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Marktstudie Schweiz: Beraten, was das Zeug hält

CMC: Personen, die dieses Kürzel führen, sind Certified Management Consultants

2010 sind die Consulting-Umsätze hierzulande auf ein Allzeithoch geklettert. 2011 soll sich das Wachstum fortsetzen. Treiber sind vor allem grosse Unternehmensberatungen sowie kleine Nischenanbieter.

Von Robert Wildi
am 08.06.2011

Zufriedene Gesichter auf Kundenseite, volle Kassen bei den Unternehmensberatungen. Etwa so lassen sich, ganz salopp, die Resultate der Asco-Studie 2011 zum Schweizer Beratungsmarkt zusammenfassen. Der Branchenverband erhebt die repräsentativen Daten zu Entwicklungen und Trends der Consulting-Firmen jedes Jahr.

«2010 kann durchaus als sehr guter Jahrgang für die Berater bezeichnet werden», resümiert auch Roberto Busin, Co-Studienleiter und Asco-Vorstandsmitglied. Damit untertreibt er allerdings, denn die Branche katapultierte ihren Umsatz im vergangenen Jahr auf einen historischen Höchstwert. 570 Schweizer Beratungsunternehmen erwirtschafteten total 1,32 Milliarden Franken. Damit wurde das Vorjahresresultat um 6 Prozent überflügelt. Die Consulting-Firmen sind ein Katalysator für die Schweizer Wirtschaft, legte das Bruttoinlandprodukt (BIP) im gleichen Zeitraum doch «nur» um 2,6 Prozent zu.

Grafik: Die Resultate der Asco-Studie 2011

Weitere Polarisierung der Szene

Wichtigste Treiber des respektablen Wachstums sind die ganz grossen Unternehmensberatungen. Die Top 20 generieren zusammen ein Honorarvolumen von 984 Millionen Franken und decken damit bereits drei Viertel des Gesamtmarkts ab. «Ein Drittel dieser potentesten Beratungsfirmen konnte ihren Umsatz 2010 um über 15 Prozent verbessern», sagt Busin.

Schlechter sieht es für die sogenannte Mittelschicht der Unternehmensberatungen aus, der ebenfalls rund 20 Firmen zugehören. Ihr Marktanteil ist innert Jahresfrist von 11 auf 10 Prozent geschrumpft. Positiv läuft hingegen das Geschäft für die kleinen und spezialisierten Anbieter. Das sind gut 530 Betriebe und Einzelberater. «Ihr Umsatz ist überproportional gestiegen», ergänzt Busin. Die Entwicklung verdeutlicht: Die bereits in den Vorjahren feststellbare Polarisierung im Beratermarkt auf einerseits ganz grosse Anbieter und anderseits kleine Nischenplayer schreitet voran. Dies wird durch die Entwicklung bei den Salärstrukturen bestätigt. Consultants in den grössten Unternehmen erzielen die höchsten Honoraransätze, gefolgt von den Spezialisten.

Der Hauptgrund dafür, dass in der Beraterbranche mehr Geld fliesst, ist die neue Aufbruchstimmung in der Wirtschaft. Wie die Asco-Studie 2011 belegt, ist seit dem Ausklang der Wirtschaftskrise der Bedarf an professionellen Consultants quer durch alle Branchen gestiegen. «In allen von uns durchleuchteten Industrien sind im Untersuchungszeitraum neue Wachstumsambitionen formuliert und darauf ausgerichtete Strategien erarbeitet worden», erklärt Roberto Busin.

Berater als Treiber für Innovationen

Bei der Kooperation mit Beratungsunternehmen verfolgen immer mehr Kundenfirmen einen dualen Ansatz. Damit sind Kostensenkungen in unterstützenden Prozessbereichen sowie Innovationen bei den kunden- und verkaufsorientierten Prozessen gemeint. «Berater werden oft als Innovationstreiber bei der Ausarbeitung neuer Geschäftsmodelle oder Entwicklung von fortschrittlichen Technologien und Software-Lösungen engagiert», erläutert Busin eine der wesentlichen Erkenntnisse der Marktstudie. Ein Beispiel: Kundenfirmen aus der Prozess- und Konsumgüterindustrie haben 2010 mit Beraterhilfe zahlreiche Kostensenkungsprogramme umgesetzt. Gefragt sind auch Projekte zur Auslagerung von Prozessen, etwa im Technologiebereich. Die durchschnittliche Zusammenarbeitsperiode mit Beratern beträgt für kleine und mittlere Kundenunternehmen rund drei bis fünf Jahre. Grössere Kunden buchen die Consultants eher auf Mandatsbasis.

Dank guter Auftragslage und wachsenden Honorarumsätzen ist die Beraterbranche auf zusätzliches Personal angewiesen. Wie die Asco-Studie nachweist, ist die Zahl der landesweit tätigen Consultants 2010 um 7 Prozent auf 3520 angewachsen. Speziell der Frauenanteil wird vor allem in grossen Beratungsfirmen gezielt gefördert. Bis zur Stufe Projektleitung beträgt die Beraterinnenquote mittlerweile 26 Prozent, was einem neuen Höchstwert entspricht. Vermehrt werden auch Berater direkt ab der Universität rekrutiert. In der Szene spricht man von der wichtigen «Dritten Beratergeneration». Die typischen Vertreter dieser Gruppe sind mit dem Internet aufgewachsen, digital vernetzt und mit sämtlichen virtuellen Möglichkeiten vertraut. «Alles Themen, die in den Wachstumsstrategien der Unternehmen rapide an Bedeutung gewinnen», sagt Roberto Busin.

1000 Neueinstellungen geplant

Für das laufende Jahr erwartet der Co-Studienleiter eine Fortsetzung der positiven Entwicklung. «Wir gehen davon aus, dass das Honorarvolumen der gesamten Beraterbranche 2011 nochmals um 4 bis 6 Prozent zulegen wird.» Vor allem Wachstumsprojekte in den Sparten Marketing und Sales stehen auf der Prioritätenliste der Unternehmen ganz oben. Auch eine systematische Entwicklung von Potenzialen im Bereich der Social Media ist in vielen Betrieben angesagt. Allein dieses Segment löst unzählige Beraterprojekte aus.

Auch das Thema Nachhaltigkeit werde weiter an Bedeutung gewinnen, so Busin. Optimale Aussichten bieten sich auch jungen Akademikern mit einem Flair fürs Consulting. 2011 sind laut der Marktstudie in der Beratungsbranche 1000 Neueinstellungen budgetiert. Davon entfallen fast 50 Prozent auf Hochschulabsolventen.

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