Zwischen den hohen Regalwänden tummeln sich Handwerker, Hausfrauen und bastelfreudige Senioren. In der Bauhaus-Filiale in Schlieren, dem grössten Baufachmarkt der Schweiz, suchen sie nach Mauernutfräsen, Parkett-Kantenschleifern oder simplen Dekostoffen. 20000 Quadratmeter misst die Niederlassung - oder ungefähr vier Fussballfelder. Peter Heussi, Geschäftsführer von Bauhaus Schweiz, reibt sich die Hände: «Der Umsatz ist im laufenden Jahr prozentual zweistellig gewachsen.»

Schlieren ist keine Ausnahme. In der Schweiz sind die deutschen Baufachmarkt-Ketten mit ihren insgesamt sieben Grossmärkten auf der Überholspur. Auch Klaus Becker, Landesgeschäftsführer von Hornbach in der Schweiz, ist jedenfalls überaus zufrieden: «Wir konnten im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen», freut er sich. Konkrete Zahlen zum Geschäftsverlauf legen aber weder Bauhaus noch Hornbach vor.

Ausflüchte der Verlierer

Weniger gut ist hingegen die Stimmung bei den Schweizer Mitbewerbern, wie Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK zeigen, die der «Handelszeitung» exklusiv vorliegen: Trotz Bauboom und Konjunkturerholung setzte die Migros-Tochter Do it + Garden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 3,7 Prozent weniger um als im Vorjahr. Und auch die Coop-Tochter Bau + Hobby hat an Terrain eingebüsst. 0,4 Prozent beträgt das Minus bei ihr in den ersten neun Monaten.

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Spricht man die Verlierer auf Umsatzrückgang und Marktanteilsverluste an, weichen sie aus. «Do it + Garden sowie Obi hatten 2009 beide Jubiläum und somit sehr gute Umsätze», erklärt Migros-Mediensprecherin Monika Weibel. Der orange Riese führt Obi als Franchise-Partnerin. «Sehr gut» ist jedoch relativ: Laut GfK hatte Do it + Garden bereits 2009 Umsatz verloren. «Jubiläums- und flächenbereinigt rechnen wir dieses Jahr mit einer Entwicklung auf Vorjahresniveau, möglicherweise gar etwas besser», beschwichtigt Weibel.

Coop führt die Umsatzentwicklung auf die Witterung zurück: «Der schlechte Frühling beeinflusste sicherlich das Geschäft», meint Coop-Mediensprecher Nicolas Schmied. «Trotzdem wachsen wir gerade bei den strategisch wichtigen Sortimenten wie Wohnen & Freizeit sowie Garten. Wir sind auf Vorjahreskurs und somit erfolgreich unterwegs», sagt er. Das Argument mit dem Wetter überzeugt allerdings nicht. Schliesslich trifft das Klima alle Baufachmärkte gleichermassen.

Klar ist hingegen: Die deutschen Baumarktriesen wachsen, weil sie eine andere Strategie verfolgen als ihre Schweizer Konkurrenten. Sie bauen vor allem auf ein riesiges und breites Sortiment. Das lockt viele Kleinunternehmen aus dem Bau- und Installationsbereich an, die ihren Materialbedarf bei den Giganten decken. Bauhaus schätzt den Anteil des Verkaufs an Profihandwerker auf mehr als 15 Prozent, laut Hornbach liegt er bei 14 Prozent.

Die Deutschen bleiben dran

Unter der Offensive der Deutschen leiden vor allem Migros und Coop, welche früher den traditionellen Bauzulieferern das Leben schwer machten. Heute merken diese von der neuen Konkurrenz wenig. «Das Wachstum bei den grossen deutschen Baumärkten führte bisher nicht zu einem Umsatzrückgang», sagt Elisabeth Arm, Leiterin Marketing des grössten Schweizer Baufachhändlers HG Commerciale. Man stelle keine Abwanderung von Kunden zu den Baufachmärkten fest. «Der Verdrängungskampf spielt sich unter den Detailhändlern ab», so Sprecherin Arm. Die HG Commerciale erwartet mit ihren 40 Verkaufsstellen dieses Jahr denn auch erneut ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich.

Die neuen deutschen Rivalen ihrerseits geben weiter Gas. Bereits heute erzielt Bauhaus hierzulande mit den zwei Niederlassungen in Schlieren ZH und Niederwangen BE über 100 Millionen Franken Umsatz. Im nächsten Jahr eröffnet die Kette eine weitere Filiale in Mels SG. In Matran FR wartet sie noch auf die Baubewilligung. «In der Schweiz besteht ein Verdrängungsmarkt», meint Bauhaus-Geschäftsführer Heussi. Dieser werde in den nächsten fünf bis zehn Jahren von zentraler Bedeutung. «Entscheidend dabei ist der Standort.» Diese strategischen Punkte in der Schweiz versuchen sich die deutschen Ketten jetzt zu sichern.

Auch Hornbach, der fünf Baumärkte in der Schweiz führt, möchte zulegen. «Wir wollen insgesamt zehn Märkte in der Schweiz eröffnen», bestätigt Länderchef Becker. Angesichts dieser Entwicklung müssen Migros und Coop zu schwerem Werkzeug greifen, um von den deutschen Bauriesen nicht überrollt zu werden.