Mido wird jetzt gross geschrieben, in leuchtend orangen Lettern, anstatt klein und weiss, denn ihr neues Corporate Design hat einen klaren Anspruch: Die Marke muss wieder als das bekannt werden, was sie ist. «Mido ist eine Uhrmacher-Marke, mechanisch, robust, zuverlässig und unverwüstlich. Gemacht zum Tragen für 24 Stunden am Tag», sagt Franz Linder, der vor zehn Jahren von Paris aus dem elektronischen Konsumgüter-Business nach Biel zu Mido gekommen ist und dem Unternehmen seit 2002 als Präsident vorsteht.

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Das 1918 von Uhrmacher Georges Schaeren und dessen Bruder, Financier Henri Schaeren, gegründete Familienunternehmen gehört zu den Dutzenden von Uhrenunternehmen, die in der Krise der 70er Jahre ihr Glück im Zusammenschluss mit der ASUAG (Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie AG) sahen, bevor diese selbst nach Restrukturierungen und Fusionen Mitte der 80er Jahre im SMH-Konzern, der späteren Swatch Group, unterging.

Unter dem Dach der Swatch musste Mido ihren Weg unter einem Dutzend weiterer Marken erst wieder finden. Die drei sportlichen in der Gruppe Certina, Mido und Tissot sind seit 1997 im Tissot-Gebäude in Le Locle vereint, um gemeinsam von Zulieferfirmen und der computerunterstützten Logistik mit einer Just-in-Time-Auslieferung zu profitieren

Gutes überlebt die Zeit

Mido gehört zu den Marken, die wichtige Beiträge zur Entwicklung der Uhrenbranche leisteten und hat beste Voraussetzungen, an dieser Tradition weiterzubauen. Wer weiss denn heute noch, dass Mido punkto COSC-geprüfter Chronometer (Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres) einst hinter Rolex an zweiter Stelle lag? Heute bietet Mido laut Linder für ihre Chronometer die besten Preise im Markt.

Nach den Goldenen 20er Jahren, als Mido ausgesprochen elegante Damenarmbanduhren und für eine wachsende Autofangemeinde Uhren in Form des Kühlergrills von Bugatti, Buick u.a. herstellte, konzentrierte sich Mido ab den 30er Jahren auf schnörkellose, funktionale und sehr widerstandsfähige Armbanduhren. Dank der bahnbrechenden Erfindung des Kork-Kronen-Dichtungssystems konnte erstmals eine absolute Wasserdichtigkeit garantiert werden. Das System wurde zum ersten Mal in der 1934 lancierten neuen Uhrenlinie Multifort angewendet und hat sich bis heute hervorragend bewährt (siehe Kasten).

Die Multifort-Automatik-Kollektion vereinte sämtliche technische Vorteile der damaligen Zeit selbstaufziehend, wasserdicht, stossgesichert und antimagnetisch, sodass sie rasch bis nach Kalifornien, Texas und Mexiko zur gefragten Marke wurde. Kein Wunder, hat sich die wieder erstarkte Marke zum 80-Jahr-Firmenjubiläum im Jahre 1998 zur Wiederbelebung der Multifort-Kollektion entschlossen. Mit einer sehr eigenständigen Damenlinie Multifort Lady kommt Mido auch dem bei Frauen zugenommenen Interesse an mechanischen Werken nach.

1959 lanciert Mido die neue Ocean-Star-Kollektion mit dem einteiligen Gehäuse (Monocoque). Die geniale Konstruktion des neuartigen Monocoque-Gehäuses mit eingepasstem Permafit-Glas machen die Uhren auch luftdicht, was einem weiteren Schritt zur aussergewöhnlichen Lebensdauer gleichkommt. Sie wurde ein Welterfolg und lebt heute in fast unveränderter Form in der Kollektion Commander weiter.

Einsteigermodell

Heute operiert Mido mit sechs Automatikuhren-Linien in einem überraschend günstigen Preisbereich ab 475 bis knapp unter 2000 Franken. Etwas teurer sind lediglich 18-Karat-Gold-Uhren und Chronometer mit COSC-Zertifikat. Deshalb ist Mido eine Uhr, die man sich selbst kaufen kann. Für manche wird sie auch zum Einsteigermodell in die Welt der Mechanik.

Der Name Mido kommt aus dem Spanischen und heisst «ich messe.» Ein Name, der überall gut tönt und auch asiatische Zungen aussprechen können. Weil die Besitzerfamilie nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden hat, nur noch in Märkten tätig zu sein, die vom Krieg verschont geblieben waren, wurde Mido zur meistverkauften Uhr in Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Texas, Thailand und Hongkong. Heute ist es primäres Ziel, in den bestehenden Märkten weiter zu wachsen und neue Märkte erst in einem weiteren Schritt über die Länderfilialen der Swatch Group zu bearbeiten.

Korken aus Portugal

Dichtungen, die dreimal länger halten

Weine und Uhren haben seit den 30er Jahren etwas gemein: Den Rohstoff Kork. Ganz diskret fand der Zapfen bei Mido eine neue Rolle: Als Abdichtung der Krone, um eine maximale Wasserdichtigkeit zu gewährleisten. Dazu werden in Portugal aus Korkeichenplatten Minizäpfchen mit 4,5 mm ¯ und 3,5 mm Höhe ausgestanzt. Dabei muss mit einem Ausschuss von rund der Hälfte gerechnet werden. Bei Mido kommen die Zäpfchen für drei Wochen in eine geheim gehaltene warme Marinade, bevor sie in den Kroneneingang einer jeden Armbanduhr eingesetzt werden. Nach 24 Stunden wird der auf beiden Seiten herausquellende Korkenüberschuss sauber abgeschnitten. Dieses Dichtungssystem hält drei- bis viermal länger als das herkömmliche aus Hesalit (Kunststoff). Das Korkdichtungssystem liess Mido unter der Bezeichnung Aquadura 1959 patentieren.