Mit Petitessen gibt sich einer wie Klaus Schwab nicht mehr ab. Längst träumt der begnadete Plattformverkäufer vom Friedensnobelpreis. Respekt einflössend ist der Bekanntenkreis: Dollarmilliardäre, Firmengründer, Hollywoodstars, Musikerlegenden, Prinzessinnen, Staatsmänner. Im realen Leben freilich stützt sich Schwab auf einen engen Zirkel von Vertrauten. Neben seiner Frau Hilde ist das an vorderster Stelle André Schneider, COO des WEF.

Schneider ist der Sturm in der Brandung, der umsetzt, was der «human tornado of ideas» («Wall Street Journal») wieder ausgeheckt hat. Ungewöhnlich ist der Umgang der beiden miteinander: «Sie, Klaus» und «Sie, André», spricht man sich in Sitzungen an. Schneider, promovierter Computerwissenschaftler, war einst Stipendiant bei den Berliner Philharmonikern.

Als graue Eminenz im Machtnetz Schwabs fungiert der Churer Wirtschaftsprüfer, Multiverwaltungsrat und Treuhänder Kurt Alig. Seit 30 Jahren ordnet Dr. oec. HSG Alig die Finanzen und Geschäfte von Schwab, gemeinsam sitzt man im VR-Ausschuss des World Economic Forum und in der Kaderstiftung Forum in Chur, einer Altersschatulle, die bei Aligs Arcadia Treuhand AG domiziliert ist. Alig ist das Gegenteil von Schwab: hier der Selbstdarsteller, dort der diskrete Strippenzieher, von dem in der Öffentlichkeit kein Foto kursiert.

Schwab hat seit seiner ETH-Zeit ein Faible für Hightech. Stets ist er mit den jüngsten Gadgets unterwegs, derzeit checkt er seine Mails per Blackberry. Die Liebe für Elektronisches teilt er mit COO Schneider und mit Venture-Kapitalist Peter Friedli, auch er ein langjähriger Schwab-Kompagnon. Investierte Schwab in die New Economy, war Berater Friedli nicht weit. Nach Schlagzeilen über missratene Anlagen und personelle Verflechtungen hat sich Schwab Zurückhaltung auferlegt. Heute sitzt er in keinem gewichtigen Verwaltungsrat mehr (früher SMH, Vontobel). Seit der Frühphase des WEF ist er mit einer Handvoll Topmanagern auf Armlänge geblieben. Zum fröhlichen Seniorenclub gehören Hubert Burda («Focus»-Verleger), Helmut Maucher (früher Nestlé), Ferdinand Piëch (VW, Porsche), Heinrich von Pierer (Siemens). Aus der neueren Managergeneration ist er befreundet mit Joe Ackermann (Deutsche Bank), Daniel Vasella (Novartis) und Michael Dell (Dell Computer).

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Zwiespältig ist dagegen das Verhältnis zu den Granden der Schweizer Politik; noch klingen die unsäglichen Dispute über die WEF-Sicherheit nach. Unbelastet von dieser Vergangenheit ist das Verhältnis zu Wirtschaftsministerin Doris Leuthard. Die Aargauerin sass bis vor kurzem im WEF-Nachwuchs-Club Young Global Leaders. Schwabs Kontakte mit der Schweizer Politik und den Medien stellt Franz Egle (Dynamics Group) sicher.

Seine Feinde

Konflikte erledigt Klaus Schwab am liebsten fernab der Mikrofone. Im Fall Hayek war es anders. Schwab sass kurzzeitig im VR der SMH (heute Swatch). Daselbst überwarf er sich mit Nicolas Hayek. Dieser lasse sich von seinem VR nichts sagen, ergo sei er (Schwab) überflüssig im Gremium, nölte Schwab und gab den Rücktritt. Hayek keilte zurück, der Professor aus Genf «bewies einen Mangel an industriellem, unternehmerischem Gespür».

Selbstredend ist Hayek nie am WEF in Davos aufgetaucht, im Gegensatz zu Bill Clinton. Schwab zählte den lebensfrohen Mann aus Arkansas lange zu seinen sicheren Werten – erst noch ausgestattet mit hohem Glamourfaktor. In jüngster Zeit hat sich das Verhältnis aber massiv abgekühlt. Irritiert haben Clintons Fundamentalkritik am WEF («Es wird zu viel geredet und zu wenig gehandelt») und seine Pläne, in New York eine WEF-Alternative aufzubauen (Clinton Global Initiative). Immerhin lud er Schwab im Herbst 2005 zum ersten Kongress an den Hudson ein; Schwab war anschliessend halbwegs beruhigt, zumal Clinton ein anderes Businessmodell verfolgt als er – und primär darauf zielt, Dollars für soziale und ökologische Anliegen zusammenzutrommeln.

Young Global Leaders

2005 formierte Schwab das Forum der Young Global Leaders (YGL), in dem die künftige WEF-Elite repräsentiert ist. Zu den Schweizer YGL gehört Georges Kern, CEO der Uhrenmarke IWC. Zum Forum stossen neu die Unternehmerinnen Adriana Ospel und Carolina Müller-Möhl sowie Felix Graf, Swiscom-Fixnet. Adriana Ospel freute sich, dass sie unter ihrem ledigen Namen Bodmer gewählt wurde: «Schön, dass meine Heirat mit Marcel Ospel noch nicht bekannt war und ich nicht als ‹Frau von› gewählt wurde.»

Attraktiv finden Ospel wie Müller-Möhl die Tatsache, dass bei den YGL nicht nur über Probleme geredet wird, sondern auch konkrete Lösungen gesucht werden. «Wir wollen keine Schwatzbuden», sagte Königin Rania aus Jordanien, die das YGL-Selektionskomitee präsidiert.

Seine Familie

Es tönt abgedroschen, doch ohne Gattin Hilde, geborene Stoll, hätte es Schwab nie geschafft. Die resolute Schaffhauserin hatte sich einst auf ein Stelleninserat in der «Neuen Zürcher Zeitung» bei Klaus Schwab gemeldet, anderthalb Jahre später waren sie verheiratet. Hilde Schwab, die früher für den Europäischen Landwirtschaftsverband Kongresse organisierte, holte Schwabs hochfliegende Pläne auf den Boden – das Europäische Managementforum, später WEF, war geboren.