Das Umkrempeln von Unternehmen war seine Spezialität. Damals, in den 1990er-Jahren, zitterten zahlreiche Schweizer Manager vor dem Shootingstar der Schweizer Finanzbranche. Der heute 68-jährige Martin Ebner galt als der Inbegriff des aktiven Investors, der von Managern von Konzernen wie ABB, Credit Suisse, SBG (heute Teil der UBS) und Rieter schlanke Strukturen und eine hohe Rendite einforderte. Doch das Platzen der Internetblase vernichtete einen grossen Teil seines Vermögens, sein Stern begann zu sinken, und er zog sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

Heute sind medienwirksame Auftritte Ebners eine Seltenheit, doch im Verborgenen ist er noch immer als Investor aktiv. Unbemerkt hat er bei mehreren börsenkotierten Gesellschaften hohe Beteiligungen aufgebaut. Zusammen mit seiner Frau kontrolliert Ebner die Beteiligungsgesellschaft Patinex und die BZ Bank. Die Finanzmarktaufsicht Finma und die Börsenbetreiberin SIX forderten von ihnen, die Beteiligungen der beiden Gesellschaften bereinigt offenzulegen. Nun zeigt sich, dass die Anteile an Firmen wie Galenica, Mobilezone oder Ypsomed deutlich höher sind, als bislang bekannt war. Bei der Genfer IT-Firma Temenos ist die Beteiligung neu gar doppelt so hoch.

Kontrollierter Zuwachs

Das Engagement Ebners am Genfer Bankensoftware-Spezialisten Temenos nahm schrittweise zu. Mitte August 2012 vermeldete die Börse eine erste Beteiligung über 3,13 Prozent von Patinex an Temenos. Die Offenlegungsstelle der Schweizer Börse SIX schreibt vor, dass Beteiligungen an börsengehandelten Unternehmen ab einem bestimmten Schwellenwert gemeldet werden müssen. Wenn ein Investor beispielsweise 3, 5 oder 10 Prozent einer Firma kauft, entsteht jeweils eine Meldepflicht. Im Dezember des letzten Jahres war der Anteil von Patinex auf rund 5,2 Prozent angestiegen. Also folgte eine weitere Meldung. Vor wenigen Tagen wurde dann eine dritte Meldung publiziert. Die Beteiligungsgesellschaft hielt per 6. November 11,3 Prozent des Aktienkapitals. Der Investor schien seine Beteiligung mehr als verdoppelt zu haben.

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Eine interessante Geschichte, weil Ebner zu den Initianten des Temenos-Konkurrenten Avaloq zählt. Der Zürcher Bankensoftwarespezialist Avaloq wurde 1985 als Informatikdienstleister der BZ Bank gegründet, erst 2001 komplett aus der BZ Gruppe gelöst und vom Management übernommen.

Und dasselbe bei Ypsomed

Es fand aber gar kein Börsengeschäft statt. Das Engagement in Temenos wurde nicht weiter ausgebaut, so ein Patinex-Sprecher. Die letzte Offenlegungsmeldung sei erfolgt, weil Herr und Frau Ebner als wirtschaftliche Berechtigte der Patinex neu die Bestände der BZ Bank, an der sie ebenfalls wirtschaftlich berechtigt sind, zu jenen der Patinex hinzuzählen müssen, lautet die Erklärung des Unternehmens.

Eine ähnlich lautende Meldung erfolgte beim Medizinaltechnik-Unternehmen Ypsomed. Dort stieg der gemeinsame Anteil von Patinex und BZ Bank von 5,2 auf rund 10,7 Prozent an. Beim Handyshop-Betreiber Mobilezone umfasst das Paket neu 26,8 statt zuvor 21,5 Prozent. Auch beim Pharmaunternehmen Galenica stieg der von Patinex und BZ Bank kontrollierte Stimmrechtsanteil von 9,6 auf 12,4 Prozent an. Darunter fallen aber nicht nur Aktien, sie machen rund 3 Prozent der Anteile aus, sondern es werden auch Aktienoptionen und andere Derivate hinzuaddiert.

Laut der Börsenbetreiberin SIX haben sich die Vorschriften nicht geändert. Mehr will die SIX dazu nicht sagen. Auch die Finanzmarktaufsicht Finma äussert sich in diesem Zusammenhang nicht. Die Behörde verweist auf das Börsengesetz. Dort heisst es, dass die Investoren ihre Beteiligungen von sich aus melden müssen. Das sei seit mehr als 15 Jahren so. Jedoch wird von Finma und SIX die Umsetzung schärfer kontrolliert, heisst es in der Branche.

Lohnende Investitionen

Die Firmen wussten nicht, dass der früher gefürchtete Investor bedeutende Aktienpakete kontrolliert. Der einst so aktive Ebner hat sich bislang nicht in die strategische Ausrichtung bei Temenos, Galenica oder Ypsomed eingemischt. So war etwa Temenos nicht bekannt, dass die Beteiligung der Familie Ebner schon bei über 10 Prozent lag. Der Banken-IT-Spezialist sieht darin keinen Nachteil. «Wir begrüssen loyale Aktionäre aus der Schweiz», so ein Temenos-Sprecher. Auf die Ausrichtung der Firma habe der Investor jedoch keinen Einfluss.

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Ypsomed nimmt die Tatsache zur Kenntnis, so eine Sprecherin. «Die Geschäftsleitung hat gewusst, dass Herr Ebner über mehrere Wege über Anteile verfügt, aber die Höhe war nicht bekannt.» Vor einem aktiven Investor muss sich Ypsomed-Chef Willy Michel derzeit ohnehin nicht fürchten. Er hält rund drei Viertel der Firmenanteile. Auch Galenica stört sich nicht am prominenten Investor. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Beteiligung der Familie Ebner sukzessive erhöht: «Wir interpretieren dieses Engagement als grosses Vertrauen in die langfristige Strategie und in das Management der Galenica Gruppe», heisst es bei Galenica.

Ebner hat ein Vermögen von rund 950 Millionen

Aus Sicht des Investors haben sich die Beteiligungen an Galenica, Ypsomed und Temenos bislang gelohnt. Die Aktie von Temenos notiert seit dem Überschreiten der ersten Meldeschwelle Ende August 2012 um mehr als 75 Prozent höher. Mit den gewinnbringenden Investments wächst sein Vermögen wieder. Laut dem Ranking «Die 300 Reichsten» des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» kam Ebner 2013 auf ein geschätztes Vermögen von 950 Millionen Franken. Zum geschätzten Rekordwert seines Vermögens von 5 Milliarden Franken aus dem Jahr 2001 fehlt aber noch einiges.

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