Die ZKB hat ihren Hauptsitz an der Bahnhofstrasse, drei Minuten Fussdistanz von den Konzernzentralen von UBS und Credit Suisse. Doch gefühlt liegen Welten dazwischen. Die Zürcher Kantonalbank ist sozusagen die Antithese der geächteten Grossbanken. Sie gilt als solide und beständig. Manchmal etwas gar konservativ und langweilig, aber stets verlässlich und vertrauensvoll.

Penibler Mikromanager

Langzeit-Chef Martin Scholl verkörpert diese Attribute wie kein Zweiter. Er ist kein Blender, der den grossen Auftritt im Scheinwerfer sucht. Viel eher hat er den Ruf eines peniblen Mikromanagers, der um die Risiken im Bankgeschäft weiss und sie tendenziell scheut.

Gerne erzählt Scholl denn auch davon, wie er beim Immobiliencrash in den 1990er Jahren faule Kredite abwickeln musste. So etwas prägt. 

«Die ZKB hat mit ihren 5’000 Mitarbeitern in den letzten zehn Jahren so viel Gewinn erwirtschaftet wie die Credit Suisse mit 50’000 Mitarbeitern.»

Scholl ist es zu verdanken, dass die ZKB nach der skandalumwitterten Ära von Hans F. Vögeli – Stichwort Insiderhandel – rasch wieder zurück auf einen stabilen Erfolgskurs fand.

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So hat die ZKB mit ihren 5’000 Mitarbeitern in den letzten zehn Jahren so viel Gewinn erwirtschaftet wie die Credit Suisse mit 50’000 Mitarbeitern. Eine Leistung, die Respekt verdient. Wenngleich das volkswirtschaftliche Umfeld für die ZKB sicher vorteilhaft war und zuweilen auch die Staatsgarantie half. 

Beständigkeit als oberste Tugend

Wenn er Ende August 2022 mit 60 Jahren als CEO abtreten wird, wird Scholl die ZKB fünfzehn Jahre lang geleitet haben. Den eigenen Rücktritt mehr als ein Jahr vor dem Vollzug anzukündigen, ist wohl Scholls letzte Referenz an seine oberste Tugend: Beständigkeit.