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Geldwäsche
Mafia-Firma lockte Fussballclub mit Millionen

Grüsse aus Zug: Die TMS Group wollte in einen ostdeutschen Fussballverein investieren. (Bild: Keystone/Wikipedia)

Neue Note in der Finanzaffäre der Schweizer Rothsinvest: Neben dem Sammeln von 250 Millionen in Italien bemühte sich deren Umfeld auch um einen schlingernden deutschen Fussballclub.

Von Christian Bütikofer
am 01.11.2012

Es wäre die Geschichte des Jahres geworden in der 230'000-Einwohner-Stadt Magdeburg im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt: Im Januar sondierten Investoren der Zuger Firma TMS Group AG beim Fussballclub 1. FC Magdeburg vor. Juan Miguel Jacome López stellte sich als Vizepräsident für Finanzen der TMS Group vor und berichtete über die goldenen Investments der Zuger «Holding» mit angeblichen Projekten in der ganzen Welt. Er machte ein Angebot, das fast nicht abzulehnen war: Millionen für den klammen Traditionsverein.

Was die Deutschen nicht wussten: Die TMS Group stand schon lange im Visier der spanischen Polizeibehörde Guardia Civil, die seit Anfang 2011 in einem gross angelegten Geldwäscherei- und Treibstoffbetrugsfall ermittelte. Und was auch nicht bekannt war: Die TMS Group fungierte offenbar als Parallel-Kasse der Rothsinvest Asset Managament aus Zug, deren Umfeld Verbindungen zur italienischen Mafiagruppe Camorra pflegte.

Exponenten der Rothsinvest sammelten in Italien mit hohen Renditeversprechen und dem Argument von Schweizer Verschwiegenheit rund 250 Millionen Euro ein. Nun ist die Firma bankrott und die «Kunden» suchen ihre Gelder. 

30 Millionen Euro in Aussicht gestellt

In der Presse Magdeburgs wurde von Millionenbeträgen über mehrere Jahre geschrieben. So berichtete etwa die «Volksstimme» von einer möglichen Investition von 30 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren. Die Aufmerksamkeit wurde aber nicht auf die TMS Group gelenkt, die das Geld versprach, sondern die Presse konzentrierte sich auf die PR-Firma ASAP, die eigentlich «As Soon As Possible Communication S.L.» heisst - auf Deutsch «So-schnell-als-möglich GmbH». 

Grosse Vergangenheit, schwierige Zukunft

Die Verlockung war gross beim 1. FC Magdeburg, den Sirenengesängen der TMS Group nachzugeben. Denn die Insolvenz von 2002 ist noch nicht vergessen und sportlich herrscht statt Siegestaumel seit längerer Zeit eher Tristesse vor.

Dabei hatte der Club zu Zeiten der DDR eine glorreiche Vergangenheit, war wiederholt Meister und gewann in einem Spiel gegen das grosse AC Mailand als einziger Fussballverein der Geschichte der untergegangenen DDR den Europapokal der Pokalsieger.

Doch Anfang April wurden die monatelangen Spekulationen abrupt beendet: Die Vereinsführung verlautete, es hätte Differenzen mit der ASAP gegeben und es sei zu keiner Einigung gekommen. Und wie schon bei Rothsinvest, so fiel auch beim Fussball-Abenteuer der ASAP/TMS Group wiederholt der Name der «Wealth-Management-Boutique» Falcon Private Bank. Sie sei dem Clubvorstand präsentiert worden, hätte sich dann aber anders orientiert.

Trennung nach gesperrten Konten

Die TMS Group dürfte ganz andere Gründe gehabt haben, als blosse Differenzen mit der Führung des 1. FC Magdeburg: Fast zeitgleich traf bei der Schweizerischen Oberzollbehörde ein Rechtshilfegesuch aus Spanien ein, um Konten in Genf zu blockieren, die der TMS Group zugeordnet wurden. Wenige Tage später demissionierte deren bisheriger Verwaltungsrat und Zuger SVP-Kantonalpräsident Manuel Brandenberg: Er warf die Firma aus seiner Anwaltskanzlei raus.

Kurze Zeit nach der Blockade der Konti stürzte das Kartenhaus der Rothsinvest Asset Management in sich zusammen. Die Truppe um Direktor Robert da Ponte konnte ihre «Kunden» nicht mehr bedienen, die hohen Renditen fielen aus.

Von handelszeitung.ch auf die Ereignisse der letzten Monate angesprochen, spielte Juan Miguel Jacome López den Unwissenden. Ihm sei von den Vorkommnissen um den Club und Rothsinvest nichts bekannt, da müsse er zuerst mit Juan Carlos Otero sprechen, der in der TMS Group AG im Verwaltungsrat sitzt.

Auf eine Anfrage reagierte der bis heute nicht - hoch und heilig aber versprach man eine Antwort auf spätestens den 1. November. Statt Transparenz ist offenbar Abtauchen angesagt.

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