Fans und Fürsprecher des stationären Detailhandels erleben harte Zeiten. Die Migros schiebt ihre Fachmärkte auf die Resterampe, langjährig erfolgreiche Modeformate wie Esprit und Tally Weijl kriseln, und ein vermeintlicher Tiroler Wunderwuzzi richtete in einer Mischung aus Warenhaus-Grössenwahn und Mietwucher ein paneuropäisches Schlamassel an, was auch Globus tangiert. Kommt dazu: Preisaggressive Online-Bulldoggen wie Temu und Shein setzen dem stationären Handel zu. Als Wadenbeisser – oder vielmehr: Ladenbeisser –, die den stationären Handel im Tief- und Mittelpreissegment attackieren.

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All diese Entwicklungen sind nicht nur schwierig für Kunden und Angestellte, sie nagen auch an der Attraktivität der Innenstädte. Wenn Läden schliessen und so Lücken im Strassenbild auftauchen, heisst das Duo nicht mehr Sex and the City. Sondern: Stress in der City.

Mehr Überraschung pro Quadratmeter

Da ist die Rückkehr von Manor in die Zürcher Innenstadt eine gute Nachricht. Die Warenhausgruppe der Genfer Familie Maus soll voraussichtlich 2027 in den Jelmoli-Glaspalast einziehen, nachdem sie vor vier Jahren durch hohe Mietzinsen von der Zürcher Bahnhofstrasse vertrieben wurde.

Das Manor-Comeback ist nicht nur Good News für Warenhausfans, sondern auch für alle anderen Läden. Klar, mit Manor erwächst den Platzhirschen wieder neue Konkurrenz, doch auf der anderen Seite wirkt ein solcher Player auch als Frequenzbringer, der die Innenstadt generell attraktiver macht.

So jedenfalls sagte es PKZ-Chefin Manuela Beer letzte Woche im HZ-Gespräch zur Jelmoli-Schliessung: «Wenn ein so tolles Warenhaus von der Zürcher Bahnhofstrasse verschwindet, ist das schade. Weil es der Stadt nützt und sie attraktiv macht.

Das sehe ich zum Beispiel aktuell in Basel, wo es sehr viele Baustellen und einen Globus im Umbau gibt: Da fehlt uns ein grosser Frequenzbringer.»

Es braucht einen Shopping-Sog

Mit der Rückkehr in die Zürcher City ist für Manor aber auch eine Bringschuld verbunden. Das Mittelpreiswarenhaus muss es schaffen, die 13’000 Quadratmeter im Jelmoli-Glaspalast so zu gestalten, dass sie einen Shopping-Sog ausüben. Mit einem Sortiment, dass es anderswo und im Netz schon gibt, holt man heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Manor muss zeigen, warum sich stationärer Handel heute noch lohnt. Für die Konsumenten wie auch für das Unternehmen selber. Immerhin kostet auch die neue Lage viel Geld; um 12 Millionen Franken pro Jahr.

Im Jelmoli-Glaspalast muss mehr Überraschung pro Quadratmeter drinliegen als früher. Erst wenn das gelingt, ist das Züri-Comeback auch für Manor selber eine gute Nachricht. Und damit auch für die ganze Schweizer Warenhauswelt.

Andreas Güntert
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