Nestlé sieht sich aufgrund des Kriegs von Russland gegen die Ukraine mit einigen Risiken konfrontiert. Erste Wertberichtigungen hat der Nahrungsmittelriese bereits vorgenommen und er will die weitere Situation genau im Auge behalten.

Nestlé beschreibt im am Donnerstag veröffentlichten Halbjahresbericht diverse Probleme, die wegen des Krieges entstanden sind. So erlitten Firmen, die in der Region tätig seien, beispielsweise Reputationsschäden und das Risiko von Cyberangriffen steige. Zunehmende Risiken sieht Nestlé auf sich zukommen, wenn es zu weiteren Sanktionen, Ausfuhrkontrollen oder anderen Vorschriften, wie etwa Beschränkungen für den Transfer von Geldern nach und aus Russland, kommt.

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Nur Grundnahrungsmittel und medizinische Tiernahrung

Auf öffentlichen Druck hin hatte Nestlé im März einen Grossteil der Produktion in und Lieferungen nach Russland eingestellt - mit Ausnahme von Grundnahrungsmitteln oder medizinischer Tiernahrung. Dabei wurden auch Befürchtungen laut, Russland könnte Nestlé-Fabriken enteignen.

Bislang gibt es dafür zwar keine Anzeichen: Zwar sei die Handlungsfreiheit der Geschäfte von Nestlé in Russland erheblich eingeschränkt, heisst es. Allerdings habe die Bewertung ergeben, dass die Veränderungen im rechtlichen und operativen Umfeld Russlands und der Ukraine die Fähigkeit zur Ausübung der Kontrolle über die Unternehmen in diesen Ländern nicht beeinträchtigt hätten.

Allerdings musste Nestlé 71 Millionen Franken auf Sachanlagen in Russland abschreiben. Das Unternehmen hatte dort noch sich im Bau befindliche Gebäude, die nun nicht fertiggestellt werden. Aber auch bei gemieteten Immobilien gab es Wertverminderungen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Zudem fiel auch die Schliessung von Verkaufsstellen ins Gewicht.

Weiterer Verlust von Vermögenswerten möglich

Bei den immateriellen Vermögenswerten und dem Goodwill stellte das Unternehmen hingegen keine Wertbeeinträchtigungen fest - noch. «Der anhaltende Krieg könnte die Produktion und die Konsumentennachfrage weiter beeinflussen oder zu weiteren Wertbeeinträchtigungsaufwendungen oder dem Verlust von Vermögenswerten führen», heisst es in dem Bericht.

Neben dem Russland-Geschäft musste Nestlé zudem im ersten Halbjahr noch gewichtigere Wertberichtigungen in anderen Bereichen vornehmen.

Im Zusammenhang mit geistigen Eigentumsrechten bei der Gesundheitssparte Nestlé Health Science resultierte eine Wertminderung von 314 Millionen Franken, in den USA gab es einen Markenverlust in der Höhe von 285 Millionen Franken. Zusammen mit höheren Steuern liessen diese Effekte den Reingewinn um gut 11 Prozent auf 5,2 Milliarden Franken absacken.

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(awp/gku)