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Korruption
Millionen-Waffendeal: Indien sucht diesen Schweizer

Carlo Gerosa: Wegen Helikopter AW101 prominenter Auftritt bei Interpol.   Bloomberg/Interpol

Die indische Justiz sucht einen Schweizer Mittelsmann wegen einem 500-Millionen-Waffendeal. Dem Geschäftsmann wird Geldwäscherei vorgeworfen. Die Schweizer Behörden gehen in Deckung.

Von Christian Bütikofer
am 17.03.2016

In einem massiven Schmiergeldskandal zwischen Italiens grösstem Rüstungskonzern Finmeccanica und der indischen Armee kommt es zu einer neuen Episode: Nun suchen die Inder weltweit per Interpol nach einem Schweizer Staatsbürger: Carlo Gerosa (69).

2013 flog auf, dass Exponenten der Finmeccanica-Tochter AgustaWestland für zwölf Helikopter AW101 im Wert von gegen 560 Millionen Euro mehr als 50 Millionen Euro Schmiergelder einsetzten. Die Gelder flossen über verschiedene Kanäle von Europa über Marokko und Mauritius nach Asien. Allein 15 Millionen Euro wanderten in die Taschen höchster indischer Militärs.

Zentrum Tessin

Im Zentrum der Affäre standen zwei Mittelsmänner in der Schweiz: Guido H. und Carlo Gerosa. H. packte gegenüber den italienischen Staatsanwälten aus und kam mit 22 Monaten Gefängnis davon. Die Beweise waren erdrückend. Die beiden wurden abgehört, ihre verräterischen Gespräche lieferten sie der Justiz ans Messer – Teile davon wurden auch auf Youtube hochgeladen.

Indien annullierte den lukrativen Deal, die Affäre kostete den damaligen CEO Giuseppe Orsi den Posten. Während die Sache in Italien grösstenteils aufgearbeitet wurde, kocht die Affäre in Indien weiter hoch. Die Justiz sucht Carlo Gerosa nun wegen Geldwäscherei.

Mauern in Bern

Der Italoschweizer und ehemalige Multiverwaltungsrat ist schwer ausfindig zu machen. Seine letzte Telefonnummer ist abgeschaltet. Ein Sprecher des Bundesamts für Justiz wollte zum Fall keine Stellung nehmen, da «internationale Fahndungen vertraulich sind und dem Amtsgeheimnis unterstehen».

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