Die Lufthansa ist durch die Coronakrise tief in die roten Zahlen geflogen. Der bereinigte Betriebsverlust EBIT vergrösserte sich im ersten Quartal auf 1,2 Milliarden Euro.

Im Vorjahr hatte die Swiss-Mutter lediglich ein Defizit von 336 Millionen Euro ausgewiesen. Allein im März habe man knapp 1,4 Milliarden Euro Umsatz verloren, teilte der grösste Flugkonzern Europas am Donnerstag in einer Pflichtmitteilung an die Börse mit. Die Swiss ihrerseits gab keine Zahlen bekannt.

Im gesamten Quartal lagen die Erlöse der Lufthansa mit 6,4 Milliarden Euro in ähnlicher Grössenordnung unter dem Vorjahreswert von 7,8 Milliarden Euro.

Noch grösserer Verlust im zweiten Quartal

Der Konzern erwartet, dass krisenbedingte Wertminderungen von Vermögenswerten und die negative Wertentwicklung von Treibstoffabsicherungen das Konzernergebnis im Quartal zusätzlich erheblich belasten werden. Details dazu werden im Rahmen des Quartalsabschlusses, dessen Publikation vom 30. April in die zweite Maihälfte verlegt wird, veröffentlicht.

Aktuell sei nicht absehbar, wann die Konzernairlines wie beispielsweise die Swiss ihren Flugbetrieb wieder über den aktuell geltenden Rückkehrer-Flugplan hinaus aufnehmen könnten, hiess es. Der Konzern erwartet deshalb im zweiten Quartal einen erheblich höheren operativen Verlust als im ersten Quartal. Aktuell verfügt die Lufthansa über eine Liquidität von rund 4,4 Milliarden Euro.

10-Milliarden-Hilfspaket nächste Woche geplant

Die Lufthansa will Insidern zufolge Anfang nächster Woche das staatliche Hilfspaket von bis zu 10 Milliarden Euro schnüren. Dann dürfte auch die Entscheidung klar sein, wie die Aufteilung zwischen Eigen- und Fremdkapital genau aussieht, sagten mehrere mit der Lage vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Mittel kommen demnach aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes, aus staatlich besicherten KfW-Krediten und von Regierungen Österreichs, Belgiens und der Schweiz. Die Lufthansa, die staatliche Förderbank KfW und die Bundesregierung kommentierten das nicht.

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Das Rettungspaket beläuft sich auf 9 bis 10 Milliarden Euro, wie ein Insider sagte. Aus dem WSF könnten drei bis vier Milliarden Euro an Eigenkapitel kommen, anfangs womöglich über eine stille Beteiligung, die dann später in Teilen oder ganz in Aktien umgewandelt werden könnte. Aus dem KfW-Programm könnten bis zu fünf Milliarden Euro fließen, von den anderen Ländern zusammen eine bis 1,5 Milliarden Euro. «Die genauen Anteile der einzelnen Finanztöpfe sind aber noch im Fluss», sagte ein Eingeweihter.

An anderer Stelle hiess es, generell könne man auch damit rechnen, dass die Altaktionäre bluten müssten, in Form von Verwässerung der Aktien. Denn politisch sei es nicht durchsetzbar, der Lufthansa nur Kredite zu geben ohne am Eigenkapital beteiligt zu sein. «Staatshilfe muss bitter schmecken.» Bei der Lufthansa hieß es zuletzt hinter vorgehaltener Hand, man plädiere eher für eine stille Beteiligung. Deutschlands Branchenprimus will vermeiden, dass die Politik sich ins operative Geschäft einmischt.

Mit dem Geld will die Airline die Belastungen aus der Corona-Pandemie abmildern. Denn wegen internationaler Einreisebeschränkungen und schwindender Nachfrage ist der Flugbetrieb der Lufthansa fast lahmgelegt. Konzernchef Carsten Spohr hatte jüngst betont, wegen der Krise verliere die Lufthansa derzeit jede Stunde «ungefähr eine Million Euro unserer Liquiditätsreserven».

(awp/reuters/mlo)