Die Schweizerische Nationalbank (SNB) forscht zwar an einem digitalen Franken, hat derzeit aber keine Absichten, einen solchen auch einzuführen. Das betont SNB-Chefökonom Carlos Lenz an einer Pressekonferenz, die von der Bankiervereinigung veranstaltet wurde. «Das aktuelle Zahlungsverkehrssystem funktioniert gut», sagt Lenz. Entsprechend gebe es keinen Bedarf nach einem digitalen Franken.

Die Studien und Pilotprojekte, welche die SNB derzeit mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der französischen Notenbank durchführe, beziehen sich alle auf digitale Währungen für Grosskunden wie Banken, betont Lenz. «Hier geht es aber nicht um eine Umsetzung auf produktiver Ebene», betont Lenz. «Aktuell ist keine Einführung eines digitalen Zentralbankengelds geplant. Das gilt auch für den Wholesale-Bereich.»

Laut Lenz besteht nicht die Gefahr, dass der Franken von anderen Währungen verdrängt werden könnte, sollte die Schweiz bei der Entwicklung digitaler Währungen abseitsstehen. «Wir hatten solche Diskussionen auch bei der Einführung des Euro», sagt er auf eine Frage der «Handelszeitung». «Auch da gab es die Befürchtung, dass Zahlungen plötzlich in Euro abgewickelt würden.» Doch das habe sich nicht bewahrheitet.

Unabhängig von den allfälligen Plänen der SNB setzt Lenz ein Fragezeichen hinter die Blockchain-Technologie. Für einen digitale Franken gäbe es theoretisch sehr viele technologische Möglichkeiten, so Lenz. «Man könnte sich ein direktes Konto bei der Nationalbank vorstellen. Nicht dass wir das machen wollen, aber das wäre die einfachste Form.» Oder man setze auf komplett dezentrale Lösungen auf einer Blockchain, bei der es keine zentrale Instanz gibt. «Blockchain ist jedoch sehr ineffizient», so Lenz. «Ich glaube nicht, dass eine dezentrale Lösung ideal ist.»

Die Bankiervereinigung (SBVg) betont, dass es derzeit keinen Bedarf für eine digitale Schweizer Währung gebe, da die Banken den täglichen Zahlungsverkehr sicherstellten. Zwar sei das Thema «hochaktuell», betont SBVg-Mitarbeiter Martin Hess. Allerdings berge ein digitales Geld auch Gefahren für das Bankensystem. Er erinnert an die Diskussion um ein Vollgeld, das von den Schweizer Stimmbürgern abgelehnt wurde. Für Hess ist indes klar, dass ein modernes Digitalgeld eingeführt wird. «Die Frage ist nur, in welcher Form.»