Die grössten Arbeitgeber in der Zentralschweiz heissen Luzerner Kantonsspital (6718 Beschäftigte) und Genossenschaft Migros Luzern (6038 Beschäftigte) – beides regionale Schwergewichte mit nationaler Strahlkraft.

Unter den von der «Luzerner Zeitung» gelisteten Top 100 befinden sich aber auch international renommierte Unternehmen wie die Trisa Gruppe (Rang 27) oder B. Braun Medical (Rang 43). Gleiches gilt für Thermoplan. Weshalb bekennen sich solche Hidden Champions zur Zentralschweiz? Eine Spurensuche.

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Trisa Gruppe:

Zahnbürsten aus Triengen

Mehr als eine Million Zahnbürsten produziert die Trisa Gruppe pro Tag – in den 1950er Jahren sind es knapp 50'000 Stück im Jahr. Das Unternehmen wird 1887 in Triengen LU gegründet. Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigt die Zentralschweizer Firma rund dreissig Personen und stellt primär Haar- und Haushaltsbürsten her. Die erste Zahnbürste wird erst 1903 produziert.

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Zahnbürstenherstellung in Triengen: Ein Zentralschweizer Spezialist für die Mundhygiene.

Quelle: Keystone

Ende der 1930er Jahre verdrängen sogenannte Handstanzmaschinen die manuelle Arbeit. Trisa nimmt 1940 die erste Bürstenstanzmaschine in Betrieb; fünf Jahre später beginnt man mit der Herstellung thermoplastischer Produkte. Anfang der 1950er Jahre entwickelt das Unternehmen erstmals eine Zahnbürste in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich. Weitere Innovationen folgen; zur jüngsten gehört die Lancierung der Schallzahnbürste Sonicpower.

Mitarbeiter sind beteiligt

Seit den 1960er Jahren engagiert sich Trisa verstärkt sozial und ökologisch. So wird 1964 der Akkordlohn abgeschafft und die Erfolgsbeteiligung eingeführt. 1972 erfolgt die Beteiligung der Mitarbeiter am Aktienkapital. Ab 2008 investiert die Firma rund 250 Millionen Franken in nachhaltige Bauten, Infrastruktur und Technologien. Zudem werden einige hundert neue Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen.

Die heutige Trisa Gruppe ist eine Holding und besteht aus den Aktiengesellschaften Trisa (manuelle Mundpflege, Haarpflege, Körperpflege), Trisa Electronics (Elektrogeräte), Trisa Accessoires (Haar- und Modeschmuck), Trisonic (elektrische Mundpflege), Ebnat (Interdentalpflege, Raumpflege) sowie der Vertriebsgesellschaft Trisa Bulgaria. Die Gruppe beschäftigt 1160 Mitarbeitende, davon 994 in der Zentralschweiz. 2016 beträgt der konsolidierte Umsatz 220,5 Millionen Franken.

Starker Franken als Herausforderung

Das Unternehmen ist mittlerweile eine weltweit führende Anbieterin von Produkten in den Bereichen Mund-, Haar- und Körperpflege. Der Hauptsitz des Familienbetriebs in vierter Generation befindet sich nach wie vor in Triengen. «Im Herzen Europas ist die Zentralschweiz für uns ein idealer Standort mit motivierten, gut ausgebildeten Menschen, einer funktionierenden Infrastruktur, politischer Stabilität und einer hohen Lebensqualität», sagt Kommunikationschef Othmar Wüest.

Wesentliche Verbesserungspunkte aus wirtschaftlicher Sicht sehe man nicht. Man hoffe, dass sich die gesamtschweizerischen Rahmenbedingungen nicht negativ verändern würden. Trisa exportiert 95 Prozent ihrer Zahnbürsten. «Der mittlerweile seit Jahren signifikant überbewertete Franken bleibt trotz der leichten Abschwächung der letzten Monate eine Herausforderung. Wir hoffen auf eine weitere Abwertung in Richtung Kaufkraftparität zum Euro», erklärt Wüest.

Trisa will gesund und nachhaltig wachsen. Das Unternehmen profitiert vom gesteigerten Gesundheitsbewusstsein breiter Bevölkerungsschichten, insbesondere in den Schwellenländern. Chancen für den Produktionsstandort Zentralschweiz sieht Trisa in der weiteren Digitalisierung und Automatisierung.

Thermoplan:

Kaffeemaschinen aus Weggis

Es spielt keine Rolle, wo auf der Welt man eine Starbucks-Filiale betritt, man findet immer ein Stück Zentralschweiz darin. Seit fast zwanzig Jahren werden alle Kaffeehäuser der internationalen Kette mit Maschinen des Unternehmens Thermoplan aus Weggis LU ausgestattet. Weitere Key Accounts der Firma sind Costa Coffee und Nespresso, für die ebenfalls exklusive Kundengeräte entwickelt werden.

Gegründet wurde Thermoplan 1974 von Esther und Domenic Steiner in Küssnacht SZ. Ursprünglich auf die Planung von Lüftungsanlagen in Grossküchen ausgelegt, fokussiert die Firma ab Mitte der 1980er Jahre auf Spezialgeräte für die Gastronomie. Gleichzeitig wird der Firmensitz nach Weggis verlegt. 1995 folgt der Einstieg ins Kaffeemaschinengeschäft. Im Jahr 1999 kommt die Zusammenarbeit als exklusiver Kaffeemaschinenlieferant mit Starbucks zustande. Kurze Zeit später entwickelt Thermoplan ein bahnbrechendes System, dank dem auf Knopfdruck kalter Milchschaum zubereitet werden kann.

