Marktkenner staunten beim Lesen der neusten BFE-Statistik für Thermische Stromproduktion inklusive Wärmekraftkopplung (WKK). Die vom Ingenieurbüro Dr. Eicher + Pauli, Liestal, betreute Statistik ist erfreulich detailliert – sie listet auch die gelieferten Geräte pro Marktteilnehmer auf. Dies gestattet nicht nur eine Marktanalyse, sondern zeigt auch Fehler.

Politisch motivierte Nichtmeldung

Klar: Marktleader sind die beiden ­Unternehmen Avesco (nach Stückzahlen) und IWK (nach Leistung). Und BES hat elf kleinere Blockheizkraftwerke (BHKW) verkauft. Aber CoGen 2011 und 2012 null? CoGen-Besitzer Heinz Eichenberger, Vertreter von Dachs (5 Kilowatt elektrisch, kWe) oder Powertherm (20 kWe), lacht. «Als ich las, dass das BFE Wärmekraftkopplung gemäss Energieperspektiven erst ab 350 Kilowatt Leistung fördern will, habe ich denen geschrieben: ‹Da ihr mich offensichtlich bekämpfen wollt, kriegt ihr von mir keine Zahlen mehr›.» Er habe jedes Jahr mindestens zehn Maschinen verkauft und betreue zurzeit einen Park von über 300 BHKW. ­Somit wurden also 2012 nicht 54 BHKW in Betrieb genommen, wie die Statistik angibt, sondern deren 64. Weil aber für 2011 ebenfalls zehn Stück zu addieren sind, ergäbe sich trotzdem ein Rückgang – von 69 (2011) auf 64 Geräte.

WKK-Förderung nicht berücksichtigt

Ebenfalls mit einer Null steht die Marke Vaillant in der Statistik. Das erklärt Technik-Leiter Martin Rauen aber so: «Wir ­haben die beiden installierten Vaillant/Honda-Testgeräte – mit Leistung 1 kWe – nicht angegeben, weil wir sie noch nicht offiziell verkaufen. Sie sind ja erst im Test.» Dazu komme noch eine Ecopower-Unit (4,5 kWe). Macht plus drei. Der Rückgang verkleinert sich… 2013 hat Vaillant übrigens mehr Ecopower verkauft.

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Die Erdgasindustrie hat vor ein paar Jahren ein Förderprogramm für kleine WKK-Anlagen – Stichwort «stromerzeugende Heizung» – aufgegleist. Die so subventionierten Geräte sucht man in der Statistik ebenfalls vergebens. 2011 waren erst wenige Geräte verfügbar. Aber 2012? «Wir haben ein paar WhisperGen-Stirlings subventioniert, aber der Hersteller hat Pleite gemacht, dazu ein paar weitere, unbekannte und rund 20 Viessmann-Stirlings (1 kWe). Bei denen haben wir allerdings nur Mitnehmer-Effekte in einem laufenden Markt erzielt – dieses Gerät hätten die Leute auch ohne Subventionen gekauft», ergänzt Martin Seifert vom Foga (Forschungs- und Entwicklungsfonds der Schweizerischen Gasindustrie) selbst­kritisch. Das Förderprogramm sei ausgelaufen. Um Viessmann (siehe unten) nicht doppelt zu zählen, rechnen wir also plus 5 im Jahr 2012 neu installierte BHKW – und schon dreht der Markt in den Zuwachs. ­Allerdings knapp.

«Im Februar habt ihr doch von rund 40 verkauften Vitotwin-Stirlings erzählt – wie viele waren es genau?», geht die Frage an Marc Bachmann, Verkaufsleiter von Viessmann Schweiz AG. Er kommt auf 34 Stück im Jahr 2012 und auf deren 40 im Jahr 2013. Nicht nur Seifert, der bei den geförderten Anlagen die Fernüberwachung betreut, sondern auch Bachmann stellt fest: Die Geräte laufen problemlos. Zudem: Einen Vitobloc mit 50 kWe, also ein ausgewachsenes BHKW, hat Viessmann 2012 auch noch verkauft. 2013 waren es sogar mehrere.

Sinkende Gesamtleistung

Zählt man die in der Statistik ausgewiesenen plus die hinzugekommenen BHKW zusammen, ergibt sich eine Gesamtzahl von rund 107 im Jahre 2013 installierten BHKW aller Leistungsgrössen. Das entspricht stückzahlmässig fast einer Verdoppelung des WKK-Marktes. Wie an der diesjährigen Swissbau zu erfahren war, ist 2013 auch Hoval mit einigen BHKW in den Markt eingestiegen, und die Walter Meier AG ist zufrieden mit den 2013 installierten Test-Stirlings von DeDietrich. Der Tipp für die Statistiker: Der Markt wird also weiter zulegen, denn die Newcomer öffnen andere Verkaufskanäle als die Etablierten.

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Richtig ist aber die Feststellung der Statistik, dass die Gesamtleistung der neu in Betrieb genommenen Geräte abgenommen hat. Der Zuwachs erfolgt vor allem im Minileistungsbereich. Das ist energetisch erfreulich. Hier werden trotz tieferem Stromwirkungsgrad der kleinen Geräte die höchsten Gesamtwirkungsgrade erzielt, weil die Wärme ohne Verteilverluste ­vollumfänglich am Verbrauchsort genutzt wird – und zwar bei den meisten Kleinen inklusive Abgaskondensation, also des Brennwerts.