Nestlé baut sein Gesundheitsgeschäft mit einem Milliardenzukauf aus: Rund 2,1 Milliarden Dollar will der weltgrösste Lebensmittelkonzern aufwerfen, um die US-Firma Aimmune Therapeutics vollständig zu übernehmen. Aimmune sitzt in Brisbane bei San Francisco und entwickelt und vermarktet Therapien gegen lebensbedrohliche Lebensmittelallergien.

Das vom Unternehmen verkaufte Medikament Palforzia ist die erste und einzige von der FDA zugelassene Behandlung gegen Erdnussallergie bei Kindern zwischen 4 und 17 Jahren.

Die Aimmune-Aktionäre sollen 34,50 Dollar je Aktie erhalten, was einer Prämie von 174 Prozent gegenüber dem letzten Börsenkurs entspricht. Aimmune würde damit zu 2,6 Milliarden Dollar bewertet. Nestlé besitzt bereits ein Viertel des Unternehmens zu einem Wert von 473 Millionen Dollar. Der Konzern aus Vevey war 2016 bei Aimmune eingestiegen und hatte seine Beteiligung danach vier weiteren Schritten ausgebaut.

Finanzieren will Nestlé die Transaktion aus seinen liquiden Mitteln.

«Gute strategische Ergänzung»

Die Nestlé-Aktie notierte im frühen Börsenhandel höher – allerdings in Einklang mit dem Gesamtmarkt. Analysten sehen in der nun vollständigen Übernahme des US-Biopharmaunternehmens mehr Chancen als Risiken. So sprechen die Experten der Bank Vontobel etwa von einer «guten strategischen Ergänzung» in einem Bereich, der hohes Wachstum und hohe Rentabilität verspreche.

Anzeige

Auch die ZKB bewertet den Zukauf wohlwollend, da Nestlé das Unternehmen bereits sehr gut kenne, was die Risiken limitiere. 

Bei Nestlé wird Aimmune der Sparte Nestlé Health Science einverleibt. Deren Chef Greg Behar traut dem Erdnussallergie-Medikament Palforzia mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz zu. Die Zulassung in der EU erwartet er bis Jahresende, wie er zur Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Laut Angaben von Nestlé leiden weltweit bis zu 240 Millionen Menschen unter einer Lebensmittelallergie, wobei eine Erdnussallergie am häufigsten auftritt. Der Kauf von Aimmune soll sich 2021 positiv auf das organische Wachstum des Konzerns auswirken und ab 2022/23 einen positiven Beitrag zum Gesamtergebnis leisten. 

(reuters/tdr)