Wir bezahlen unseren 23 Leuten jeweils das Mittagessen. Das ist eine effiziente Methode, um den Teamgeist zu fördern», sagte Michael Kerle, Marketingverantwortlicher der Zürcher Softwarefirma Media-Streams, neulich in einem Interview, nachdem er und seine Partner die Firma soeben an Bill Gates' Microsoft verkauft hatten.

Regelmässiger Gratis-Zmittag für Mitarbeiter, das gibt es noch? Erstaunlicherweise ja. Auch Generali Schweiz zeigt sich grosszügig. Als die Versicherungsgesellschaft vor 15 Jahren ihren Schweizer Hauptsitz von Zürich nach Adliswil verlegte, entschied man sich für den Gratis-Lunch als Motivationsspritze. Im firmeneigenen Restaurant «Al Leone» zahlen die Mitarbeiter bis heute nichts.

Von den 800 Angestellten in Adliswil profitieren praktisch alle von diesem Angebot. «Wir haben die Lösung immer wieder diskutiert, sind aber zum Schluss gekommen, dass die Vorteile überwiegen», sagt Generali-Generalsekretär Elmar Locher. Es sei gut für die Unternehmenskultur, und die administrative Abwicklung für die firmeneigene Koch-Crew sei bedeutend einfacher.

Die Bezeichnung gratis schränkt Locher allerdings ein: «Inzwischen ist die Dienstleistung bei uns zum Lohnbestandteil geworden.» Auch in der Westschweiz, wo demnächst der Zusammenzug der meisten Mitarbeiter nach Nyon ansteht, hat sich Generali für das gleiche System entschieden.

Betriebsgesundheit geht vor

Das kostenlose Mittagessen für die Angestellten bildet freilich eine Ausnahme in der Schweizer Firmenwelt. Fast alle Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern aber Möglichkeiten zum günstigeren Lunch. Denn klar ist: Immer weniger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind bereit, die rund 600 Fr. aufzubringen, die man monatlich braucht, um die ganze Woche im Restaurant zu essen. Das ist vielen Arbeitgebern nicht egal, und auch die vor den Bildschirmen verzehrten Sandwiches sind der allgemeinen Betriebsgesundheit nicht eben förderlich.

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Auch wenn die Mittagszeit immer häufiger für andere Betätigungen wie Sport, Einkaufen oder private Erledigungen genutzt wird, von den vergünstigten Angeboten in Kantinen machen stets mehr Leute Gebrauch. Das zeigt etwa der stetig wachsende Umsatz der SV Schweiz, der grössten Anbieterin in der Gemeinschaftsverpflegung. Die SV Group (Schweiz, Österreich, Deutschland) mit einem Umsatz von an die 400 Mio Fr. führt hierzulande 300 Betriebe. Zu den grössten Kunden gehören die ETH Zürich und Novartis.

Doch auch für kleinere Firmen bieten SV Schweiz und andere grosse Anbieter wie die Compass Group die verschiedensten Dienstleistungen. «Die von uns geführten Kantinen gehören in der Regel zu Firmen mit nicht weniger als 150 bis 200 Mitarbeitern», sagt SV-Mediensprecherin Silvia Schnidrig. Kleinere Firmen beliefert SV Schweiz als Caterer.

Immer häufiger schliessen sich mehrere Betriebe zusammen, für die dann ein gemeinsames Personalrestaurant betrieben wird, und die Firmenkantinen werden vermehrt auch für Externe geöffnet, wie Silvia Schnidrig beobachtet. Diese bezahlen einen höheren Preis und profitierten nicht von den subventionierten Mittagsmenüs.

Je nachdem, wie attraktiv ein Arbeitgeber dieses für seine Angestellten anbieten will, kostet es mehr oder weniger. Schnidrig nennt als Durchschnittsverkaufspreis 7.50 Fr. Was bedeutet: Rund die Hälfte übernimmt der Arbeitgeber. Grössere Firmen subventionieren die Verpflegung in der Kantine mit Millionenbeträgen. Pro Mitarbeiter und Jahr geben sie im Schnitt 2000 bis 4000 Fr., teilweise aber auch mehr aus.

