Nestlé produziert seine Kaffeekapseln jetzt auch in Deutschland. Am Freitag nahm der Schweizer Lebensmittel-Konzern in Schwerin ein neues Werk in Betrieb. In dem neuen Werk werden täglich zunächst zwei Millionen Kapseln der Handelsmarke Dolce Gusto hergestellt, die bislang nur in zwei Nestlé-Werken in Spanien und England produziert wurden. «Deutschland ist der grösste und bedeutendste Markt für Nescafé Dolce Gusto», sagte Nestlé Deutschland-Vorstandschef Gerhard Berssenbrügge zur Werkeröffnung in Schwerin. Angaben zu aktuellen Verkaufszahlen und Umsatzentwicklungen machte er aber nicht. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben europaweit Marktführer bei Portionskaffee.

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Nähe zu Deutschland sehr wichtig

Die Nähe zum deutschen Markt sei angesichts weiterhin zweistelliger Zuwachsraten sehr wichtig. Zudem würden von Schwerin aus auch die Märkte in Skandinavien und Osteuropa beliefert, sagte Berssenbrügge weiter. Nestlé hatte vor gut 25 Jahren mit der in der Schweiz produzierten Premiummarke Nespresso den Beginn der neuartigen Kaffeezubereitung eingeleitet. Kaffeekapseln sind wegen des damit verbundenen Verpackungsmülls allerdings umstritten. Jede Tasse Kaffee hinterlässt eine Aluminium- oder Plastikkapsel.

Der Neubau des Werkes in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt gilt als eine der grössten Auslandsinvestitionen in Deutschland seit Jahren. 220 Millionen Euro investiert der Multi-Konzern in Schwerin. «Das ist die bedeutendste Einzelinvestition, die wir je in Deutschland gemacht haben», erklärte Berssenbrügge. «Ich kann ihnen heute sagen: Schwerin ist eine Kaffeemetropole.»

450 neue Jobs

Die Ansiedlung bringe bis zu 450 neue Arbeitsplätze und stärke die Ernährungsgüterwirtschaft, die mit 15'000 Beschäftigten eine der tragenden Säulen Mecklenburg-Vorpommerns sei, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Nestlé beschäftigt derzeit 170 Mitarbeiter in Schwerin, die laut Unternehmen fast vollständig aus der Region kommen. Ende 2014 sollen es 200 sein.

Mit dem Endausbau des Werkes sollen nach Unternehmensangaben bis zu zwölf Produktionslinien in Betrieb sein. Berssenbrügge kündigte an, dass in den insgesamt 50'000 Quadratmeter grossen Hallen bis 2016 zunächst acht Linien installiert werden, auf denen dann mehr als zwei Milliarden Kapseln pro Jahr hergestellt werden können.

Nestlé-Europachef Laurent Freixe zeigte sich überzeugt davon, dass der Absatz der Kapseln weiter kräftig zulegen wird. Das Unternehmen lege grössten Wert auf nachhaltige Gewinnung des verwendeten Kaffees. Umweltschützer beklagen, dass die Kapseln nur schwer von den Kaffeeresten zu trennen und so nur schwer zu recyceln seinen.

(awp/chb)