«Es gibt keinen Grund für einen Hersteller, nein zu sagen, wenn Migros anklopft», sagt Fritz Bärlocher, General Manager von Coca-Cola Beverages. Das Interesse ist gegenseitig, wie Bärlocher bestätigt. Verwunderlich ist dies nicht, stellt die Migros doch immerhin den grössten Retailer in diesem Land dar.
Für den orangen Riesen ist klar: Überall dort, wo Migros unterdurchschnittlich vertreten ist, will er das Sortiment mit ausgewählten Leadermarken ergänzen. Und genau das ist im Cola-Bereich der Fall. Gemäss AC Nielsen hält die Migros im Cola-Segment mengenmässig einen Marktanteil von 20,1%, Coop dagegen einen Anteil von 30,2%. Zudem ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstituts, dass Kundinnen und Kunden sich keine andere Marke bei Migros so sehnlich wünschen wie Coca-Cola. So ist absehbar, dass die Migros im Markensegment der Cola-Getränke ihrem Mitstreiter Coop das süsse Wasser abgraben will.
Damit wird der Cola-Markt neu aufgemischt. Denn bisher wurde die Marke Pepsi im Detailhandel seit 2001 exklusiv bei Migros verkauft. Doch Pepsi-Cola-Franchise-Manager Mauro Pitussi gibt sich angesichts der kommenden Konkurrenz im Regal gelassen: «Wir sind für einen offenen Wettbewerb.» Und viel sagend ergänzt er: «Bisher konnte Coca-Cola exklusiv den übrigen Detailhandel beliefern.» Mit der sich anbahnenden Liaison zwischen Coca-Cola und Migros dürfte die Aufteilung des Marktes zu Ende gehen. Pepsi ist allerdings im Detailhandel noch an Migros gebunden. Details über den Vertrag wollen aber weder Migros noch Pepsi verraten. Abgefüllt wird Pepsi für den Detailhandel im Migros eigenen Industriebetrieb Seba Aproz. Für die Gastrobetriebe füllt Pondor AG, eine Tochter der Fenaco, Pepsi ab.
In den letzten Jahren ist Coca-Cola durchschnittlich nur zwischen 1 und 3% gewachsen. Mit dem Migros-Kanal eröffnet sich für die Powermarke ein gewaltiges Marktpotenzial im Detailhandel. Das zeigen frühere Beispiele: Von der Einführung von Kellogg?s und Zweifel in der ersten Markenwelle von Migros haben beide Seiten profitiert. Migros konnte ein Jahr nach der Aufnahme von Kellogg?s ein Wachstum von 39% bei den Frühstück-Cerealien und 18% Wachstum bei den Chips&Snacks verzeichnen. Kellogg?s konnte dabei ihren Umsatz um 29% und Zweifel um 22% erhöhen.
*Markenvormarsch bei Migros in mehreren Wellen*
Mit der Aufnahme von 14 weiteren Marken in der zweiten Welle seit Mai/Juni 2003 erzielte Migros gemäss Erhebungen der AC Nielsen einen ansehnlichen Umsatz von rund 33 Mio Fr. in nur vier Monaten und erreichte damit jeden dritten Haushalt im Food-Bereich beziehungsweise jeden vierten Haushalt im Near-Food-Bereich. Damit tragen diese Marken einen beachtlichen Anteil am Wachstum der Migros bei. Zu dieser zweiten Markenwelle gehören unter anderem Nutella, Red Bull, Elmex, l?Oréal/ Garnier und Nestlé.
Zurzeit läuft die dritte Welle neuer Markenartikel bei Migros: Knorr-Produkte stehen bereits seit Mai im Regal, Nivea-Produkte und Gillette werden im Juni folgen.
Trotzdem hält Migros weiterhin an ihrem hohen Anteil von Eigenmarken fest, welche über 90% des Angebots ausmachen. Sie will mit ausgewählten Marken einen Umsatz von rund 300 Mio Fr. erzielen. Der Fahrplan für die vierte Markenwelle steht laut Migros-Mediensprecher Urs Peter Naef nicht fest. Zu dieser Welle wird Coca-Cola gehören. Damit verbindet sich eine der bekanntesten Marken der Welt mit einer der stärksten Schweizer Marken: Ein Power-Duo, das Pepsi noch einiges Kopfzerbrechen bereiten dürfte.

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