Die Ärmel hochkrempeln und sich richtig für den Betrieb einsetzen, das tun in der Schweiz nicht viele Arbeitnehmer. Die meisten machen Dienst nach Vorschrift und leisten weit weniger, als sie eigentlich könnten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Gallup-Institut durchgeführt hat.

Der renommierte Markt- und Meinungsforscher stellte fest: Über zwei Drittel der Mitarbeiter machen einen lauen Job - genau 69% engagieren sich allenfalls mittelmässig, wenn überhaupt, so die aktuelle Untersuchung, 9% gar nicht.

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Zusammengefasst sind die brisanten Zahlen im so genannten «Engagement-Index».

Diesen erhob Gallup im Jahr 2005 zum ersten Mal in der Schweiz, 500 Arbeitnehmer wurden am Telefon ausführlich befragt. «Wir haben einen repräsentativen Querschnitt gewählt. Es sind alle Branchen und Hierarchieebenen vertreten», beschreibt Gerald Wood, verantwortlich für die Studie, die Datenbasis.

Innere Kündigung vollzogen

Mustergültige Mitarbeiter befinden sich demnach in der Minderheit. Gemäss der Studie sind 22% der Beschäftigten hoch engagiert, setzen sich für ihren Betrieb ein und leisten Überdurchschnittliches. Der breite Mittelbau macht mit, tut aber keinen Handschlag zu viel. Überdies hat annähernd jeder Zehnte nur eine sehr geringe Bindung an den Betrieb. «Die innere Kündigung ist vollzogen. Man arbeitet aktiv gegen die Interessen der Firma», beschreibt Wood die Einstellung dieser Unterklasse.

Das von Gallup erhobene Material enthält einigen Zündstoff. Denn die Geschäfte würden deutlich besser laufen, wären nur die Mitarbeiter engagierter. «50 Mrd Fr. entgangenes Geschäft», taxiert der Meinungsforscher den Verlust, den die Schweizer Volkswirtschaft erleidet, nur weil der Einsatzwille fehlt.

Für die Eidgenossenschaft bedeutet das: Der Schaden durch fehlendes Engagement in den Betrieben beläuft sich auf 11,5% des Bruttoinlandsproduktes (Wertbasis: BIP 2003, Economiesuisse).

Einen der Gründe für den hohen Anteil der mässig Engagierten nennt die Headhunterin Doris Aebi von Aebi + Kueni, Zürich: «Die Restrukturierung dauert an. Das ist kein Umfeld, in dem Motivation blüht.» Weil sich Unternehmen aller Branchen andauernd neu organisieren, ist die Stimmung im Keller. Viele Mitarbeiter haben Angst vor dem Wandel, der für einzelne sogar auf der Strasse enden kann. Dass hier Stimmung und Engagement nur niedrige Werte erreichen, ist dann nur folgerichtig.

Die Untersuchung von Gallup zeigt freilich: Es gibt aus Schweizer Sicht nicht nur Schatten, sondern auch Licht. Denn im Vergleich steht die Eidgenossenschaft besser da als die deutschsprachigen Nachbarn. In Deutschland etwa gibt es nur 13% hoch engagierte Mitarbeiter, 9 Prozentpunkte weniger als hier zu Lande. Auch Österreich schneidet mit 19% Engagierten-Anteil schlechter ab als die Schweiz.

«Das Arbeitsethos in der Schweiz ist sehr hoch. Eine Folge zwinglianischer Gesinnung», ortet Margit Osterloh, Professorin für Betriebswirtschaft an der Universität Zürich, den Grund für das bessere Abschneiden. Schweizer gelten im internationalen Vergleich als solide und professionelle Arbeiter, was die Gallup-Studie bestätigt.

Dennoch geht auf betrieblicher Ebene durch fehlendes Engagement einiges verloren, Beispiel Fehltage: Die hoch engagierten Arbeitnehmer fehlen nur vier Tage im Jahr, die Demotivierten dagegen dreimal so viel, nämlich 12 Tage. Überdies zeigt sich: Mitarbeiter, die sich einsetzen, sind auch über ihre unmittelbare Leistung hinaus gut für den Betrieb. «Sie sorgen für Kundenbindung und sie empfehlen die Produkte weiter», nennt Demoskop Gerald Wood die Pluspunkte.

Ausserdem reden die 22% Engagierten im Freundeskreis nur Gutes über ihren Arbeitsplatz und stärken so das Image der Firma und sie kündigen weniger: Nach einem Jahr sind von den Besten noch 83% dabei.

15200 Franken pro Kopf

Das macht sich in entgangenem Geschäft bemerkbar: 15200 Fr. Leistungseinbusse ergeben sich pro mässig engagiertem Mitarbeiter im Jahr. «Weiche Faktoren, harte Auswirkungen», kommentiert Forscher Wood dieses Ergebnis. Vermeintlich Softes wie Engagement und Motivation hinterlassen auch unter dem Strich ihre Spuren.

Aber es lässt sich gegensteuern. Was die Mitarbeiter motiviert, haben die Gallup-Meinungsforscher ebenfalls in einer Studie ermittelt. 105000 Arbeitnehmer in aller Welt haben an der Motivationsstudie teilgenommen. «Mitarbeiter sollen jeden Tag das tun, was sie am besten können», fasst der Demoskop Wood zusammen, und sie sollten wissen, was von ihnen erwartet wird. Überdies ist laut Wood Lob sehr wichtig: «Anerkennung für gute Arbeit geben, mindestens einmal in der Woche.»

Auch die menschlichen Faktoren können das Engagement bei der Arbeit fördern: Ein Chef, der sich für den Mitarbeiter als Menschen interessiert, erreicht mehr als ein kalter Apparatschik. Einfache Gespräche helfen dabei: Sie zeigen dem Mitarbeiter, dass Meinung und Ideen etwas wert sind.

Deshalb gibt Wood den Managern mit auf den Weg: «Zeigen sie den Mitarbeitern, dass deren Arbeit wichtig ist.»