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Möbelhandel
Möbel-Riese XXXLutz kommt in die Schweiz

Stilhaus in Rothrist: Die letzte Bastion der Familie Hubacher-Medina fällt.  ZVG

Der österreichische Gigant XXXLutz drängt in die Schweiz und eröffnet beim Möbel Hubacher in Rothrist die erste Filiale. Die Familie Hubacher-Medina verabschiedet sich damit ganz aus dem Handel.

Von Marcel Speiser und Bernhard Fischer
am 23.05.2017

Die österreichische Möbelhandelskette XXXLutz expandiert in die Schweiz. Firmensprecher Thomas Saliger bestätigt entsprechende Recherchen der «Handelszeitung». XXXLutz gehört mit einem Umsatz von 4 Milliarden Euro, fast 21000 Angestellten und 250 Filialen in 9 Ländern zu den ganz grossen Playern im Möbelhandel – auch im globalen Massstab.

Neuer Nachbar für Hubacher

Der erste Standort des Riesen eröffnet 2018 im aargauischen Rothrist – in unmittelbarer Nachbarschaft von Möbel Hubacher. XXXLutz mietet sich auf 13'000 Quadratmetern im Wohn-, Bau- und Gastrozentrum Stilhaus ein. 100 Arbeitsplätze sollen entstehen.

Die Österreicher wollen sich aber nicht mit einer Filiale zufrieden geben. Weitere Standorte seien denkbar, so Sprecher Saliger. Selbst eine Expansion ins Tessin oder die Romandie schliesst XXXLutz nicht aus: «Sprachen sind für uns kein Hindernis.»

Preispolitik in Abklärung

Angelockt wurde XXXLutz durch die hohe Kaufkraft in der Schweiz sowie das Qualitätsbewusstsein der Schweizer, erläutert Saliger. Das deutet darauf hin, dass der Händler nicht als Preisbrecher in den Markt drängen will. Dazu Saliger: «Die Preispolitik für die Schweiz wird derzeit intern abgeklärt.» Sie hänge unter anderem von den örtlichen Personalkosten ab.

Bereits klar ist, dass XXXLutz sein Gesamtsortiment nach Rothrist bringen wird. «Wir treten mit unserem Vollsortiment an und werden sowohl Eigenmarken als auch Markenmöbel anbieten.»

Eine Familie verabschiedet sich

Mit der Vermietung des Stilhaus' an XXXLutz verabschiedet sich die Familie Hubacher-Medina endgültig aus dem Möbelhandel. Bereits im Herbst 2015 verkaufte sie das Haupthaus in Rothrist. Für 80 Millionen Franken wurde Möbel Hubacher an Pfister, den grössten Möbel-Fachhändler der Schweiz, verkauft. Pfister sicherte sich so das mit 35'000 Quadratmetern grösste Möbelhaus der Schweiz und zementierte seine Marktposition als führender Fachhändler im Land.

Nicht betroffen vom Hubacher-Pfister-Deal war damals das Stilhaus. Ursprünglich als Design-Erweiterung von Hubacher eröffnet, wurde es zuletzt von Familienspross Daniel Medina zu einem Wohn-, Bau- und Gastrozentrum umgebaut. Damit ist nun ebenfalls Schluss. Medinas Konzept weicht einer XXXLutz-Filiale. Die 1943 gestartete Möbelhandels-Tradition der Hubacher-Medinas ist Geschichte.

Wendepunkt im Schweizer Möbelhandel

Gleichzeitig markiert das Ende der Familiegeschichte einen Wendepunkt im Schweizer Möbel-Detailhandel. Nach der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe, hierzulande mit ihren Handelsmarken Conforama und Lipo präsent, expandiert ein weiterer internationaler Riese in die Schweiz. Dies wird den Druck auf die Schweizer Fachhändler weiter erhöhen – allen voran auf die vielen kleineren Anbieter wie Möbel Märki oder Schubiger. Aber auch auf Marktführer Pfister.

Die Schweizer Fachhändler leiden seit Jahren unter sinkenden Umsätzen. Erstens, weil der hiesige Markt von Discountern wie Ikea, Conforama und Lipo, aber auch Micasa (Migros) und Toptip (Coop) dominiert wird. Sie steigern ihre Marktanteile kontinuierlich. Zweitens, weil viele Schweizer ihre Möbel nach wie vor gerne im benachbarten Ausland kaufen – obwohl die Schweizer Preise in den letzten Jahren markant gefallen sind. Drittens schliesslich, weil auch bei Möbeln der Online-Handel markant an Boden gewinnt.

Pfister gelassen

Dennoch reagiert Pfister betont gelassen auf den bervorstehenden Markteintritt von XXXLutz: «Der Standort Rothrist gewinnt noch mehr an Attraktivität und wird zum noch grösseren Möbel Cluster, wo der Kunde auf einer Fläche verschiedene Anbieter findet», sagt Alfredo Schiliro, Sprecher der Pfister Arco Holding. «Dies ist positiv und bereichernd für die Konsumenten und belebt gleichzeitig das Geschäft aller Anbieter.»

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