Dieser Schuss muss sitzen. Das, sagt ein Ver­trauter, weiss Albert Baehny genau. Zwei Konzernleiter hat er in seiner kurzen Zeit als Präsident bei Lonza verabschiedet, Richard Ridinger nach sieben Jahren an der Spitze und den Kurzzeit-CEO Marc Funk. Der Neue soll nun alles mitbringen, was Baehny wichtig ist und er in seinen vielen Jahren als CEO und Präsident beim Sanitärkonzern Geberit vorexerziert hat: Natürlich muss das fach­liche Können sichtbar geworden sein, vor allem aber die richtigen Werte.

In beiden Punkten habe Pierre-Alain Ruffieux, bisher Herr der Lieferketten, Produktionsleiter und Chef von 12 000 Leuten bei ­Roche, überzeugt; zudem passt seine Biotech-Expertise perfekt zu Pharma-Auftragsfertiger Lonza. Und eben, wie ein Insider sagt: Low Ego, kommunikativ, Transparenz und Bodenhaftung – Werte, die für Baehny elementar sind. Offenbar wurde auch bei ehemaligen Arbeitskollegen von Ruffieux abgeklopft, wie es mit seinem Verhalten steht.

Ruffieux und Baehny sollen sich schon einige Male bei Branchen-Symposien begegnet sein, sich dort auch schon unterhalten haben. Dazu passt, dass es laut einem Insider Lonza war, die Ruffieux auf die Kandidatenliste des Headhunters Peter Zehnder setzen liess. Interne Kandidaten habe es keine gegeben, nicht einmal auf der Longlist. Nach dem Hickhack mit Funk wollte man weitere Unruhe vermeiden.

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Die Messlatte für Ruffieux ist hoch

Mit einem Anstieg von fast 40 Prozent seit Jahresbeginn ist Lonza die mit Abstand stärkste Aktie im SMI. Baehny hat in seiner Zeit als Interims-CEO die Latte für Ruffieux also hoch gelegt. Dessen wichtigste Aufgabe wird zunächst das Heben von Effizienzen sein, in Logistik, Produktion und Vertrieb. Hier, so ein Insider, sehe Baehny trotz hoher Margen «noch viel Potenzial».

Die Abtrennung der Sparte Spezialingredienzen soll beinahe abgeschlossen sein, aber noch kein Entschluss über die Zukunft gefällt; zur Wahl stehen: Halten, Spin-off, Börsengang oder Verkauf. Da Ruffieux noch bei Roche unter Vertrag steht, dürfte er nicht direkt in die Entscheidung eingebunden sein. Aber während seiner Job-Interviews wurde er mutmasslich nach seiner Meinung gefragt.

Bundesrat war früh über das Projekt Corona-Impfstoff informiert

Auch um die Zusammenarbeit mit Moderna wird sich Ruffieux ab seinem Amtsantritt im November kümmern müssen. Für und mit der US-Biotech-Firma entwickelt Lonza im Kundenverhältnis einen Corona-Impfstoff und wird ihn später auch fertigen. Einige Schweizer Medien hatten die Beziehung fehlinterpretiert, als ob Lonza über die Zuteilung der Impfstoffe an die Bevöl­kerungen der Länder, etwa der Schweiz, entscheiden könne. Doch die Hoheit darüber liegt bei Moderna.

Allerdings hat Albert Baehny nach Informationen der BILANZ frühzeitig den Bundesrat über das Impfstoff-Projekt mit Moderna informiert, und zwar namentlich die beiden Magistraten Alain Berset und Simonetta Sommaruga. Damit der Bundesrat, der dafür zuständig ist, mit Moderna Gespräche aufnehmen konnte.

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