Der Chef persönlich führt durch das Herzstück der Firma: Ein Mischwerk, das sich über drei Etagen erstreckt. Warme Tanks, Rohrleitungen, Schläuche und Schalter sind zu sehen, dazwischen ein paar ölige Gerüche wahrzunehmen. «Das eigentliche Geheimnis steckt in unseren Rezepturen», verrät der 42-jährige Edi Fischer, der seit Januar als CEO von Motorex in Langenthal waltet.


Zwölf Leute für die Forschung

Er spricht von spezifischen Kenntnissen, vom Wissen darum, wie «die Suppe gewürzt werden müsse». Im Wesentlichen sind es 60 Basisöle und rund 250 Additive, aus denen das Unternehmen seine Produkte mischt: Zum Beispiel Motoren-, Getriebe- und Automatiköle für alle möglichen Autos. Hersteller wie BMW, Mercedes oder VW verlangen aber die Erfüllung bestimmter chemischer Parameter für ihre verschiedenen Modelle. Rund ein Dutzend Spezialisten in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit von Motorex ist deshalb damit beschäftigt, neue Rezepturen für einzelne Wagentypen und spezielle Anwendungen zu erforschen und zur Marktreife zu bringen.

Die Langenthaler produzieren aber auch Öle für alle möglichen Fahrzeuge und Maschinen: Vom Auto, Bagger, Boot, Lastwagen und Motorrad über Snowmobil bis zu Traktor oder Velo. Beliefert werden Garagen, aber auch Tankstellenketten wie diejenigen von Migros und Coop.

Mächtige Konkurrenten sind Shell, BP/Castrol und ExxonMobil. Diese Multis setzen vor allem auf weltweite Partnerschaften mit Autoimporteuren und konzentrieren sich auf standardisierte Massenprodukte. Die Chance von Motorex liegt deshalb bei Nischenprodukten und der Nähe zu den Kunden. «Zwischen den Beinen der Multis hat es für uns noch viel Platz», sagt der Chef. Motorex nutzt ihn auch und verfügt über ein bewusst breites Sortiment. «Allein im letzten Jahr haben wir 2500 verschiedene Produkte geliefert», verdeutlicht Fischer die Breite von Motorex. Die Vielfalt sei manchmal aber auch eine Gratwanderung, räumt er ein.

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Die Firma verzichtet auf ein grosses Fertigproduktelager. Umso flexibler sei man aber in der Produktion. Fischer betont zudem, dass man über das grösste Basisöllager der Schweiz verfüge. 7,5 Mio l Reserven sind es – ein komfortables Rohstoffpolster, wie es sich wohl nur ein gut aufgestelltes Familienunternehmen leisten kann.

Trotzdem sind es auch bei Motorex die schwankenden Ölpreise, welche öfters für Hektik sorgen. «Zum Glück sitzen sämtliche Konkurrenten im gleichen Boot und kommen nicht darum herum, Preissteigerungen ebenfalls weiterzugeben», sagt Fischer mit einem leichten Seufzer.

Zum Erfolgsrezept der Firma gehöre, dass man technisch versierte Aussendienstler bei den Kunden an der Front habe. Diese sollen nicht nur vor Ort beraten, sondern auch neue Bedürfnisse aufspüren und Ideen für Innovationen liefern. Das zahle sich zum Beispiel in der Industrie aus, dem zweiten Standbein der Firma: «Wir bieten nicht einfach Produkte an, sondern umfassende Lösungen für den Fertigungsprozess. Die Kunden profitieren davon, denn die Wahl des richtigen Öls kann die Lebensdauer einer Maschine verlängern und die Bearbeitungszeiten bei Reparaturen verkürzen.

Zum Ehrgeiz von Motorex gehört es laut Fischer, sich jedem «schmiertechnischen» Problem zu stellen und dafür eine Lösung zu finden, bis hin zur massgeschneiderten Mischung. Die Schneidöle und Kühlschmierstoffe aus Langenthal sind denn auch weltweit in allen möglichen Maschinen zur Fertigung von Fahrzeug- und Flugzeugkomponenten zu finden, aber auch in Schweizer Uhren oder in medizinaltechnischen Geräten.

Motorex gilt längst als starke Marke mit hohem Bekanntheitsgrad. Dazu trägt zum Beispiel die Kooperation mit dem Motorrad-Hersteller KTM bei, der im Rennsport zu den ganz Grossen gehört.


Bekannt durch Sponsoring

Aber auch Motorrad-Rennteams von Kawasaki, Suzuki oder Yamaha setzen am liebsten auf das Öl aus der Schweiz, wenn es um entscheidende Hundertstelsekunden geht. Das damit verbundene Sportsponsoring hilft, das immer wichtigere Auslandgeschäft anzukurbeln. Volumenmässig beträgt der Exportanteil inzwischen 25%. Abnehmer gibt es in mehr als 60 Ländern, und die Produktetiketten müssen in 14 Sprachen übersetzt werden. «Der Export von Motorrad- und Industrieschmierstoffen ist zwar ein wichtiger Wachstumstreiber, aber auch in der Schweiz gibt es noch viel zu gewinnen», sagt Fischer.

Mit Eduard Fischer steht seit Anfang Jahr erstmals ein «Fremder» an der Spitze der Firma. Vorher wurde diese von drei Generationen der Eigentümerfamilie geleitet. Motorex kann auf eine bereits 90-jährige Geschichte zurückblicken, die einst mit Schuh- und Bodenwichse begonnen hatte. 1947 wurden die Weichen in Richtung Schmierstoffe und Motorenöle gestellt.

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Das in diesem Bereich gewonnene Know-how ist die Basis, auf der Fischer Motorex in eine erfolgreiche Zukunft führen soll. Der gelernte Agraringenieur und Betriebswirtschafter, der viele Jahre bei einem Grosskonzern tätig war, schätzt besonders die in einer Familienfirma kurzen Entscheidungswege. Klar ist für ihn auch, dass Motorex unabhängig und Langenthal treu bleiben wird.

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Firmenprofil

Name: Bucher-Motorex AG, Langenthal BE
Gründung: 1917
Führung: Eduard Fischer
Umsatz: 110 Mio Fr.
Beschäftigte: 230
Produkte: Schmierstoffe, technische Reinigungs- und Pflegeprodukte, Aerosole
Internet: www.motorex.com