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Steuerinversion
Medizinfirma Steris flüchtet vor US-Steuerhölle

Medizinisches Fachgerät: Steris kauft Synergy Health, um Steuern zu sparen.  Bloomberg

Das Medizintechnik-Unternehmen Steris will die britische Synergy Health für fast zwei Milliarden kaufen. Damit wollen die Amerikaner Steuern sparen. Die US-Regierung sieht solche Aktionen nicht gern.

Veröffentlicht am 13.10.2014

In der Gesundheitsbranche bahnt sich die nächste milliardenschwere Übernahme an. Das US-Medizintechnik-Unternehmen Steris will für rund 1,9 Milliarden Dollar die britische Synergy Health kaufen, wie der Konzern aus Mentor im US-Bundesstaat Ohio am Montag ankündigte. Synergie Health bietet Sterilisationsdienste für Krankenhäuser und Produkte zur Desinfektion an.

Ein Grund für den Vorstoss sind Steueraspekte: Steris will im Zuge des Zukaufs eine neue Gesellschaft in Grossbritannien gründen und damit dem US-Fiskus ein Schnippchen schlagen. Durch die Verlegung des Firmensitzes nach Grossbritannien würde Steris von den dort niedrigeren Unternehmenssteuern profitieren. So rechnet Steris nach der Synergy-Übernahme im neuen Geschäftsjahr ab 1. April mit einer effektiven Steuerquote von rund 25 Prozent. Im Geschäftsjahr 2013/14 hatte sie noch bei 31,3 Prozent gelegen.

Steuergefälle lockt Firmen

Das Steuergefälle zwischen den USA und europäischen Ländern wie Irland und Grossbritannien lockt immer mehr US-Firmen an. Allein in diesem Jahr haben mindestens zehn US-Konzerne solche im Fachjargon «Steuerinversionen» genannten Transaktionen angekündigt. Sie kaufen Firmen im Ausland auf und geben dann dort ihren Steuersitz an.

Der US-Regierung um Präsident Barack Obama ist das ein Dorn im Auge. Erst kürzlich hatte sie neue Vorschriften auf den Weg gebracht, durch die es Unternehmen künftig schwerer gemacht werden soll, durch solche Deals ihre Steuerlast zu senken.

Übernahme soll bis Ende März 2015 besiegelt sein

Steris bietet den Synergy-Health-Aktionären je Anteilsschein 439 Pence in bar an sowie 0,4308 Aktien der neuen Gesellschaft. Damit winkt den Aktionären des britischen Konzerns ein Aufschlag von 39 Prozent auf den Schlusskurs ihrer Aktien an der Londoner Börse vom Freitag. Steris-Aktionäre würden künftig 70 Prozent an dem künftigen Konzern halten - Synergy-Aktionäre den Rest.

Das neue Unternehmen käme mit etwa 14’000 Beschäftigten in 60 Ländern auf einen Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Dollar. Die Unternehmen rechnen durch die Fusion mit jährlichen Einsparungen von mindestens 30 Millionen Dollar. Steris-Chef Walt Rosebrough soll den künftigen Konzern leiten. Die Übernahme soll bis Ende März 2015 besiegelt sein.

(reuters/ise/ama)

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