Die Frage heisst: Ist die Party nun bereits vorbei oder nicht? Ein guter Teil der neuen EU-Mitglieder hätte ihre Börsenzukunft schon hinter sich, unken die Vorsichtigen, viele Börsenwerte scheinen bereits überteuert. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. Die Wirtschaft der CEE-Staaten wird in den nächsten Jahren stärker wachsen als in der Alt-EU, die Märkte etwa im Banken- und Versicherungsbereich haben tolle Wachstumschancen, in vielen Bereichen steht man erst am Anfang. Die drei relativ grossen Börsen in Warschau, Prag und Budapest sind, was die Marktkapitalisierung betrifft, noch nicht einmal auf dem Niveau der Wiener Börse (die in den letzten Monaten eine Erfolgsstory lieferte). Ein eigenes Kapitel ist dabei die Moskauer Börse, die von grossen Unwägbarkeiten gezeichnet ist, in Anbetracht des riesigen Marktes aber interessante Aspekte bietet.

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Polnische Herausforderung

Die letzten Wochen waren schwach, was aber wohl auch damit zusammenhängen mag, dass polnische Aktien bereits eine Bewertung auf westlichem Niveau erreicht haben und im laufenden Jahr ein durchschnittliches KGV von fast 17 erzielen. Dennoch steht die Börsenampel auf Grün. Das Wirtschaftswachstum ist wieder angesprungen, im letzten Monat hat die Industrieproduktion die höchste Zuwachsrate seit 1994 mit +24% aufzuweisen. Auch wenn die politische Lage als instabil gilt, das Budgetdefizit hoch ist (eine Achillesferse), sollte die Börse weiter anziehen. Als Besonderheit gilt dabei, dass die polnischen Pensionsfonds eine besonders starke Rolle spielen (sie müssen zwei Drittel ihrer Mittel am lokalen Kapitalmarkt veranlagen) und etwa ein Drittel des Börsengeschehens bestimmen. Das Gewinnwachstum der polnischen Unternehmen entwickelt sich überdurchschnittlich, 2004 mit einem geschätzten Plus von 47%, im kommenden Jahr lauten die Schätzungen auf 12%.

Vorsicht an Prager Börse

In Tschechien war zwar im Herbst eine Konsolidierung angesagt, seit Jahresbeginn hat in Prag aber ein wahres Kursfeuerwerk eingesetzt. Das hat dazu geführt, dass nun das KGV bereits bei 17 liegt und damit EU-Niveau erreicht hat. Nun scheint der Dampf etwas draussen zu sein, daher auch ein leichter Rückgang an der Prager Börse. Die tschechische Wirtschaft soll aber heuer wieder um 3 bis 4% wachsen, die Unternehmensgewinne dürften allerdings nur um 1 bis 2% wachsen. Das Risiko einer Konsolidierung scheint somit in Prag hoch zu sein.

Niederes Niveau in Ungarn

Ganz anders ist die Lage in Ungarn. Trotz der Kursgewinne der letzten Jahre sind die Aktien noch immer günstig bewertet, das KGV liegt bei 12. Das Gewinnwachstum der Unternehmen soll im kommenden Jahr bei 15% liegen, was noch einiges an Kursphilosophie erwarten lässt. Die ungarische Währung ist zwar Ende des vergangenen Jahres unter Druck geraten, die Notenbank hat deshalb mit einer Anhebung des Zinsniveaus versucht gegenzusteuern. Auch ist man der Illusion nachgehängt, möglichst rasch den Euro einführen zu können. Davon ist man aber wieder etwas abgerückt, die Währungspolitik kann als etwas stabiler angesehen werden. Zinssenkungen sind zu erwarten.

Gewitter in Russland

Russland ist zwar noch nicht Partner in der EU, zählt aber zu einem der interessantesten Märkte. Nach einigen positiven Monaten, in denen es auf Basis des hohen Ölpreises und guter Fundamentaldaten an der Börse aufwärts ging, sind nun wieder auch wegen politischer Gründe magerere Zeiten angesagt. Vor allem die Geschehnisse um den Ölmulti Yukos haben die Börse in Moskau in Schwierigkeiten gebracht. Standard & Poors hat die Firma um fünf Stufen von BB auf CCC abgestuft. Das ist die grösste Herausforderung seit der Parmalat-Krise. Von staatlicher Seite wird Yukos eine Zahlung von 3,5 Mrd Dollar angedroht. Einige Analysten gehen nun davon aus, dass bei weiteren Korrekturen die Chancen für einen Einstieg genutzt werden sollten.

Generell ist davon auszugehen, dass einige CEE-Märkte im Vergleich zur EU bereits stark aufgeholt haben, wenn auch jüngst eine Studie des World-Economic-Forums feststellte, dass es nach wie vor schwer wiegende Wettbewerbsnachteile gebe, vor allem in den Bereichen Märkte und Regulierung. Mit einer Einführung des Euro ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen. Der Fokus allerdings derzeit noch in geringem Ausmass wird sich in den nächsten Jahren aber auch auf Länder der so genannten zweiten und dritten Beitrittswelle verschieben. So sind zurzeit Titel aus Bulgarien (etwa Bulgartabak, Sofarma) und der Türkei interessant. Nichtsdestotrotz sollten die etablierten Märkte in Polen und Ungarn in geringerem Ausmass Tschechien eine Outperformance liefern können.

Was die Ostbörsen brachten: Performance in Euro

3 Monate 12 Monate Kapitalisierung

(in Klammer nationale Währung) (in Mrd Euro)

Polen WIG 20 6.6% (7.0%) 44.3% (61.2%) 31

Tschechien PX 50 24.3% (22.8%) 59.3% (64.0%) 25

Ungarn BUX 18.7% (13.3%) 37.0% (39.7%) 14

Russland RTS 13.7% (7.4%) 42.9% (54.3%) 250

Die interessantesten Ostaktien

Bank Pekao (grösste Bank Polens). Banken haben grossen Nachholbedarf und profitieren überdurchschnittlich von der EU-Erweiterung.

Prokom: Grösster Entwickler von Business Software, starke Gewinnwachstumsraten.

Grupa Kety: Aluminiumverarbeiter, starkes Umsatz- (+21%) und Gewinnwachstum (+58%).

Cesky Telecom: Grösster Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen, absoluter Bug-Kandidat.

Komercni Banka: Wird besonders von der EU-Erweiterung profitieren durch fallende Zinsen und steil wachsendes Volumen von Privatkrediten.

Philip Morris: Tochter des internationalen Konzerns Altria, hohe Dividendenrendite von rund 7,5%, sichere Anlage.

MOL: Öl- und Gasgesellschaft, durch das starke Wirtschaftswachstum wird der Konsum von Ölprodukten stark steigen, was gute Gewinnmöglichkeiten bietet.

Richter Gedeon: Pharmagesellschaft, die weltweit agiert, signifikante Marktanteile in Russland.

OTP: Grösste ungarische Bank, Marktführer im Retail-Bereich, starkes Wachstum mit niedrigem Risiko.

Lukoil: Grösstes Ölunternehmen und Nummer zwei der Welt, was die Ölreserven betrifft, 4000 Tankstellen.

Gazprom: Grösstes gasproduzierendes Unternehmen der Welt mit einem Weltmarktanteil von 20%.

Norilsk Nickel: Weltgrösster Erzeuger von Nickel und Palladium und einer der grössten Platin-Erzeuger mit beträchtlichen Weltmarktanteilen. (df)

Quelle: Capital Invest, RCB