Der Schweizer Bankensoftware-Anbieter Temenos ist erneut ins Visier eines aktivistischen Investors geraten. Die Aktien stürzten am Donnerstag um 33,9 Prozent auf ein Elf-Monats-Tief von 58,50 Franken ab, zeitweise wurde der Handel mit den Papieren angehalten.

In Gang gesetzt hatte den grössten Tagesverlust der Aktien seit 23 Jahren der Leerverkäufer Hindenburg Research, der der Firma Unregelmässigkeiten bei der Rechnungslegung vorwarf. Er teilte zudem mit, eine Short-Position eingegangen zu sein.

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Bei diesen auf fallende Kurse laufenden Börsenwetten verkaufen die Leerverkäufer in der Regel geliehene Wertpapiere mit dem Ziel, diese zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen. Von Temenos war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Hindenburg behauptete in seinem auf seiner Internetseite veröffentlichten Bericht, es gebe «Hinweise auf manipulierte Gewinne und erhebliche Unregelmässigkeiten bei der Rechnungslegung». Ein Beispiel dafür sei, wie Temenos heimlich den Kauf seiner eigenen Software finanzierte, schrieb Hindenburg in dem Bericht, der sich auf öffentliche Akten und Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern berief. Temenos kündigte 2021 eine Partnerschaft mit dem Fintech Mbanq an, mit dem Ziel einer Expansion in die USA.

Im Rahmen dieses Deals habe sich Mbanq verpflichtet, etwa 20 Millionen US-Dollar an Softwarelizenzen und Wartungsverträgen von Temenos zu erwerben, hiess es in dem Bericht. Hindenburg sagte, als Mbanq mit der Partnerschaft unzufrieden wurde, habe Temenos über Wandelanleihen in das Fintech investiert.

Interne E-Mails im Fokus

Der Leerverkäufer zitierte in dem Bericht Gerichtsdokumente und interne E-Mails zwischen Mbanq-Führungskräften. Hindenburg nannte dies ein Beispiel für sogenannte «Round-Trip-Transaktionen», bei denen ein Unternehmen etwas an einen Partner verkaufe, es als Umsatz verbuche und dann über einen anderen Kanal zurückkaufe. Mbanq reagierte zunächst nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme.

Hindenburg hat bereits einige Firmen nach gleichem Schema an den Pranger gestellt und mit Berichten über angebliches Fehlverhalten die Kurse ins Wanken gebracht. Ein prominentes Beispiel war die indische Adani-Gruppe, der Hindenburg im vergangenen Jahr dadurch einen Verlust von rund 100 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung einbrockte. Bei Temenos hatte in der Vergangenheit bereits ein aktivistischer Investor für Unruhe gesorgt: Auf Druck von Petrus Advisers trat der damalige Konzernchef im Januar 2023 zurück.

(reuters/rul)