Nachdem Ende der 1990er Jahre Thermoplan Deutschland gegründet wird, entsteht 2002 auch eine Tochtergesellschaft in den USA. Thermoplan Austria folgt 2011. 2014 wird ein viertes Produktionswerk in Weggis eröffnet. 2016 gewinnt Thermoplan den Prix SVC des Swiss Venture Club. Die Firma unter der Leitung von Adrian Steiner, Sohn der Firmengründer, beschäftigt heute rund 300 Angestellte.

Zu Hause in der Zentralschweiz

Der Familienbetrieb bekennt sich klar zum Standort. «Die Zentralschweiz ist unser Zuhause. Hier haben wir unsere Wurzeln und hier wollen wir auch bleiben. Wir setzen auf den Produktionsstandort Schweiz, weil uns die Schweizer Qualität unserer Produkte am Herzen liegt», sagt Mediensprecher Carsten Bubeck. Es sei den gut ausgebildeten Mitarbeitern zu verdanken, dass Thermoplan die Qualität halten und ständig verbessern könne. Sie und die starken Partner machten Innovation erst möglich. Zudem seien die politischen und kulturellen Rahmenbedingungen ideal. An der Zentralschweiz hat Thermoplan nichts zu bemängeln. «Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Weggis. Unsere Belegschaft wie auch die Kunden schätzen die ungewöhnliche ländliche Umgebung, in der sich unser Produktionsbetrieb einbettet», erklärt Bubeck.

Um im Wettbewerb zu bestehen, braucht es jedoch mehr als diese Rahmenbedingungen. «Wir produzieren Profigeräte mit einem hohen Qualitätsstandard. In diesem Bereich sind wir absolut nicht kompromissbereit», sagt Bubeck. Solch hochstehende Technik in Schweizer Qualität sei nicht günstig. «Wir bewegen uns im oberen Preissegment mit unseren Produkten, aber eben auch im oberen Qualitätssegment. Was uns von unseren Mitbewerbern unterscheidet, ist ganz klar die Innovation.»

Die Herausforderung bestehe darin, der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Dies erfordere ein gutes Gespür für den Markt und die Bedürfnisse der Kunden, aber auch die richtigen Leute. Jeder fünfte Thermoplan-Angestellte arbeite in der Entwicklungsabteilung. «Wir bezeichnen uns selbst als Tüftler und Erfinder», sagt Bubeck. Kunden wolle man mit qualitativ hochstehenden Produkten begeistern. Das Ziel sei, die Marktführung bezüglich Kaffeevollautomaten zu behalten und auszubauen.

B. Braun Medical:

Spitalbedarf aus Sempach

Der 1839 gegründete Konzern setzt seit über vierzig Jahren auf die Schweiz. B. Braun Medical mit Hauptsitz Sempach LU ist eine Tochtergesellschaft der deutschen B. Braun Melsungen, einer weltweit führenden Herstellerin und Lieferantin von Medizinaltechnik. Den Grundstein für den Konzern, der sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befindet, legt Julius Wilhelm Braun mit dem Kauf der Rosen-Apotheke im nordhessischen Melsungen.

Von dort baut er einen Versandhandel mit getrockneten Kräutern auf. Sein Sohn beginnt mit der Produktion von Pflastern und Migränestiften. Später treibt man die industrielle Fertigung von Medizinalprodukten sowie die Expansion der Firma voran. In wenigen Jahrzehnten steigt die weltweite Anzahl der Angestellten auf über 50'000. Heute ist der Konzern mit Niederlassungen in 64 Ländern auf allen Kontinenten vertreten.

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Der deutsche Konzern hat seine Schweizer Tochter in der Zentralschweiz angesiedelt.

Quelle: Keystone

Das Jahr 2016 hat B. Braun mit einem Umsatz von 6,5 Milliarden Euro abgeschlossen. Die Schweizer Tochter mit CEO Madeleine Stöckli generiert einen Umsatz von 334 Millionen Franken. Landesweit beschäftigt B. Braun Medical 987 Mitarbeitende, davon 634 in Sempach, Escholzmatt LU und Luzern. Verkaufsschlager sind Produkte der Infusionstherapie.

B. Braun Medical wird 1973 mit einem Produktionsstandort für Kunststoffeinmalprodukte in Escholzmatt begründet. Fünf Jahre später folgt der Kauf eines Betriebsgebäudes in Sempach, wo 2006 der neue Hauptsitz eingeweiht wird. Hier befindet sich auch das CoE Infection Control mit 150 Mitarbeitenden, das Desinfektions- und Hygieneprodukte für Hände, Haut und Schleimhaut, Instrumente, Flächen und Wunden entwickelt und produziert.

Seit 2003 besteht mit der Inbetriebnahme der zentralen Sterilgutversorgungsanlage auf dem Areal des Luzerner Kantonsspitals eine dritte Niederlassung in der Region. «Der Standort Zentralschweiz hat sich seit 45 Jahren bewährt, es bestehen gute wirtschaftliche und fiskale Voraussetzungen, zudem ist der Zugang zu Fachhochschulen und Universitäten gewährleistet», sagt Kommunikationschefin Irène Abegglen.

Offenheit und Internationalität

Auf die Frage, was an der Zentralschweiz besser sein könnte, meint sie, mehr Offenheit und Internationalität wären wünschenswert. Zurzeit ist B. Braun Medical mit dem nach wie vor starken Franken und hohen Lohnkosten konfrontiert. Am Standort Zentralschweiz will die Firma auch in Zukunft festhalten, ebenso wie am Standort Crissier in der Westschweiz, an dem auch für den weltweiten Gesundheitsmarkt produziert wird.