Schon im Juli 2008 warf die Personalie Fragen auf: Damals wurde Claude Mumenthaler zum CEO des Personalvermittlungskonzerns Manpower Schweiz gekrönt. Er ist der Sohn von Manpower-Schweiz-Verwaltungsratspräsidentin und Firmengründerin Maria Mumenthaler. Nun haben Recherchen der «Handelszeitung» ergeben, dass Mumenthaler das Unternehmen bereits nach weniger als einem Jahr wieder verlassen hat.

Seit April amtiert Urs Schüpbach als CEO, bestätigt Charles Bélaz, Manpower-Verwaltungsrat auf Anfrage. Der 53-jährige Schüpbach war zuletzt Geschäftsleitungsmitglied der Schindler AG. Er hat in Bern Betriebswirtschaft studiert und dann unter anderem bei Intersport Management AG und der Unternehmensberatung Brainforce gearbeitet.Als Grund für den Abgang von Mumenthaler gibt Bélaz an: «Es gab Differenzen über die Ausrichtung des Unternehmens zwischen Claude Mumenthaler und der Verwaltungsratspräsidentin» - also seiner Mutter. Der inzwischen 37-Jährige hat sich zuerst nach Australien abgesetzt und ist jetzt anscheinend wieder in der Schweiz, über seine neue Funktion ist nichts bekannt. Auf der Internetplattform Xing ist er immer noch als Manpower-CEO registriert.

Claude Mumenthaler arbeitete bereits seit 2002 für Manpower Schweiz. Der Ökonom war zuvor bei Ernst & Young und PricewaterhouseCoopers als Berater tätig. Im Frühling 2008 sagte er der «Handelszeitung», seine Mutter habe nie erwartet, dass eines ihrer drei Kinder in ihre Fussstapfen trete und die Führung von Manpower Schweiz übernehme.

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Dennoch arbeiteten damals alle für den Zeitarbeitskonzern - auf derselben Etage in Genf. Mumenthaler betonte vor dem Amtsantritt, dass er keine Revolution durchführen wolle. Allerdings setze er auf Neuerungen wie «Management by Objectives», wo es darum gehe, dass jeder Mitarbeitende genau wisse, was seine Ziele und was seine Prioritäten seien.

Gründerin Mitte April gestorben

Seine Mutter, Maria Mumenthaler, welche 1960 die erste Geschäftsstelle von Manpower in Genf eröffnete, ist Mitte April im Alter von 77 Jahren verstorben. Von 1960 bis 1998 war sie Generaldirektorin des Unternehmens. Als Mehrheitsaktionärin blieb sie bis zu ihrem Tod Vorsitzende des Verwaltungsrats.

Manpower Schweiz gilt innerhalb des US-Konzerns als Ausnahme. Sie ist die einzige Ländergesellschaft, welche nicht im Besitz des Konzerns, sondern eines Mehrheitsaktionärs ist und im Franchiseverhältnis geführt wird.

Manpower Schweiz ist nach Adecco der zweitgrösste Schweizer Personalvermittler und verfügt über 70 Filialen und 300 Mitarbeiter.