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Fussball
Millionenbetrug? Fifa-Vertreter in Zürich verhaftet

Sechs Vertreter der Fifa, die im Zürcher Hotel Baur au Lac einquartiert waren, wurden heute Morgen verhaftet. Vorwurf: Betrug und Geldwäscherei in Millionenhöhe. Es droht Auslieferung an die USA.

Von Christian Bütikofer
am 27.05.2015

Schweizer Justizbeamte haben am Mittwochmorgen sechs Top-Offizielle des Fussballweltverbands Fifa verhaftet.

Ihnen droht nun die Ausweisung in die USA. Der Sprecher des Bundesamtes für Justiz Folco Galli bestätigte gegenüber handelszeitung.ch: «Auf Anordnung des Bundesamtes für Justiz (BJ) sind heute Mittwoch sechs Fussballfunktionäre in Zürich festgenommen und in Auslieferungshaft versetzt worden. Sie werden gemäss US-Verhaftsersuchen verdächtigt, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen beziehungsweise bezahlt zu haben.»

Das ist ein Super-Gau für den Weltfussballverband. Die Offiziellen der Fifa wollten die Jahreskonferenz des Verbandes besuchen, die in Zürich morgen und am 29. Mai stattfinden wird. Dort will sich Fifa-Präsident Sepp Blatter zum fünften Mal hintereinander ins Amt wählen lassen.

Vorwuf: Über 100 Millionen Deliktsumme

Im Hotel Baur au Lac bekamen die sechs Offiziellen in den frühen Morgenstunden Besuch von der Polizei. Die Fussballfunktionäre seien von der Kantonspolizei Zürich festgenommen, so Folco Galli weiter. «Die Haftanordnung des BJ stützt sich auf Verhaftsersuchen der US-Behörden. Die für den Bezirk Ost von New York zuständige Staatsanwaltschaft ermittelt gegen diese Personen wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern und verdeckten Provisionen seit Beginn der 1990-er Jahre bis heute.»

Die mutmasslichen Bestecher sind offenbar Vertreter von Sportmedien und von Sportvermarktungsunternehmen und sollen in Zahlungen an hochrangige Fussballfunktionäre – Delegierte der Fifa und andere Funktionäre von Fifa-Unterorganisationen – in Höhe von über 100 Millionen Dollar verwickelt gewesen sein.

Auslieferung droht

Als Gegenleistung sollen sie bei der Austragung von Fussballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben. Diese Taten seien gemäss Verhaftsersuchen in den USA abgesprochen und vorbereitet worden; zudem sind Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden, schreibt das BJ in einer Pressemitteilung.

Die Kantonspolizei Zürich will noch heute im Auftrag des BJ Anhörungen zu den US-Verhaftsersuchen durchführen. Erklärt sich die gesuchte Person bei der Anhörung mit der sofortigen Auslieferung einverstanden, wird ein vereinfachtes Verfahren durchgeführt. Widersetzen sich die gesuchten Personen ihrer Auslieferung, wird das BJ die USA auffordern, innert der vom bilateralen Auslieferungsvertrag vorgesehenen Frist von 40 Tagen ein formelles Auslieferungsgesuch zu stellen.

Auch Ex-US-Funktionär im Fokus?

Dass in den USA Ermittlungen im Umfeld der Fifa laufen, war in der Vergangenheit an die Medien durchgesickert. Es gibt Spekulationen, dass der ehemalige Top-Shot Chuck Blazer für die Ermittler von Bedeutung war. Er wurde 2013 vom Weltfussballverband in die Wüste geschickt – der Vorwurf: Korruption. Er soll dem FBI und der Steuerbehörde IRS auch beim Ausspähen seiner Ex-Kollegen geholfen haben.

Alle aktuellen Entwicklungen können Sie in unserem Live-Ticker verfolgen.

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