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TV-Quoten
Mediapulse führt Toten im Verwaltungsrat

Nicht zu beneiden: Manuel Dähler (r.) von Mediapulse. (Bild: Keystone)

Die Firma, die im Schweizer TV-Markt die neuen Zuschauer-Quoten misst, hat bis heute einen Verwaltungsrat eingetragen, der im April 2012 verstorben ist.

Von Christian Bütikofer
am 15.01.2013

Die Mediapulse AG für Medienforschung ist nicht zu beneiden. Seit Wochen warten das Schweizer Fernsehen SRF und zahlreiche private Sender auf die TV-Quoten, die dieses Jahr erstmals mit einem neuen Messystem ermittelt werden - die bis dato verwendete Methode war 1985 eingeführt worden.

Neu sollen nicht nur die Quoten am TV gemessen, sondern auch der Konsum übers Internet berücksichtigt werden. Doch das scheint Probleme zu bereiten. Was genau schief läuft und warum, ist nicht zu erfahren. Fakt ist: Die Zahlen sind noch immer nicht vorhanden.

Auch um den Verwaltungsrat der Mediapulse und ihrer Tochter Public Data AG sowie den Stiftungsrat gibt es Verwirrung: Ende April 2012 verstarb ein langjähriges Mitglied - doch bis heute ist die Person als Verwaltungsrat und Stiftungsrat im Handelsregister eingetragen.

Warten auf die Generalversammlung

Warum? Auf Anfrage hiess es von Mediapulse: «Die Änderung des Handelsregister können wir erst vornehmen, wenn die Generalversammlung die Neuwahl des Nachfolgers bestätigt hat. Die Generalversammlung findet erst im April 2013 statt.» Zudem habe man von der Familie noch keinen Totenschein erhalten.

Die Antwort ist dürftig. Eine verstorbene Person zu löschen, dazu braucht es keinen Beschluss der Generalversammlung. Das Handelsregister verlangt auch keinen Totenschein. Alles was benötigt wird, ist ein Brief mit dem Hinweis auf den Tod der Person und dem Antrag auf Löschung, unterschrieben von einem Verwaltungsrat/Stiftungsrat mit Einzelzeichnungs-Berechtigung oder zweier Verwaltungsräte/Stiftungsräte mit Kollektivunterschrift. 

Eine Person des Handelsregisters Bern meinte auf den Fall angesprochen: «Änderungen im Handelsregister sind so schnell wie möglich mitzuteilen» - das sei natürlich ein dehnbarer Begriff. Doch im Todesfall, da verlange man nicht einmal eine Sterbeurkunde. «Das ist eine der wenigen Sachen, die wir einfach so glauben», sagte der HR-Experte gegenüber «Handelszeitung Online».

Immerhin: Als Ersatz für den Verstorbenen ist Roger Harlacher vorgesehen, teilte Mediapulse auf Anfrage mit. Er ist Direktor Marketing und Verkauf bei der Lebensmittelfirma Zweifel Pomy-Chips und soll für den Schweizer Werbe- und Auftraggeber-Verband SWA Einsitz nehmen, deren Präsident er ist.

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