Es sind schwere Zeiten für Watchmaster, einen europäischen Händler von zertifizierten Luxusuhren aus zweiter Hand. Dem Unternehmen kamen am 19. November bei einem spektakulären Diebstahl in Berlin Gegenstände im Wert von mindestens 10 Millionen Euro abhanden. Und nun, bloss zehn Tage danach, sah sich die Berliner Watchmaster ICP GmbH am Dienstag dazu gezwungen, Insolvenz anzumelden. Der Grund: eben der vorausgegangene Einbruch.

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Laut Angaben der Polizei sind Unbekannte am Samstagabend gegen 20 Uhr in eine Hochsicherheits-Tresoranlage an der Fasanenstrasse in Berlin eingedrungen. Die Täter knackten und plünderten zahlreiche Schliessfächer, in denen sich auch rund tausend Uhren von Watchmaster befanden.

Die Einbrecher entkamen mit der Beute. Das 2015 gegründete Unternehmen zeigte den Einbruch noch am selben Tag bei der Polizei an. Mittlerweile ermittelt das Landeskriminalamt Berlin.

Watchmaster selbst gehört nur ein kleiner Teil der gestohlenen Luxusuhren. Der Grossteil ist Eigentum von Kommittenten, also Kundinnen und Kunden, die ihre Uhren über die Secondhand-Plattform verkaufen. Diese erleiden dank einem Versicherungsschutz keinen unmittelbaren finanziellen Schaden.

Händler für Secondhand-Luxusuhren

Die Online-Plattform des 2015 entstandenen Unternehmens Watchmaster ICP GmbH mit Schwerpunkt Deutschland bietet gebrauchte und neue Uhren an. Gekauft werden Uhren von Händlern und Endkunden, um sie weiterzuverkaufen. Die Firma, die auch Boutiquen in Berlin, London und Paris betreibt, bietet zudem Wartungs-, Reparatur- und Zertifizierungsservices an. Laut eigenen Angaben ist Watchmaster mit derzeit 75 Mitarbeitenden einer der grössten Händler zertifizierter Luxusuhren aus zweiter Hand in Europa. Rund 4000 Uhren waren zuletzt auf der Internetseite des Unternehmens verfügbar. 

Watchmaster dagegen erhält bloss den Einkaufspreis seiner Uhren zurück, «was aber bei weitem nicht das abdeckt, was bereits in Aufbereitung und Zertifizierung sowie Marketing investiert wurde», wie die Firma in einer Medienmitteilung schreibt. 

Dem Unternehmen seien wichtige Zukunftsumsätze und Margen genommen worden. «Unter diesen nicht zu erwartenden Umständen ist es dem Unternehmen nicht mehr möglich, eine positive Fortführungsprognose abgeben zu können. Der Vorfall zwingt uns in die Insolvenz», heisst es weiter.

Bereits am Montag liess die auf Insolvenzen spezialisierte Kanzlei BBL in einer Mitteilung verlauten, dass sie Watchmaster «im Umgang mit der bestehenden Sondersituation» unterstütze. Unter anderem solle geprüft werden, wie die Interessen der Kunden und Kundinnen geschützt werden können. Dabei geht es auch um den Betrieb der beiden Watchmaster-Töchter in Frankreich und Grossbritannien.

Screenshot Onlineplattform Watchmaster

Auf der Online-Plattform vertreibt Watchmaster teure Uhren – etwa von Rolex, Omega oder Breitling.

Quelle: Screenshot: watchmaster.com

Am Mittwoch verkündete das Unternehmen nun in ihrer Mitteilung, dass das Amtsgericht Charlottenburg den Sanierungsexperten Philipp Hackländer von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt hat.

Für das kommende Jahr wollte Watchmaster, das zurzeit rund 75 Mitarbeitende an den Standorten in Berlin, Paris und London beschäftigt, eigentlich die physische Präsenz ausbauen. Diese Pläne seien nun «über Nacht» zunichtegemacht worden. «Wir sind zutiefst bestürzt, welche harten Konsequenzen dieser Vorfall für alle Beteiligten hat», schreibt Watchmaster weiter. 

(mth)

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