Nestlé richtet sein Wassergeschäft neu aus. Der Konzern erwägt den Verkauf seines Massengeschäfts in den USA mit populären Marken wie dem im Bundesstaat Maine gefassten Poland Spring ­– eines der am meisten getrunkenen Wasser der USA – und Umsätzen von 3,4 Milliarden Franken.

Das entspricht fast der Hälfte des Umsatzes der Kategorie von 7,8 Milliarden Franken.

Konzentration auf Premium-Marken

Stattdessen will sich Nestlé auf Premium-Marken wie San Pellegrino, Perrier und Acqua Panna konzentrieren. Diese zählten seit je zu «den Leistungsträgern» im Nestlé-Portfolio, schreibt das Unternehmen. 

Die regionalen Quellwassermarken, das Geschäft mit aufbereitetem Flaschenwasser und der Getränkelieferservice in den USA lägen hingegen «ausserhalb dieser Ausrichtung». Der Verwaltungsrat habe deshalb beschlossen, «strategische Optionen einschliesslich eines möglichen Verkaufs» zu prüfen, schreibt Nestlé.

Das US-Wassergeschäft läuft miserabel

Das kommt einem Befreiungsschlag gleich. Das Massengeschäft mit dem Flaschenwasser in den USA zählt zu den Underperformern im Nestlé-Portfolio.

2019 war miserabel, der Preiskampf im heiss umkämpften Markt mit dem blauen Gold ist brutal, die Möglichkeiten zur Preisdifferenzierung etwa über leichte Geschmacksnoten sind beschränkt.

«Wir haben uns bereits vor vielen Jahren gewundert, warum sich Nestlé auf diesen Preiskampf eingelassen hat», schreibt Patrik Schwendimann, Analyst der ZKB.

Der Schritt passt zu den Anstrengungen von Nestlé-Konzernchef Mark Schneider, sich konsequent von schlecht laufenden Geschäften zu trennen und den Konzern stärker im Premium-Bereich zu positionieren.

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Ein Nachhaltigkeitsproblem weniger

Doch das ist nur die eine Seite dieses radikalen Schritts. Der Nestlé-Konzernchef wird damit auch einen Teil der Umweltprobleme los, die mit dem Wassergeschäft verbunden sind: hoher CO2-Ausstoss und Plastikmüll. Die Nachhaltigkeitsverpflichtungen des Unternehmens umfassten alle Marken, Produkte und geografischen Regionen von Nestlé Waters, schreibt Nestlé. Doch das wird mit Premium-Marken leichter zu machen sein als mit Massenmarken in einem hoch kompetitiven Umfeld, wo Differenzierung fast nur über den Preis möglich ist. 

Die «verstärkte Fokussierung unseres Wassergeschäfts ermöglicht es uns, noch besser auf Verbrauchertrends wie funktionelles Wasser einzugehen und gleichzeitig die Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsagenda zu beschleunigen», wird Konzernchef Mark Schneider in der Mitteilung zitiert. Konkret: Perrier, San Pellegrino und Acqua Panna sollen bis Ende 2022 klimaneutral operieren, das Wassermanagement soll durch eine Zertifizierung aller Standorte nach dem international anerkannten Standard der Alliance for Water Stewardship gestärkt werden. Zudem habe sich Nestlé Waters verpflichtet, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und seinen Bedarf an Neuplastik zu halbieren, sei es durch Recycling oder durch die Einführung alternativer Liefersysteme.

Ein Verkauf brächte Milliarden

Der tatsächliche Nutzen liege darin, eine «strategische Ablenkung und eine Umweltlast vom Tisch zu haben», zitiert Bloomberg Martin Deboo, den Analysten von Jefferies.

Und schliesslich dürfte der Verkauf – so es denn so weit kommt – auch noch eine hübsche Summe in die Kassen von Nestlé spülen. Analysten rechnen damit, dass der Konzern um die 6,5 Milliarden Franken lösen könnte. Das füllt die Kriegskasse, um sich weitere Premium-Marken ins Haus zu holen.