Ab Ende Oktober 2019 soll die Flotte von Helvetic Airways mit neuen Flugzeugen des Typs Embraer E190-E2 aufgestockt werden. Die Flieger des brasilianischen Herstellers haben Triebwerke vom Typ Pratt & Whitney (PW). Dieser Anbieter sorgt derzeit bei der Swiss für erhebliche Schwierigkeiten. Auch Helvetic Airways droht nun Ungemach in der Angelegenheit.

Die Swiss musste alle ihre 29 Flieger vom Typ A220 vom Himmel holen, um sie zu untersuchen. Zuvor hatte es mehrere Zwischenfälle mit den Triebwerken gegeben. Dabei sollen Funken geflogen sein, es waren sogar Teile des Geräts abgebrochen und zu Boden gefallen.

Direktive der FAA

Nach den Vorfällen bei Swiss hatte die US-Flugaufsicht FAA Ende September zusätzliche Inspektionen angeordnet. Dies betrifft nicht nur PW-Triebwerke, die an den A220 montiert sind, sondern auch solche, die am Flugzeugtyp Embraer E-190-E2 montiert sind – also jenem Typ, den Helvetic bald im grossen Stil einsetzen will.

Bei der Swiss handelt es sich um Triebwerke vom Typ Pratt & Whitney PW 1500. Helvetic hat Embraer-Maschinen bestellt, die mit dem Triebwerk Pratt & Whitney PW 1900-G-Pure-Tower ausgestattet sind. Die Direktive der FAA bezieht sich ebenfalls auf die Triebwerke vom Typ PW1900G.

Was macht nun Helvetic? Werden die Flieger nochmals untersucht, bevor sie in den regulären Dienst gehen? Ist der Starttermin der brandneuen Helvetic-Flugzeuge in der Schweiz gefährdet?

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Helvetic-Sprecher Mehdi Guenin bestätigte am Mittwochmorgen gegenüber der «Handelszeitung», dass Helvetic auch von der FAA-Direktive betroffen sei. Man sei in ständigem Austausch mit dem Triebwerkhersteller, Embraer aber auch mit Swiss.

Aushilfe für Swiss

Der Helvetic-Sprecher sagt, dass es sich beim zukünftigen Helvetic-Triebwerk um eine Variante des Typs handelt, der nun für den Stillstand bei der Swiss sorgt. «Der Triebwerktyp der E2 ist vom Aufbau, Funktionalität und Aussehen her identisch, jedoch handelt es sich hier um eine Variante, Embraer E190-E2 nutzt die Variante PW1900G, Airbus A220 nutzt die Variante PW1500G», so Guenin.

Andere Airlines, die mit dem zukünftigen Helvetic-Triebwerkstyp bereits unterwegs seien, hätten aber keine Probleme gemeldet – zum Beispiel Azul. Trotzdem wirft der Fall ein schlechtes Licht auf den Triebwerkshersteller, der nun das neue Helvetic-Flaggmodell ausstattet.

Wenn der erste neue E2-Flieger von Embraer zu Helvetic komme, werde er natürlich nochmals genau unter die Lupe genommen, so Guenin. Die bisherigen elf Maschinen vom Typ E-190-E1, die bei Helvetic im Einsatz sind, seien von den aktuellen Problemen nicht betroffen.

Helvetic hat zwölf Embraer-Maschinen vom Typ E190-E2 bestellt. Die erste Maschine mit dem Kennzeichen HB-AZA wird in wenigen Tagen – Ende Oktober 2019 – zum ersten Mal in Zürich erwartet. Die neuen Flieger sollen nicht nur für Helvetic im Einsatz sein, bis zu zehn Maschinen will Helvetic ausschliesslich für die Swiss einsetzen. Helvetic möchte wie geplant die erste E2-Maschine am 1. November in Dienst stellen.

Nach den massiven Flugausfällen bei Swiss wird Helvetic laut Guenin nun der Lufthansa-Tochter aushelfen. So sollen mehr Helvetic-Maschinen auf den Routen Zürich-London-City sowie Richtung Florenz eingesetzt werden.

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Ein Embraer E190-E2 bei der Landung in Lhasa, Tibet: