächlich an Mitgliedsorganisationen und an den Breitensport ausgeschütteten Mittel nur um etwa 13,5 Prozent zugenommen haben. Allerdings muss bedacht werden, dass das IOC Rücklagen bildet und Einnahmen einbehalten darf, die nicht sofort verteilt werden. Diese Reserven dienen dazu, die finanzielle Stabilität über die Olympiaden (den vierjährigen Zeitraum zwischen den Spielen) hinweg zu sichern.
4. Wie sieht die Kostenrechnung für die Winterspiele in Mailand und Cortina aus?
Die eigens gegründete Stiftung «Milano Cortina 2026» verfügt über ein Budget von 1,6 Milliarden Euro, um die Olympischen Winterspiele vor Ort zu organisieren. Doch die tatsächlichen Kosten werden deutlich höher ausfallen: Für Infrastrukturmodernisierungen, Sportstätten und Sonderprojekte wie Bahnlinien oder Stromversorgung plant der Staat zusammen mit der Region umfangreiche zusätzliche Ausgaben, sodass der Gesamtbedarf auf rund 5,7 Milliarden Euro geschätzt wird. Das IOC steuert etwa 400 Millionen Euro bei – ein kleiner Teil der Kosten, der zudem kleiner ist als die Beiträge früherer Winterspiele. Zwar kann die Stiftung bedingt Einnahmen aus lokalem Sponsoring, Lizenzvergaben und Ticketverkäufen erzielen. Hinzu kommen aber noch Kosten für laufende Veranstaltungen und Transportdienste, die aktuell noch nicht genau beziffert werden können.
5. Sommer- oder Winterspiele – welche sind rentabler?
Ob Sommer- oder Winterspiele teurer sind, hängt vom Austragungsort ab. Im Durchschnitt kosten Sommerspiele rund 5,2 Milliarden Dollar, Winterspiele etwa 3,1 Milliarden Dollar. Doch es gibt Ausnahmen: Die Winterspiele in Sotschi 2014 waren mit rund 50 Milliarden Dollar die teuersten Spiele der Geschichte und teurer als alle vorherigen Winterspiele zusammen. Der Grund: Rund 85 Prozent der Infrastruktur musste neu gebaut werden. Grundsätzlich sind Sommerspiele teurer, weil sie mehr Sportarten umfassen und hier mehr Athletinnen und Athleten teilnehmen: In Paris 2024 traten etwa dreimal so viele Athleten in doppelt so vielen Sportarten an wie bei den bevorstehenden Winterspielen in Italien. Die höheren Kosten werden aber durch höhere Einnahmen ausgeglichen: Paris 2024 brachte rund 590 Millionen Dollar ein, Peking 2022 etwa 201 Millionen. Der Grund: Sommersportarten wie Leichtathletik sind weltweit populär und locken mehr Menschen vor den Bildschirm. Auch Ticketverkäufe und Tourismuseffekte sind bei Sommerspielen deutlich grösser.
Fazit
Die Frage, ob sich die Gastgeberrolle für Städte und Staaten wirtschaftlich lohnt, bleibt umstritten. Die Analyse zeigt: Sommerspiele sind im Durchschnitt deutlich teurer als Winterspiele, bringen dafür aber auch höhere Einnahmen und weltweite Aufmerksamkeit. Trotz der globalen Sichtbarkeit der Olympischen Spiele ist ein Tourismusboom spekulativ. Möglicherweise verdrängt der Olympia-Tourismus andere Reisende. Vor Ort werden zwar Arbeitsplätze geschaffen, viele davon jedoch nur temporär. Die Infrastruktur könnte theoretisch noch Jahre später genutzt werden, doch es ist fraglich, ob ausserhalb der Olympischen Spiele tatsächlich Bedarf besteht oder ob die Sportstätten danach nicht genutzt werden und die Austragungsländer auf den Unterhaltskosten sitzen bleiben. Für das IOC selbst geht die Rechnung immer auf, vor allem dank den Milliarden aus der Fernsehvermarktung.


1 Kommentar
Es hat den Anschein, dass das IOC selbst der grosse Profiteur ist. Und die Bauwirtschaft. Leider können nach den Spielen oft nur ein Teil der teuren Infrastrukturanlagen weiterverwendet werden.
Die Umwelt leidet durch den Konsum von Ressourcen.
Wieviel der Einnahmen verteilt das IOC an den Breitensport? Wenig bis gar nichts?