Die meisten Grossfirmen haben ihr Personalrestaurant mit gutem Grund outgesourct. Die Anforderungen an Lebensmittelsicherheit und Qualitätsstandards steigen laufend, ein grosser Gemeinschaftsverpfleger hat bessere Einkaufsbedingungen, mehr Flexibilität bei Personalengpässen und bietet auch zeitgemässe Konzepte an. SV Schweiz tut das zum Beispiel mit dem Label fit@work und einer Auswahl von gesunden Menüs mit nicht mehr als 500 kcal.

Der gute, alte Lunch-Check

Doch nicht für alle Firmen ­ gerade KMU ­ ist ein Personalrestaurant finanziell zu verkraften. Eine gute Alternative ist die Zusammenarbeit mit der seit über 40 Jahren existierenden Genossenschaft Schweizer Lunch-Check. Rund 40000 Angestellte in über 500 Firmen erhalten landesweit zweckgebundene Verpflegungsbeiträge in Form der legendären Checks. Und das System floriert. Rund 4500 Restaurants und Cafés sind angeschlossen, und die Genossenschaft konnte ihren Umsatz 2005 erneut steigern, auf gut 64 Mio Fr. Das Hauptargument für die Checks liegt für Direktor Ernst Schneider klar auf der Kostenseite. «Die Firmen sparen die Infrastruktur- und Betriebskosten von Kantinen, haben klar kalkulierbare Ausgaben und erst noch Vorteile bei den Sozialabgaben», sagt Schneider. Tatsächlich sind gemäss der gültigen AHV-Verordnung von 1997 Lunch-Checks im Wert von bis zu 180 Fr. pro Monat nicht zum massgebenden Lohn für die AHV/IV-EO-Beiträge zu zählen.

Firmen, die Lunch-Checks beziehen, entscheiden selbst, mit welchem Betrag sie diese subventionieren. Die Verwaltung des Kantons Zürich, die traditionell grösste Lunch-Check-Kundin, gibt die Checks zum halben Preis ab. Der durchschnittliche Betrag der Firmen beläuft sich laut Schneider auf 7 bis 8 Fr. pro Mitarbeiter und Tag. Frei wählbar ist, ob die Checks nur zwischen 11 und 14 Uhr montags bis freitags oder unbeschränkt gültig sein sollen.

Grundsätzlich können auch kleine Firmen Lunch-Checks beziehen. Einzige Einschränkung: Um den Wert der einzelnen Check-Lieferungen aus Kostengründen nicht allzu tief werden zu lassen, wird mit ihnen vereinbart, dass sie zum Beispiel quartalsweise beliefert werden. «Sonst lohnt sich der Versand für uns nicht mehr», sagt Schneider. Ihre Einnahmen generiert die Genossenschaft übrigens durch die Kommission der beteiligten Restaurateure. 1,5% des Umsatzes mit Lunch-Checks haben diese abzuliefern.

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Netcetera: Gleich ein ganzes Restaurant gemietet

Einen aussergewöhnlichen Weg für die Verpflegung ihrer 70 Mitarbeiter in Zürich hat die IT-Firma Netcetera gewählt. Als das benachbarte Restaurant Café Boy den Betrieb einstellte, wurde das Lokal 2001 von Netcetera kurzerhand gemietet. Eine eigenständige AG betreibt seither das Restaurant. Über Mittag exklusiv für die Netcetera-Crew mit Menüs zum halben Preis, am Abend wird das Lokal zu marktüblichen Preisen für geschlossene Gesellschaften vermietet.

Rund 150000 Fr. lässt sich Netcetera das Engagement gemäss Rodolfo Paredes, Leiter Services und Finanzen, jährlich kosten. Zu diesem Preis hat die Firma aber zusätzlich einiges auf einen Schlag: Kantine mit angenehmem Ambiente, stimmiges Versammlungslokal, Sitzungszimmer und Seminarraum für interne und externe Anlässe.